Koordination der Organspenden "Verfassungsrechtlich hochbedenkliche Strukturen"

Vetternwirtschaft, Selbstbedienungsmentalität, autoritärer Führungsstil - die Deutsche Stiftung Organtransplantation steht seit einiger Zeit in der Kritik. Jetzt soll ein "Masterplan" die Organisation "weiterentwickeln". Und schon melden sich erneut die Kritiker.

Von Christina Berndt

Seit einem guten halben Jahr ist der zentrale Akteur in Sachen Organspende in der Kritik. Jetzt liegt ein "Masterplan" vor, nach dem die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) "weiterentwickelt" werden soll. Aufgabe der Stiftung ist es, alle Organspenden zu koordinieren, von der Meldung des Spenders bis zur Übergabe der Organe an die Transplantationszentren.

Den Masterplan hat Ende vergangener Woche der Stiftungsrat der DSO vorgelegt. "Organspende und Transplantation sind sensible Felder", sagte dessen Vorsitzender Wolf Bechstein. Deshalb seien Maßnahmen in die Wege geleitet worden, um das Vertrauen in die DSO zu stärken.

Das Vertrauen ist gestört, seit im Oktober vergangenen Jahres in einem anonymen Brief an den Bundesgesundheitsminister schwere Vorwürfe gegen die beiden Vorstände der DSO erhoben wurden: Mit Vetternwirtschaft, Selbstbedienungsmentalität und einem autoritären Führungsstil schadeten sie der Organspende nachhaltig.

Ein Wirtschaftsgutachten bestätigte Ende März die wirtschaftlichen Beschuldigungen, ohne allerdings Strafbares festzustellen. In der Folge trat der kaufmännische Vorstand Thomas Beck zurück.

Der medizinische Vorstand Günter Kirste wies die gegen ihn gerichteten Vorwürfe immer zurück, wonach er mit seinem Führungsstil "nach Gutsherrenart", strategischen Fehlentscheidungen und dem zerstörten Vertrauen der DSO-Partner schuld an den immer weiter sinkenden Transplantationszahlen sei.

Die Kritik fällt in eine sensible Zeit, in der der Bundestag an einer Novelle des Transplantationsgesetzes arbeitet, über die Ende kommender Woche abgestimmt werden soll. Das Gesetz soll die Zahl der Organspenden steigern. Derzeit warten Tausende Patienten auf ein Spenderorgan; viele sterben, bevor sie eines bekommen.

Der nun vorgelegte Masterplan ist allerdings wenig konkret. Es werden vornehmlich "Überprüfungen" angekündigt, zum Beispiel bei der Satzung, der Geschäftsordnung und den Kompetenzen des Vorstands. Das einzig Greifbare: Eine Consultingfirma befragt derzeit DSO-Mitarbeiter mit dem Ziel, die Führungskultur innerhalb der Stiftung zu verbessern.

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