Mittel gegen Erkältung Suppe statt Vitamin-Tabletten

Immer wieder werden Vitaminpräparate empfohlen, um eine Erkältung zu verhindern oder wenigstens zu lindern. Neben Vitamin C wird vor allem auch Vitamin D genannt. US-Wissenschaftler haben jetzt überprüft, ob der Stoff tatsächlich hilft.

Von Werner Bartens

Neben Hühnersuppe, heißem Tee, heißer Zitrone und kalten Umschlägen gibt es eine Menge mehr Empfehlungen bei banaler Erkältung. Manche kommen nicht ohne Unterstützung der Apotheke aus, so auch der Ratschlag, Vitaminpräparate zu schlucken. Neben Vitamin C wird immer wieder auch Vitamin D als heißer Kandidat gehandelt, um eine Erkältung zu verhindern oder wenigstens zu lindern.

In einer Untersuchung im aktuellen Journal of the American Medical Association zeigen Ärzte aus Neuseeland jedoch, dass die regelmäßige Zufuhr von Vitamin D keine Auswirkung auf die Häufigkeit und Schwere von Atemwegsinfektionen und grippalen Infekten hat (Bd. 308, S. 1333, 2012).

Das Team um den Mediziner David Murdoch von der Universität in Christchurch hatte 322 Freiwilligen zunächst eine Initialdosis Vitamin D gegeben und dann die Gruppen aufgeteilt, um ihnen 18 Monate lang entweder regelmäßig Vitamin D oder ein Scheinpräparat zu verabreichen. Für das Wohlergehen der Probanden machte die Behandlung keinerlei Unterschied.

In der Gruppe, die Vitamine einnahm, kam es zu 593 Erkältungen, in der Placebo-Gruppe waren es 611. Statistisch ist diese geringe Differenz allerdings nicht signifikant, denn umgerechnet hatten die Probanden in der Vitamin-Gruppe durchschnittlich 3,7-mal im Beobachtungszeitraum eine Erkältung; die Gruppe mit dem Scheinmedikament erwischte es im Mittel 3,8-mal. Auch die Dauer der Symptome wurde von der Vitamingabe nicht beeinflusst, sie betrug in beiden Gruppen durchschnittlich zwölf Tage.

Nachdem seriöse Studien bereits gezeigt hatten, dass auch andere Vitaminpräparate für die Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen und anderen Leiden nichts nutzen (und teilweise sogar schaden), muss auch die Hoffnung, mit Vitamin D hilfreich bei grippalen Infekten eingreifen zu können, abgehakt werden.

Frühere Studien hatten nahegelegt, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel das Infektionsrisiko erhöht. Verschiedene Mechanismen wurden diskutiert, wie das Vitamin die Immunabwehr stärken könnte, beispielsweise ein Einfluss auf weiße Blutkörperchen und andere Abwehrzellen. Der potenzielle Mechanismus blieb allerdings unklar. Wer sich bei Erkältungen behelfen will, sollte daher weiterhin auf alte Hausmittel vertrauen: Suppe, heiße Getränke, genug Schlaf.