Ernährung Bleibt nur die Hühnerbrust

Ob als Braten oder Wurst: Rotes Fleisch kann Krebs auslösen. Das bestätigt jetzt das zuständige Gremium der Weltgesundheitsorganisation. Was heißt das genau?

Von Kathrin Zinkant

Die Zeiten für Fleischesser sind schon lange nicht mehr, was sie einmal waren: Die zu selbstgebratenem Roastbeef geladenen Freunde entpuppen sich neuerdings als Veganer. Vor der Fleischtheke im Supermarkt wird über Massentierhaltung diskutiert. Und das besonders leckere, weil fette Fleisch gilt ohnehin als Gift für Herz und Hüfte. Kann es überhaupt noch schlimmer werden?

Es kann. Wie die Internationale Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation IARC am Montag mitgeteilt hat, will sie rotes Muskelfleisch von Säugetieren - also von Rind, Schwein, Schaf, Pferd und Ziege - in Zukunft als "wahrscheinlich krebserregend" klassifizieren. Verarbeitete Fleischwaren wie Salami, Schinken, marinierte Steaks oder Brüh- und Bratwürstchen werden sogar als offiziell "krebserregend" gelten. Auch dann, wenn sie aus Geflügelfleisch hergestellt wurden.

Es ist das erste Mal, dass das Komitee ein Grundnahrungsmittel als mutmaßlich karzinogen bewertet. Insgesamt umfasst die Liste der wahrscheinlich oder sicher krebserregenden Stoffe 191 Substanzen, die meisten davon sind Chemikalien. Nur wenige dieser Stoffe sind für den Verzehr vorgesehen.

Krebserregend oder nicht? Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC unterteilt die Gefährlichkeit von Substanzen und physikalischen Einflüssen auf den Menschen in fünf Gruppen. Gruppe 1: krebserregend. In diese Gruppe gehören unter anderem alkoholische Getränke, Tabak, Asbest, Röntgen- und UV-Strahlung. Sie umfasst mehr als 100 Einträge. Gruppe 2A: wahrscheinlich krebserregend. Diese Kategorie umfasst 75 Substanzen. Hierzu zählen beispielsweise Acrylamid, das beim Braten entsteht, und der Unkrautvernichter Glyphosat. Gruppe 2B: möglicherweise krebserregend. Unter dieser Überschrift listet die Agentur etwa 290 Stoffe auf, unter anderem Blei, das Lösungsmittel Chloroform und Kaffee. Gruppe 3: nicht untersucht. Diese Gruppe ist die größte. Mehr als 500 Substanzen, beispielsweise viele Medikamente, sind aufgelistet. Gruppe 4: nicht krebserregend. Sie umfasst bislang nur eine einzige Substanz: Caprolactam, ein Ausgangsstoff für die Herstellung des Polyamids Perlon. Die vollständige Liste finden Sie hier. (beu)

Wer mehr als 40 Gramm Fleisch pro Tag ist, erhöht sein Krebsrisiko

Die IARC sah sich nun zu der Stellungnahme gezwungen, obwohl die wissenschaftliche Veröffentlichung mit allen Daten noch nicht publiziert ist. Informationen über den historischen Schritt waren in der vergangenen Woche vor allem von britische Medien verbreitet worden. Die Datengrundlage der Entscheidung bleibt damit vorerst unklar.

Tatsächlich hatte es in der Vergangenheit aber immer wieder Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Fleischverzehr und dem Risiko für Magen- oder Darmkrebs gegeben. So fand die bislang größte Ernährungsstudie in Europa, die sogenannte EPIC-Studie (European Prospective Investigation in Cancer and Nutrition) an mehr als einer halben Million Menschen, dass ein hoher Fleischverzehr von mehr als 40 Gramm pro Tag unter anderem das Krebsrisiko erhöht. Und zwar umso mehr, je mehr Fleisch auf den Teller kommt. Auch zahlreiche andere Studien legen den Effekt nahe.

Das Problem von epidemiologischen Studien zur Ernährung bleibt jedoch, dass die Effekte meist nicht sehr groß und schwer von anderen Einflüssen zu trennen sind. Hinzu kommt, dass die Daten in der Regel durch Fragebögen erhoben werden und damit von der Ehrlichkeit, Sorgfalt und dem Gedächtnis der Teilnehmer abhängen.