Apotheker zur freien Abgabe der "Pille danach" "Wir beraten schon immer"

Künftig werden Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft fürchten, in der Apotheke beraten. Ein Gespräch über den Eisprung inmitten von Kunden, die Hustensaft und Cremes einkaufen? Die Bundesapothekerkammer erläutert, wie die Abgabe der "Pille danach" aussehen könnte.

Berit Uhlmann

In Kürze können Frauen die "Pille danach" erhalten, ohne vorher einen Arzt aufzusuchen. Die Beratung sollen die Apotheken übernehmen. Was das für die Patientinnen bedeutet, erläutert der Präsident der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer. Er leitet eine Apotheke in Koblenz.

Süddeutsche.de: Wann werden die Apotheken die "Pille danach" rezeptfrei ausgeben?

Andreas Kiefer: Die Bundesregierung hat am Mittwoch ein Eilverfahren in Gang gesetzt, mit dem der Beschluss der EU-Kommission schnellstmöglich in deutsches Recht überführt werden soll. Allerdings muss der Bundesrat noch zustimmen. Dessen nächste Sitzungen sind für den 6. Februar und den 6. März geplant. An welchem der Termine die Notfallverhütung auf der Tagesordnung steht, ist noch unklar.

Das klingt nach einem engen Zeitplan. Ist der für die Apotheken realistisch? Sie übernehmen ja jetzt die Beratungen für betroffene Frauen.

Wir beraten schon immer über eine große Zahl von Medikamenten. Das ist für die Apotheker nichts Neues.

Doch bei der Pille danach haben Sie es mit einem Bereich zu tun, der große Diskretion verlangt. Wie kann die Privatsphäre gewahrt bleiben, wenn die Apotheke voller Menschen ist, die Hustensaft und Fußcreme kaufen?

Wenn die Apotheke voll ist, nehmen wir die Frauen mit in den Beratungsraum. Jede Apotheke hat einen solchen Raum. Auch jetzt können Kunden ihn beanspruchen, wenn sie Fragen zu Verhütungsmitteln haben oder Tabuthemen wie Inkontinenz oder Hämorriden besprechen wollen.

Wie sieht so eine Beratung in der Nacht aus?

Viele Apotheken haben im Notdienst nur ein Fenster geöffnet. Diese Einschränkung ist wichtig, um diensthabenden Apotheker zu schützen. Für Frauen, die eine Notfallverhütung brauchen, ist das zugegebenermaßen keine angenehme Situation. Sie muss leider ertragen werden. Gleichzeitig bietet der Nachtdienst einen großen Vorteil für betroffene Frauen. Indem sie die Pille danach auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten ohne Wartezeiten erhalten können, haben sie die größten Chancen auf wirksame Hilfe. Die Pille danach ist umso zuverlässiger, je schneller sie nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird.

Die Frauenärzte verweisen darauf, dass zu einer Beratung über die Pille danach auch Informationen zur weitergehenden Verhütung oder zu Geschlechtskrankheiten gehören. In der Apotheke kann man sich so etwas eher schlecht vorstellen.

Im Alltag erlebe ich bisher vor allem Paare, die die Familienplanung bereits abgeschlossen haben und bei denen es ein einmaliges Problem mit der Verhütung gab. Die müssen nicht aufgeklärt werden. Wenn tatsächlich sehr junge, unerfahrene Kundinnen nach einer Notfallverhütung fragen, müssen wir im Einzelfall entscheiden, ob wir ihnen eine Beratung anbieten. Oder ob wir sie lieber an einen Arzt oder eine Beratungsstelle verweisen. Diese Beratungen stehen ihnen doch auch weiterhin offen. Für uns ist in dieser Situation erst einmal am wichtigsten, dass die Frauen schnell das gewünschte Präparat bekommen und über seine Wirkungen und eventuellen Nebenwirkungen aufgeklärt werden.

Zu Frauen, die die Pille danach brauchen, können auch Vergewaltigungsopfer gehören. Sind Apotheken die richtigen Anlaufstellen?

Wir werden einen Beratungsleitfaden für diese Situationen erarbeiten. Es wird sicher so aussehen, dass wir die Betroffenen zunächst schnell mit dem Notfall-Verhütungsmittel ausstatten, und sie dann an die Stellen verweisen, die weiterhelfen können. Wir orientieren uns dabei auch an internationalen Erfahrungen, denn in den meisten europäischen Ländern gibt es die Pille danach schon längst ohne Rezept.

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