Kinderkrankheiten Wie sinnvoll ist die Impfung gegen Windpocken?

Die Windpockenimpfung soll Kinder vor einer meist harmlosen Infektion schützen. Doch womöglich erhöht sie bei nicht-geimpften Erwachsenen das Risiko für eine ernstere Erkrankung: die Gürtelrose.

Von Irene Habich

Sie war von Beginn an umstritten: die Windpockenimpfung für Kinder, von der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut seit 2004 empfohlen. Einige Mediziner sahen schon damals keinen Grund dafür, Kinder standardmäßig gegen juckenden Ausschlag zu impfen, der zwar sehr unangenehm ist und mitunter Narben hinterlässt, aber in aller Regel harmlos verläuft.

Jetzt häufen sich die Belege für eine weitere Gefahr: dass nämlich die Impfung das Auftreten einer sogenannten Gürtelrose bei nicht geimpften Erwachsenen fördert, einer schmerzhaften und weitaus ernsteren Krankheit. Dass diese Gefahr real ist, darauf deuten erste Zahlen nun hin. Die Stiko erwägt deshalb, auch noch die Impfung gegen Gürtelrose zu empfehlen.

Von den zweijährigen Kindern in Deutschland sind inzwischen etwa zwei Drittel gegen Windpocken geimpft. Dass diese flächendeckende Immunisierung der Kinder indirekt für ältere Menschen riskant ist, liegt an den besonderen Eigenschaften des Windpocken-Erregers, dem Varizella-Zoster-Virus.

Bei einer ersten Infektion löst das Virus die Windpocken aus. Ist die Krankheit einmal überstanden, hat das Immunsystem einen Schutz vor den Windpocken aufgebaut. Die Viren verbleiben aber im Körper und nisten sich in Nervenknoten nahe der Wirbelsäule ein. Wenn die körpereigene Abwehr - oft im Alter oder durch Krankheit - geschwächt ist, kann der Erreger wieder zum Leben erwachen. Er ruft dann keine Windpocken mehr hervor, sondern Herpes Zoster, eine schmerzhafte Entzündung, die von den Nervenknoten ausgehend auf die Haut übergreift und einen gürtelartigen Ausschlag hervorruft. Die Krankheit wird deshalb auch Gürtelrose genannt.

Allerdings gab es bislang einen gewissen natürlichen Schutz gegen die Gürtelrose. Erwachsene nämlich, die als Kind die Windpocken durchgemacht haben und das Virus deshalb in sich tragen, profitieren offenbar vom erneuten Kontakt mit an Windpocken erkrankten Kindern. Die körpereigene Abwehr wird dadurch beständig angeregt - und kann so besser verhindern, dass der im Körper schlummernde Erreger wieder aktiv wird. Und dieser Kontakt war früher gar nicht so selten, da sich vor Einführung der Windpocken-Impfung etwa 90 Prozent der Kinder schon im Grundschulalter ansteckten.