Ernährung Was würde eine Zuckersteuer bewirken?

Ärzteverbände haben sich für eine Steuer auf Süßgetränke ausgesprochen. Die Regierung ist dagegen.

(Foto: dpa)

Die WHO will süße Getränke teurer machen, damit Menschen weniger Zucker konsumieren. Das ist in einigen Ländern bereits Realität. Selbst Deutschland hatte schon einmal eine Zuckersteuer.

Fragen und Antworten von Berit Uhlmann

Die Weltgesundheitsorganisation WHO appelliert an die Regierungen, zuckerhaltige Getränke mit einer Sondersteuer von mindestens 20 Prozent des Verkaufspreises zu belegen. Damit sollen Zahnprobleme, Diabetes und weitere mit Übergewicht verbundene Krankheiten reduziert werden.

Warum setzt die WHO ausgerechnet auf Süßgetränke?

Süße Brausen führen dem Körper besonders viele "leere Kalorien" zu: Mit einem 0,2-Liter-Glas Cola oder Limonade beispielsweise nimmt der Mensch etwa 80 Kilokalorien auf, das entspricht einem Salat oder einem halben Schinkenbrötchen. Doch anders als Gemüse oder Semmel bietet das Getränk keine nennenswerten Nährstoffe.

Wie hoch ist der Zuckergehalt in Süßgetränken?

Ein 0,2-Liter-Glas Limo oder Cola enthält um die 20 Gramm Zucker, das sind etwa sieben Stück Würfelzucker. Mit dieser Menge hat man schon fast ausgeschöpft, was die WHO als Idealvorstellung vorgibt: Sie empfiehlt, möglichst nur 25 Gramm Zucker pro Tag zu verzehren. Keinesfalls sollten es mehr als 50 Gramm sein.

Allerdings enthalten nicht nur Softdrinks große Mengen Zucker. Viele Säfte erreichen ähnliche Werte, Fruchtnektare und Smoothies noch deutlich höhere. Dabei sind Getränke bei weitem nicht das Süßeste auf dem Markt. Gefüllte Schokolade kann fast zur Hälfte aus Zucker bestehen. Auch viele herzhafte Speisen weisen erstaunlich viel Zucker auf. Beispiele finden Sie im unten stehenden Video.

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Wo gibt es bereits eine Zuckersteuer?

Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko haben Sondersteuern auf süße Produkte eingeführt. Großbritannien plant diesen Schritt.

Wie sind die Erfahrungen mit diesen Abgaben?

Die Auswirkungen sind bislang nicht umfangreich untersucht, die Erkenntnisse eher dürftig: Ein Jahr nach Einführung der Abgabe hatten bis zu 32 Prozent der Ungarn den Konsum der besteuerten Getränke reduziert. Die Mexikaner kauften im ersten Jahr der Softdrink-Besteuerung sechs Prozent weniger zuckrige Getränke. Das allein sagt nicht viel aus. "Wir wissen noch nicht, was die Menschen anstelle der Sodas trinken", räumte die WHO im Frühjahr ein. Zudem gibt es keinen Beweis dafür, dass das eigentliche Ziel der Steuer - Übergewicht und Diabetes zu reduzieren - erreicht wurde.

Wen beträfe die Getränkesteuer vor allem?

Wahrscheinlich träfe sie die Richtigen. Süßgetränke sind vor allem bei Menschen beliebt, die wenig Geld haben und damit am ehesten von höheren Preisen abgeschreckt werden: Kinder, Jugendliche und einkommensschwache Erwachsene sind deren größte Fans. Das ist auch in Deutschland so. Der Nationalen Verzehrstudie zufolge trinken Deutsche der unteren Einkommensgruppe dreimal so viele Softgetränke wie die Bestverdienenden. Zugleich brauchen diese Menschen besonders viel Schutz: Kinder, weil sie schon früh Gesundheitsschäden riskieren, und ärmere Menschen, weil es um ihre Gesundheit ohnehin oft nicht sehr gut steht.

Wie stehen die Chancen auf eine solche Zuckersteuer in Deutschland?

Mehrere Ärzteverbände fordern schon länger eine Zuckersteuer. In der Bevölkerung ist dagegen bisher keine große Zustimmung zu erkennen. Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnen 49 Prozent eine Steuer auf stark gezuckerte Getränke komplett ab. 44 Prozent wären tendenziell dafür. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat eine solche Steuer bisher immer strikt von sich gewiesen. Er erklärte, Deutschland habe bis 1993 eine Zuckersteuer gehabt - "und es hat sich nichts geändert".

Die deutsche Zuckersteuer wurde 1841 eingeführt. Dieser Schritt erfolgte allerdings nicht aus gesundheitlichen Erwägungen - ebenso wenig wie ihre Abschaffung. Ihr Ende hängt mit Wettbewerbsverzerrungen auf dem EU-Binnenmarkt zusammen. Wesentliche Auswirkungen auf den Zuckerkonsum scheint die Abschaffung der Steuer nicht gehabt zu haben. Der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen ist seit etwa 40 Jahren relativ konstant. Er liegt um die 35 Kilogramm pro Jahr. Das ist etwa doppelt so viel, wie es der WHO-Empfehlung zufolge maximal sein sollte.

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