Gesundheitspolitik Warum in Indien der Staat Brust-OPs bezahlt

Verschiedene Brust-Implantate.

(Foto: WOR)
  • In Indien will ein Bundesstaat ärmeren Menschen Brust-OPs bezahlen.
  • Das Angebot richtet sich an Frauen wie Männer.
  • Weniger Wohlhabende hätten auch ein Recht darauf, schön auszusehen, heißt es von der Politik.

Tamil Nadu ist einer der reichsten Bundesstaaten Indiens, der schon des Öfteren mit seiner außergewöhnlichen Wohlfahrtspolitik Schlagzeilen machte. In der Vergangenheit bekamen dort ärmere Menschen bereits Laptops, Fahrräder, Ziegen und Brautschmuck bezahlt, um besser am gemeinschaftlichen Leben teilhaben zu können. Nun ist eine neue Leistung hinzukommen: kostenlose Brust-OPs.

C Vijaya Baskar ist der Gesundheitsminister des Staates im Süden Indiens. "Arme Menschen haben auch ein Recht darauf, schön auszusehen", sagt er. Wenn derartige Eingriffe nicht umsonst angeboten würden, würden die Betroffenen gefährliche Alternativen suchen oder hohe Kredite aufnehmen, um die Kosten bezahlen zu können. In einem privaten Krankenhaus kostet eine Brust-OP zwischen 1900 und 3100 Euro - das entspricht für die meisten Inder einem Jahresgehalt. Gleichzeitig werden die OPs immer beliebter.

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Die Gratis-Eingriffe werden seit Kurzem in einer staatlichen Klinik angeboten, die bereits Erfahrungen mit Brustoperationen hat. Bislang war man auf die Rekonstruktion nach Brustkrebs-Operationen spezialisiert. Wie der britische Guardian berichtet, sollen nun aber auch Brustvergrößerungen und -verkleinerungen möglich sein.

Die Klinik will dabei keine Unterschiede machen, aus welchem Grund die Patienten kommen. Eine Brustverkleinerung, um Rückenschmerzen zu lindern, soll genauso möglich sein wie eine Vergrößerung, um das Selbstwertgefühl zu steigern. Und auch das Geschlecht soll keine Rolle spielen. Dem Guardian zufolge ist in den vergangenen Jahren die Zahl von indischen Männern, die sich einer Brustverkleinerung unterzogen haben, rasant gestiegen.

Auch kostenlose Handtransplantationen geplant

Neben den Brustoperationen soll die Klinik mit dem neuaufgelegten Programm auch Hasenscharten bei Kindern korrigieren und kostenlose Handtransplantationen vornehmen.

Nicht jeder findet die neue Idee der Regierung gelungen. Ein früherer Gesundheitsdirektor des Bundesstaates sagte der Times of India zufolge, kostenlose Brust-Operationen seien nicht das Ideal eines staatlichen Gesundheitsprogramms. Anstelle von Schönheit solle man sich von öffentlicher Seite her lieber auf die Heilung schwerer und lebensbedrohlicher Krankheiten konzentrieren.

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