Bericht der Drogenbeauftragten Fast zehn Millionen Deutsche trinken zu viel Alkohol

Die gute Nachricht: Der Drogenkonsum unter Jugendlichen geht stetig zurück. Die schlechte: Viele Erwachsene scheinen Alkohol massiv zu unterschätzen und trinken in gefährlichem Ausmaß. 1,3 Millionen Deutsche sind bereits abhängig - und gehen ein tödliches Risiko ein.

Zwei bis drei Drinks gehören für viele Deutsche zum täglichen Ritual. So wundert es nicht, dass Alkohol nach wie vor zu den gefährlichsten Gesundheitsrisiken in Deutschland zählt. Besonders betroffen sind Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren. 45 Prozent von ihnen trinken gefährlich viel Alkohol, wie aus dem neuen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervorgeht. Als riskanter Konsum gelten für Männer mehr als ein bis zwei Gläser Wein (0,2 Liter) oder Bier (0,33 Liter) täglich. Für Frauen liegt die Grenze bei etwa einem Glas pro Tag.

Insgesamt überschreiten 27 Prozent aller Frauen und Männer diese Werte. Das sind 9,5 Millionen Bundesbürger. 1,3 Millionen von ihnen weisen eine Alkoholabhängigkeit auf. Pro Jahr sterben 74.000 Menschen an den Folgen übermäßigen Trinkens.

Ebenfalls hoch ist der Tabakkonsum von Erwachsenen. Dem Bericht zufolge rauchen 30 Prozent von ihnen; 24 Prozent sogar täglich.

"Auch Erwachsene mit riskanten Konsummustern müssen viel früher mit präventiven Maßnahmen erreicht werden, damit sich aus riskantem Verhalten keine manifeste Abhängigkeit entwickelt", fordert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans. Sie plädiert für mehr Frühintervention durch Ärzte und eine gezielte Suchtprävention am Arbeitsplatz.

Im April hatte bereits die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), ein Zusammenschluss der deutschen Suchthilfeorganisationen, mehr Anstrengungen in der Alkoholvorbeugung gefordert und sich für drastischere Maßnahmen ausgesprochen: Steuererhöhungen auf Alkohol, zeitliche Begrenzung des Verkaufs, stärkere gesetzliche Regulierung der Werbung. Die Organisation beklagte zugleich, dass die Beratungsstellen vielerorts auf finanziell wackligen Füßen stünden.

Verbesserungen bei Jugendlichen

Positiv verzeichnet der neue Drogenbericht die Entwicklungen bei Jugendlichen. Unter den Zwölf- bis 17-Jährigen ist der regelmäßige Alkoholkonsum seit 2001 von 18 Prozent auf 14 Prozent zurückgegangen. Der Tabakkonsum hat sich bei den Heranwachsenden innerhalb von zehn Jahren sogar mehr als halbiert. Zwölf Prozent der Jugendlichen rauchen heute. Ebenfalls rückläufig ist der Cannabiskonsum (von neun auf fünf Prozent). Die Drogenbeauftragte führt dies auf die Beratungs- und Präventionsangebote zurück.

Allerdings ist das exzessive Trinken unter Jugendlichen besorgniserregend. So stieg die Zahl der 10- bis 20-Jährigen, die mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik gebracht wurden, um 350 auf zuletzt mehr als 26.000 im Jahr 2011. Erstmals überstieg die Zahl der Mädchen und Frauen die Zehntausender-Marke.

Bei den illegalen Drogen zeichnet der Bericht insgesamt ein inhomogenes Bild. Die größte Steigerungsrate weist kristallines Methamphetamin auf. Zu dem so genannten Crystal oder Crystal Meth griffen 2012 erstmals mehr Erstkonsumenten als zu Heroin. Insgesamt ging der Amphetamimissbrauch jedoch leicht zurück. Der Konsum von Kokain lag dagegen auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Die Zahl der Todesfälle durch illegale Drogen sank im Jahr 2012 auf 944 und damit auf den niedrigsten Stand seit 1988.

Am Vortag hatte der Europäische Drogenbericht konstatiert, dass der Konsum etablierter Drogen wie Heroin, Cannabis und Kokain in mehreren Ländern zurückgehe. Dafür würden Designerdrogen, so genannte Legal Highs, zunehmend zum Problem.