Gesundheit Armut bedeutet Stress, Lärm und Zucker

Hamburger, Chips, Cola: Zu viel Fett und Zucker sind ungesund.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Gesundheit von Kindern ist stark von der Teilhabe an der Gesellschaft abhängig. Das sollte in Debatten um die Frage, wer eigentlich arm ist, berücksichtigt werden.

Kommentar von Felix Hütten

Es tut sich was! Kinder und Jugendliche trinken weniger Cola, Fanta und andere Zuckerbomben, Schwangere rauchen seltener; die Quote übergewichtiger und fettleibiger Kinder ist zumindest nicht eklatant gestiegen. Diese frohe Botschaft haben heute Epidemiologen des Robert Koch-Instituts verkündet, sie entstammt den Ergebnissen der 2. Wellen der sogenannten KiGGS-Studie: Seit gut 15 Jahren befragen und untersuchen die Experten Tausende Kinder und Jugendlichen im Land und können nun zeigen, dass es ganz gut bestellt ist um deren Gesundheit.

Einerseits.

Denn die Daten zeigen auch, dass Kinder immer dann besonders gesund sind, wenn sich Eltern um ihre Kinder kümmern, wenn sie gebildet sind und sozial abgesichert. Die Forscher nennen das einen "hohen sozioökonomischen Status" - wobei dieser Status keinesfalls einzig eine Frage des Geldes ist.

Armut lässt sich nicht nur an der Frage messen, ob der Hartz-IV-Regelsatz ausreicht

Kinder und Jugendliche bewegen sich mehr, rauchen weniger und sind seltener dick, wenn sie eingebettet sind in ein Netz von Angeboten und Förderung. Diese fängt beim örtlichen Spielplatz an und geht weiter zum Fußballtrainer im Lokalverein, der sich seiner Kids annimmt, auch dann, wenn es mit dem Tore schießen mal nicht so klappt. Die RKI-Daten zeigen eindrücklich, dass sich Armut nicht nur an der Frage messen lässt, ob der Hartz-IV-Regelsatz ausreicht, sondern eben auch an medizinischen Parametern wie Gewicht, Lungenfunktion und Grundstimmung.

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Über die Gesundheit der Kinder also entscheidet auch, ob sie mit dem Fahrrad zur Schule fahren dürfen - und nicht im SUV vorgefahren werden und am Nachmittag alleine in der Villa ihrer Eltern vor Glotze und Playstation versauern. Auch das ist soziale Armut - und eine ihrer äußeren Formen ist die Bewegungsarmut.

Die Ergebnisse der KiGGS-Studie stimmen zuversichtlich, dass die Bemühungen zur Krankheitsprävention fruchten. Politik und Gesellschaft haben offenbar erkannt, dass es besser und klüger ist, darauf zu achten, dass Kinder gar nicht erst übergewichtig werden oder mit dem Rauchen beginnen, statt Unsummen in Diätprogramme und Suchttherapien zu buttern.

In den aktuellen Daten steckt die Hoffnung, dass der Kampf gegen die gesundheitliche Armut in Deutschland weitere Früchte trägt, bis hin zu dem Tag, an dem Pseudofruchtsäfte für Kinder aus den Regalen verschwinden, weil sie einfach niemand mehr kauft; egal ob die Eltern Topverdiener oder arbeitslos sind. Wenn Kinder die Zukunft sind, darf sich die Frage, ob sie arm dran sind oder nicht, nicht ausschließlich am Geld bemessen. Armut ist auch Bewegungsmangel, Asthma, Stress, Lärm. Armut ist fehlende Teilhabe an einer Gesellschaft.

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