Drogenbericht des BKA Konsum von Crystal Meth auf Rekordniveau

Erstmals seit 2009 ist die Zahl der Drogentoten in Deutschland wieder gestiegen. Über tausend Menschen kostete die Sucht im vergangenen Jahr das Leben. Auch die Mode-Droge Crystal Meth findet immer mehr Konsumenten - vor allem an der Grenze zu Tschechien.

Von Berit Uhlmann

Ein goldener Schuss, eine versehentliche Überdosis oder die Vergiftung durch einen Mix verschiedener Substanzen: 2013 sind wieder mehr Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Die Zahl der Rauschgiftopfer stieg auf 1002 - nach einem Rekordtief von 944 im Vorjahr. Es ist die erste Zunahme seit 2009, wie die am Donnerstag veröffentlichte Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung ergab.

Als "positive Zeichen" wertete die Drogenbeauftragte Marlene Mortler lediglich, dass die Todesfälle bei den unter 30-Jährigen deutlich gesunken sind. Das durchschnittliche Alter, in dem die Drogensucht ihren Opfern das Leben kostet, steigt seit 15 Jahren kontinuierlich an und liegt nun bei 38 Jahren.

Insgesamt scheinen harte Drogen nur wenig an Attraktivität eingebüßt zu haben. 19.200 Konsumenten fielen der Polizei erstmals auf; das sind zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Den größten Rückgang verzeichneten die Behörden bei Crack (34 Prozent weniger erstauffällige Nutzer). Auch Heroin ist in Deutschland offenbar weiter auf dem Rückzug (14 Prozent weniger neue Konsumenten). Dagegen zog Ecstasy 18 Prozent mehr neue Konsumenten an - die größte Steigerung aller harten Drogen.

Erneut zeigten sich die Experten besorgt über den Konsum von Crystal Meth. Die Kurven der Statistiker deuten bei dieser Droge seit Jahren nach oben: sieben Prozent mehr erstauffällige Konsumenten (insgesamt 2.746) und drei Prozent mehr sichergestelltes Methamphetamin (insgesamt 77 Kilogramm) werden für 2013 verzeichnet. Und doch fällt der Anstieg moderater als in den vergangenen Jahren aus. Die erste wissenschaftliche Studie zum Methamphetamin-Konsum deutete vor kurzem darauf hin, dass Crystal derzeit weitgehend auf das tschechisch-deutsche Grenzgebiet beschränkt bleibt.

Dort offenbart das Rauschgift jedoch eine besondere Problematik: Die Substanz ist auch außerhalb der klassischen Drogenszene stark verbreitet. Arbeiter, Mütter, Auszubildende, Studenten und mitunter schon Schüler verfallen ihrer zunächst leistungssteigernden Wirkung. Erfahrungen, wie diesen Menschen geholfen oder wie sie vor dem Drogenkonsum bewahrt werden können, fehlen jedoch vielerorts.

BKA-Präsident Jörg Ziercke sagt: "Den zunehmenden Konsum von Crystal sehen wir mit Sorge, da mit der Einnahme dieser Substanz große gesundheitliche Risiken für die Konsumenten verbunden sind". Crystal wirkt neurotoxisch, Konsumenten können kognitive Einbußen, Psychosen und bei Entzug zu schweren Depressionen bekommen.