Schlaf und Alkohol Wie der Schlummertrunk die Erholung raubt

Ein, zwei Biere als Einschlafhilfe - kann das funktionieren? Ja, aber zu einem hohen Preis. Denn Alkohol beeinflusst den Schlaf auf verschiedene Art.

Die Dunkelheit ist längst vor den Fenstern aufgezogen, doch im Kopf grellt es weiter. Mindestens vier wichtige Emails hätten längst beantwortet sein müssen. Die morgige Präsentation steht noch nicht. Die Waschmaschine ist kaputt. Wie verlockend ist da die Aussicht, mit ein paar Bier oder einer kräftigen Dosis Hochprozentigem dem Kopf die nötige Schwere zu verleihen. Wohin das führt, haben vor kurzem Wissenschaftler des Londoner Sleep Centers in einer umfangreichen Überblicksstudie zusammengefasst. Die Ergebnisse:

  • Ja, Alkohol ebnet dem Schlaf den Weg. Wer getrunken hat, schläft rascher ein und ruht ein paar Stunden lang ungestört. Diese Wirkung ist willkommen. Doch ihr stehen gleich mehrere negative Effekte gegenüber.
  • Die Bettschwere verkehrt sich in der zweiten Nachthälfte in Unruhe. Etliche Studien haben gezeigt, dass Menschen nach Alkoholgenuss in der zweiten Nachthälfte häufiger aufwachen. Ursache ist wahrscheinlich, dass der Alkohol dann bis zu dem Level abgebaut ist, an dem er stimulierend wirkt. Hinzu kommt: Wer größere Mengen trinkt, verstärkt zugleich seinen Harndrang und seinen Durst, da Alkohol dem Körper Wasser entzieht. Doch wer immer wieder aufstehen muss, schläft nicht eben ruhig.
  • Alkohol verstärkt den so genannten Tiefschlaf. Er ist ein traumloser Schlaf, in dem sich vor allem der Körper erholt. Dieser Schlaf geht aber auch mit Schlafstörungen wie Schlafwandeln einher. Sie können verstärkt werden.
  • Gleichzeitig reduziert Alkohol - zumindest bei denen, die mehr als ein bis zwei Drinks intus haben - die REM-Schlafphasen. Dies sind die Nachtphasen, in denen Träume vorkommen. Ein Mangel an REM-Schlaf kann Konzentration, Gedächtnisleistungen und die motorischen Fähigkeiten negativ beeinflussen.
  • "In höheren Dosen behindert Alkohol die Atmung: Er kann Nicht-Schnarcher in Schnarcher verwandeln", ergänzt Studienautor Irshaad Ebrahim in einem Beitrag der britischen BBC. Schnarcher wiederrum können Schlafapnoen entwickeln. Dies sind Atemaussetzer, die den Schlaf unruhiger und weniger erholsam machen.
  • Letztlich kann Alkohol in höheren Dosen nicht nur einen üblen Kater verursachen, sondern auch abhängig machen. Wer sich daran gewöhnt, kann ohne Drinks abends nicht mehr abschalten.

Alles in allem verbessert Alkohol den Schlaf nicht, bilanzieren die Studienautoren. Auch der Freiburger Schlafmediziner Dieter Riemann hält nichts vom Schlummertrunk. Was er und andere stattdessen allen raten, die hin und wieder Einschlafstörungen haben, lesen Sie hier.