Drogen-Studie Alkohol gefährlicher als Heroin und Crack

So zerstörerisch Heroin, Crack und Ectasy auch sind - rechnet man die Auswirkungen auf die Gesellschaft ein, führt Alkohol die Liste der schädlichsten Suchtstoffe an.

Britische Wissenschafter haben verschiedene Drogen auf ihre Zerstörungskraft für den Körper und die Gesellschaft untersucht - und Alkohol als den gefährlichsten Suchtstoff identifiziert. Er ist laut einer im Fachmagazin Lancet publizierten Studie weitaus gefährlicher als Heroin oder Crack.

Dass Alkohol omnipräsent ist, trägt zu seiner Gefährlichkeit bei.

(Foto: ag.ap)

Zwar stellten sich Heroin, Crack und Metamphetamine als die tödlichsten Rauschgifte heraus. Doch sobald die Wissenschaftler die sozialen Auswirkungen miteinbezogen, führte Alkohol die Rangliste der gefährlichsten Drogen an, gefolgt von Heroin und Crack. Die Experten halten Alkohol für so gefährlich, weil er weitverbreitet ist und sich nicht nur auf die Konsumenten, sondern besonders stark auch auf ihr Umfeld auswirkt. Alkoholmissbrauch steht in Zusammenhang mit höheren Todesraten. Außerdem spielt er bei Gesetzesverstößen häufiger eine Rolle als die meisten anderen Drogen einschließlich Heroin. "Denken Sie nur mal, was (durch Alkohol) bei jedem Fußballspiel passiert", kommentierte Wim van den Brink, Professor für Psychiatrie und Sucht an der Amsterdamer Universität, die Studie des Teams um den ehemaligen Drogenbeauftragten der britischen Regierung David Nutt.

Marihuana, Ecstasy und LSD schätzen die Forscher als deutlich weniger zerstörerisch ein.

Die Studie wurde von dem britischen Zentrum für Kriminalitäts- und Justizstudien CCJS in Auftrag gegeben, am Montag erschienen die Ergebnisse in der Onlineausgabe der Fachzeitschrift Lancet.

Experten raten dennoch nicht dazu, Alkohol einfach zu verbieten. Leslie King, einer der Autoren der Studie und Berater am Europäischen Beobachtungszentrum für Drogen, warnt sogar davor: Eine Prohibition, wie sie einst in den USA galt, sei kein Ausweg. "Alkohol ist zu sehr in unserer Kultur verwurzelt, er kann nicht einfach entfernt werden", sagt King. Er rät dazu, gezielt die Vieltrinker ins Visier zu nehmen, nicht die Mehrheit der Leute, die es bei einem oder zwei Bier bewenden lassen. Regierungen sollten vielmehr die Preise für Alkohol anheben und mehr Aufklärung betreiben.

Die Fachleute sprechen auch eine brisante Frage an: die rechtliche Einordnung der verschiedenen Drogen. Großbritannien verschärfte zum Beispiel im vergangenen Jahr die Strafen für den Besitz von Marihuana. Einer der bis dahin wichtigsten Berater der damaligen Regierung, David Nutt, wurde nach seiner Kritik an dem Schritt entlassen. Nun schaltete er sich als Hauptautor der Drogen-Studie in die Debatte ein, stellt die Studie doch in Frage, wieso Alkohol allgemein anerkannt, Marihuana jedoch fast überall verboten ist. "Was Regierung für illegal erklären, hat nicht immer auf Wissenschaft gestützt", sagt auch van den Brink. Einnahmen aus Steuern - etwa auf Tabak und Alkohol - könnten die Überlegungen der Regierung beeinflussen, wie die verschiedenen Substanzen gesetzlich behandelt würden. Eines stehe aber fest, sagt der Experte: "Legale Drogen verursachen mindestens so viel Schaden wie illegale."