Medikamente bei Alzheimer Schonfrist für das Gedächtnis

Alzheimer lässt sich nicht heilen. Allerdings können Medikamente den Gedächtnisverlust für einige Zeit hinauszögern. Doch diese Möglichkeit wird viel zu selten genutzt. Stattdessen werden häufig Psychopharmaka verordnet.

Von Katrin Neubauer

Orientierungslosigkeit, Gedächtniseinbußen, Wortfindungsstörungen - Häufig kündigt sich mit diesen Symptomen eine Alzheimer-Demenz an. Mit der Diagnose ist der drohende, schrittweise Verlust der Alltagskompetenz und damit der Weg in die Pflegebedürftigkeit vorgezeichnet. Bislang gibt es kein Mittel, das den Ursachen der Krankheit zu Leibe rückt. Dennoch kann eine medikamentöse Behandlung vor allem im Anfangsstadium die geistige Leistungsfähigkeit verbessern und Verhaltensstörungen mitunter abmildern.

"Mit einer guten medikamentösen Behandlung lässt sich der zunehmende Abbau von Hirnstrukturen immerhin für einige Zeit verlangsamen", sagt Wolfgang Maier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Zur Behandlung von Alzheimer stehen derzeit zwei Arten von Medikamenten zur Verfügung: Cholinesterase-Hemmer und Memantine, die verschiedene Botenstoffe im Gehirn beeinflussen.

Zum einen den Neurotransmitter Acetylcholin: Er ist maßgeblich der der Informationsverarbeitung im Hirn beteiligt, doch Alzheimer-Patienten haben zu wenig dieses Überträgerstoffs. Die Cholinesterase-Hemmer sollen den Abbau von Acetylcholin verhindern. In Deutschland zugelassene Cholinesterase-Hemmer sind Donepezil, Galantamin und Rivastigmin. Letzteres gibt es auch als Pflaster.

"Zu Beginn der Demenz kann das Medikament die Gedächtnisleistung für sechs bis zwölf Monate stabilisieren oder sogar geringfügig verbessern", sagt Maier. Allerdings ist der Effekt von Patient zu Patient unterschiedlich. "Einige reagieren gut darauf, bei anderen bleibt die Wirkung eher marginal", so Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn.

Nach Ablauf dieser Schonfrist sinkt die geistige Leistungsfähigkeit wieder ab und die Krankheit nimmt unweigerlich ihren Verlauf. "Dennoch sollte das Medikament eingenommen werden, wenn es gut vertragen wird und der kognitive Leistungsabfall nicht beschleunigt vorausschreitet", rät Maier. Cholinesterase-Hemmer helfen mitunter auch, Unruhe und Aggressionen zu mindern. Nebenwirkungen können zu Beginn der Einnahme Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Durchfall sein. Häufig lassen sich diese durch ein vorsichtiges Erhöhen der Dosis vermeiden. Wenn ein Patient ein bestimmtes Präparat nicht verträgt, sei der Umstieg auf ein anderes ratsam.

Ein weiterer körpereigener Botenstoff, der bei der Alzheimer-Erkrankung eine Rolle spielt, ist Glutamat (nicht zu verwechseln mit dem Geschmacksverstärker Natriumglutamat). Glutamat wird bei den Patienten in zu hoher Konzentration ausgeschüttet. Das führt zu einer Übererregung der Zellen und lässt diese absterben. Memantine, die zweite Gruppe der Alzheimermedikamente, drosseln den Transport des Botenstoffs und verbessern so - in Grenzen - Gedächtnisleistung und Verhaltensprobleme. Sie werden im mittleren und schweren Stadium der Alzheimer-Erkrankung empfohlen. Nebenwirkungen sind Schwindel, Kopfschmerz, Müdigkeit, Verstopfung und erhöhter Blutdruck. "Memantine sind etwas besser verträglich als Cholinesterase-Hemmer, aber von der Wirkung her im Durchschnitt schwächer", sagt Maier.

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