Berlin Kleinkind an Masern gestorben

In Berlin greifen die Masern seit Oktober vergangenen Jahres um sich. Von Ausbruchsbeginn bis zum 23. Februar wurden 574 Masern-Fälle gemeldet.

(Foto: dpa)
  • Der aktuelle Masernausbruch in Berlin hat ein erstes Opfer gefordert. Ein eineinhalbjähriger Junge erlag der Infektionskrankheit in einer Klinik.
  • Die zahlreichen Masern-Infektionen heizen die Debatte um eine Impfpflicht wieder an.

Kleinkind war nicht gegen Masern geimpft

In Berlin ist ein Kleinkind an Masern gestorben. Das bestätigte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Der anderthalbjährige Junge sei am Mittwoch vergangener Woche in einem Krankenhaus der Infektionskrankheit erlegen. Wie er sich angesteckt hat, ist noch unklar. "Das Kind war geimpft, aber nicht gegen Masern", sagte Czaja. Es hatte keine chronischen Vorerkrankungen.

Gesundheitssenator kritisiert Impfgegner

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In Berlin greifen die Masern seit Oktober vergangenen Jahres um sich. Von Ausbruchsbeginn bis zum 23. Februar wurden 574 Masern-Fälle gemeldet, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales mitteilte - das ist der größte Masernausbruch seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. Der Tod des kleinen Jungen mache deutlich, dass es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handele. Czaja forderte auch Erwachsene auf, ihren Impfschutz zu überprüfen. "Es gibt viele Impfgegner, die Masern als Kinderkrankheit abtun", kritisierte er.

Schule in Lichtenrade geschlossen

Am Montag blieb eine Berliner Schule im Ortsteil Lichtenrade vorsorglich für einen Tag geschlossen. Grund sei ein schwerwiegender Verlauf der Infektionskrankheit bei einem Jugendlichen, sagte eine Sprecherin des Berliner Senats. Mitschüler und Lehrer des Jugendlichen sollen nun Impfbücher vorlegen.

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Der jüngste Masernausbruch heizt die Debatte um eine Impfpflicht wieder an. Die Bundesregierung plant ein Präventionsgesetz, wonach Eltern künftig vor einer Kita-Aufnahme ihrer Kinder eine ärztliche Impfberatung nachweisen müssen. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der Zeitung Welt am Sonntag, wenn die Impfbereitschaft nicht steige, "muss eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein".

"Ein Zwang zur Impfung geht zu weit", meinte hingegen Katja Dörner, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, gegenüber der Zeitung. Auch der Gesundheitsexperte der Linksfraktion, Harald Weinberg, sprach sich gegen einen Impfzwang aus. Das Selbstbestimmungsrecht der Eltern müsse weiter gelten, sagte Weinberg der Saarbrücker Zeitung. Für das Bundesgesundheitsministerium steht eine Impfpflicht vorerst nicht zur Debatte. Zwar nehme man die aktuelle Lage sehr ernst, sagte eine Ministeriumssprecherin. "Aber wir setzen jetzt erst mal auf eine Impfberatung vor Kita-Eintritt und die Überprüfung des Impfschutzes bei Gesundheitsberatungen".

Kinderärzte halten eine Impfpflicht ohnehin für unrealistisch. Eine generelle Impfpflicht sei wegen der Widerstände in der Bevölkerung nicht durchsetzbar, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, der Welt.

"Es geht auch darum, manchem Ammenmärchen und mancher Panikmache von Impfgegnern entgegenzutreten", sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Die Masern-Impfung sei nach Ansicht internationaler Experten sicher. Das minimale Restrisiko durch Nebenwirkungen sei um ein Vielfaches geringer als die zum Teil dramatischen und lebensbedrohlichen Risiken einer Masern-Erkrankung. Wer sein eigenes Kind nicht impfen lasse, gefährde auch den Gruppenschutz in Kita oder Schule, verhalte sich also auch anderen Kindern gegenüber verantwortungslos.

Masern sind hochansteckend

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Die Infektion ist hochansteckend und schwächt das Immunsystem. Folgen können zum Beispiel Gehirnentzündungen sein - manchmal mit lebenslangen Schäden wie geistigen Behinderungen. Laut Statistik sterben zwei von 1000 Patienten an den Folgen einer Masern-Infektion.