DNA-Analyse Altersbestimmung durch Erbgutanalyse: Nutzlos vor Gericht

Für Kritiker stellt die Altersbestimmung per Röntgenuntersuchung der Hand einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit dar.

(Foto: dpa)

Eigentlich eine gute Idee: Juristen wollen das Alter von Straftätern ohne Personalausweis anhand ihrer DNA bestimmen. Doch die biologische Uhr ist nicht genau genug, um sie vor Gericht zu verwenden.

Kommentar von Hanno Charisius

Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) möchte bei Strafverfahren künftig auf DNA-Tests zur Altersfeststellung der Angeklagten zurückgreifen können. Das Land plane einen entsprechenden Vorstoß zur Reform der Strafprozessordnung für die Frühjahrskonferenz der Justizminister im Juni, sagte Havliza in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Ein Speichel- oder Bluttest soll dann prüfen, ob die Angaben, die etwa Zuwanderer über ihr Alter machen, korrekt sind. Zum Beispiel bei Strafverfahren kann das Alter Einfluss auf das Strafmaß haben.

Im Grunde klingt das nach einer guten Idee. Die Belastung für den Körper ist geringer als bei einer Skelettalterbestimmung bei der eine Hand mit Röntgenstrahlen durchleuchtet wird. Allein: Die Methode der Altersbestimmung aus dem Erbgut ist nicht zuverlässig genug, für einen solchen Einsatz. Der bestehenden Mängel sei sie sich bewusst, sagt Havliza, doch sei es mit Hinblick auf die Fortschritte in der Wissenschaft an der Zeit, eine Gesetzesreform vorzubereiten. In spätestens zwei Jahren, glaubt die Ministerin, sei die Technik ausgereift genug, sie rechnet mit Unterstützung aus den anderen Bundesländern.

Die bioloische Uhr ist erfreulich einfach abzulesen

In der Diskussion geht es meist um ein Verfahren, das Experten als "Horvaths Uhr" bezeichnen, benannt nach dem Biostatistiker Steve Horvath, der es entwickelt hat. Horvath entdeckte vor einigen Jahren, dass sich das Schaltmuster der Gene im Erbgut mit dem Alter eines Menschen verändert. Mithilfe von Biochips lässt sich das Muster einfach auslesen und nach Horvaths Formel daraus das Alter des Menschen ableiten. Das biologische Chronometer ist also auch noch erfreulich einfach abzulesen. Für den juristischen Gebrauch gibt es nur ein Problem: Horvaths Uhr misst das biologische Alter eines Menschen und nicht das nach dem Kalender.

Mit Monaten und Jahren haben die Mechanismen, nach denen ein Körper altert aber nur sehr eingeschränkt etwas zu tun. Stress lässt die biologische Uhr schneller laufen, manche Krankheiten ebenfalls. Insgesamt altern Menschen sehr unterschiedlich, bei einigen tickt die Uhr genetisch bedingt sehr schnell, bei anderen langsamer. Leicht kann die Differenz zwischen biologischem Alter und dem im Pass genannten drei Jahre betragen.

Horvaths Uhr ist dabei unglaublich präzise. Sie kann im Idealfall sogar wenige Monate Abweichung bestimmen. Für Wissenschaftler ist sie deshalb ein spannendes Werkzeug. Die Differenzen können Rückschlüsse auf den Verlauf von Krankheiten geben oder auf gesundheitliche Risiken hinweisen. Für die Justiz ist Horvaths Uhr jedoch ein untaugliches Instrument.

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