Behandlungsfehler-Statistik Weniger Fehler, mehr Todesfälle

Ärzte machen zwar insgesamt weniger Fehler bei Behandlungen, dafür fallen die Fehlgriffe häufiger tödlich aus. Möglicherweise ist hoher Arbeitsdruck für den Anstieg verantwortlich.

Von Kim Björn Becker

Obwohl die Ärzte in Deutschland im vergangenen Jahr weniger Fehler bei der Behandlung ihrer Patienten gemacht haben als 2014, sind mehr Patienten an den Folgen einer unzureichenden Versorgung gestorben. Nach Angaben der Bundesärztekammer sank die Zahl der erwiesenen Behandlungsfehler in diesem Zeitraum um etwa fünf Prozent von 2252 auf 2132. In mehr als 80 Prozent der Fälle (1774) erlitten die Patienten im vergangenen Jahr dadurch einen gesundheitlichen Schaden, bei mehr als 650 Personen wird dieser von Dauer sein. Beide Zahlen sind im Vergleich zu 2014 rückläufig. Allerdings stieg die Zahl der Todesfälle, die auf Behandlungsfehler zurückgeführt werden konnten, um fast ein Drittel von 73 auf 96. Auch wenn die Mediziner insgesamt also weniger Fehler machten, so waren diese offenkundig häufiger besonders schwerwiegend.

Im vergangenen Jahr hatten sich vor allem Krankenhauspatienten beziehungsweise ihre Angehörigen an die Schlichtungsstellen der Landesärztekammern gewandt, da sie eine unzureichende Versorgung vermuteten. In jedem dritten Fall bezogen sich die Eingaben auf die Behandlung von Knie- und Hüftgelenksarthrosen, in einem weiteren Drittel gingen sie auf die Therapie von Knochenbrüchen zurück.

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Die Fachbereiche Unfallchirurgie, Orthopädie und Allgemeinchirurgie waren besonders häufig betroffen - die Patienten waren also in erster Linie mit den Ergebnissen von Operationen unzufrieden. Doch auch bei der Diagnostik machten Klinikärzte Fehler, zudem stellten sie in fast 140 Fällen eine falsche Diagnose. Vielfach gefürchtete Infektionen nach der Operation schlugen sich hingegen kaum in der Statistik nieder, sie listet nur 67 Fälle in dieser Kategorie auf.

"Stetig wachsender Behandlungsdruck"

Niedergelassene Ärzte machten hingegen vor allem Fehler in der Diagnostik und weniger bei der Therapie. Dabei waren vor allem Brustkrebserkrankungen sowie die Behandlung von Rückenschmerzen Anlass zur Kritik. Nach Angaben des Präsidenten der Ärztekammer in Mecklenburg-Vorpommern, Andreas Crusius, bewegten sich die Fehlerzahlen angesichts der vielen Behandlungen "allenfalls im Promillebereich". Crusius ist auch Vorsitzender der Gutachterkommission der Bundesärztekammer, er stellte die Studie am Mittwoch in Berlin vor. Er betonte, dass hinter den Zahlen "schwere menschliche Schicksale stehen".

Als Grund für Behandlungsfehler verweist die Bundesärztekammer auf den "stetig wachsenden Behandlungsdruck in Kliniken und Praxen". So hätten sich die Zahlen der ambulanten Behandlungsfälle zwischen 2004 und 2014 um 28 Prozent auf 688 Millionen Fälle erhöht. Allerdings stieg auch die Zahl der niedergelassenen Ärzte im selben Zeitraum um fast 20 Prozent.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Maria Klein-Schmeink, interpretierte die Zahlen der Ärztekammer als "Spitze des Eisbergs". Die Schlichtungsstellen leisteten "wichtige Arbeit, können notwendige Verbesserungen zur Stärkung der Rechte von Opfern von Behandlungsfehlern aber nicht ersetzen". Das vor drei Jahren in Kraft getretene Patientenrechtegesetz der schwarz-gelben Koalition habe die Frage, wie geschädigte Patienten ihre Anliegen durchsetzen können, "immer noch nicht gelöst". Klein-Schmeink forderte daher, dass es einen Härtefallfonds für jene Patienten geben müsse, die einen "schwerwiegenden Schaden" erlitten, aber Probleme bei der Beweisführung hätten. Auch mehrere Verbände, darunter der Sozialverband VdK, hatten sich dafür ausgesprochen, einen solchen Fonds ins Leben zu rufen.

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