Ebola Krankheit der Armen

Ein Notlager für Ebola-Kranke bei Freetown in Sierra Leone.

(Foto: Michael Duff/AP)

Der Westen ist aufgewacht: Die seit Monaten in Afrika grassierende Ebola-Epidemie gilt nun als internationaler Notstand. Dabei hätte es schon früh die Chance gegeben, das Virus einzudämmen.

Von Tobias Zick

Männer in orangefarbenen Schutzanzügen wuchten einen Todkranken aus einem Militärflugzeug. Der Patient liegt in einem luftdichten Plastikzylinder, die Helfer fahren ihn im Konvoi mit Blaulicht in eine Spezialklinik, wo er als einziger Patient auf der gesamten Station liegen wird. Die anderen Kranken sind rechtzeitig in Sicherheit geschafft worden. Miguel Pajares, 75, bis dato Missionar im westafrikanischen Liberia, ist zurück in seiner Heimat, in Spaniens Hauptstadt Madrid, und die Öffentlichkeit diskutiert, inwieweit sein mit dem Ebola-Erreger ringender Körper eine Bedrohung für die Nation darstelle: "Man darf die Mediziner hier in Madrid nicht unnötigen Risiken aussetzen", sagt etwa der Vorsitzende der spanischen Ärztegewerkschaft.

Es sind Fernsehbilder dieser Woche, Szenen aus Europa, die keinen Zweifel lassen: Ebola ist nicht länger ein afrikanisches Problem - es ist ein Problem der ganzen Welt.

Genau dies hat nun auch die Weltgesundheitsorganisation WHO festgestellt. Die Ebola-Epidemie ist jetzt offiziell ein "internationaler Notfall". Damit hat die WHO, eine UN-Organisation, zusätzliche Befugnisse, den Staaten Maßnahmen zur Eindämmung und Bekämpfung des Virus zu diktieren, völkerrechtlich bindend.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, müht sich unterdessen, einer Panik vorzubeugen: "Wir brauchen uns in Deutschland vor Ebola nicht zu fürchten", erklärte er am Freitag; das Land und sein Gesundheitssystem seien "hervorragend gerüstet". Und schließlich handele es sich, wie der für Gesundheitsschutz zuständige WHO-Direktor Keiji Fukuda ausführt, bei Ebola "nicht um eine mysteriöse Krankheit. Es ist eine Infektionskrankheit, die eingedämmt werden kann." Und zwar indem Kranke identifiziert und isoliert werden - so wie es sich in der Vergangenheit bei Ebola-Ausbrüchen in Afrika bewährt hat. Im ostafrikanischen Uganda etwa starb 2011 ein zwölfjähriges Mädchen an dem Virus, und dank der schnellen Reaktion von Ärzten und Behörden blieb es bei diesem Einzelfall. Der Erreger konnte auf keinen einzigen weiteren Menschen überspringen.

In der Tat zielt die Ausrufung des internationalen Notstandes durch die WHO weniger darauf ab, eine Bedrohung der gesamten Menschheit heraufzubeschwören - als vielmehr darauf, die betroffenen Länder entschlossener zu unterstützen, als das bislang geschieht. Diese hätten "bis jetzt schlicht nicht die Kapazitäten, einen Ausbruch dieser Größe und Komplexität allein zu bewältigen", sagt WHO-Chefin Margaret Chan: Wenn die Weltgemeinschaft nicht die dringend nötige Solidarität aufbringe, den westafrikanischen Staaten zu helfen, könnten diese "um viele Jahre zurückgeworfen werden". Schließlich handele es sich um drei Länder, die gerade erst dabei sind, sich von "jahrelangen Konflikten und Schwierigkeiten zu erholen".