Steuersenkung für Hotellerie Fünf Sterne zum Schnäppchenpreis

Ab Januar sinkt für die Hotellerie und Gastronomie die Mehrwertsteuer, um die von der Krise gebeutelte Branche zu entlasten. Doch was tut sich für Gäste?

Von Michael Kuntz

Die deutsche Hotellandschaft entwickelt sich immer mehr zu einem Notstandsgebiet. An vielen Orten bleiben die Gäste aus, und wer noch kommt, will sparen. Da darf es auch gern ein Stern weniger sein.

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Der Hotel- und Gaststättenverband freut sich über die Steuererleichterung. Mit ihr würden Spielräume für Investitionen und Preissenkungen geschaffen.

(Foto: Foto: ddp)

Das Statistische Bundesamt meldet gerade einen Rückgang um 6,2 Prozent für den Umsatz des Gastgewerbes. Während die Gastronomen im September mit Einbußen um die fünf Prozent klarkommen müssen, erwischt es die Hoteliers deutlich heftiger. Das Beherbergungsgewerbe nahm 8,3 Prozent und damit deutlich weniger ein als ein Jahr zuvor.

Da kommt die im Koalitionsvertrag angekündigte reduzierte Mehrwertsteuer gerade recht. Vom 1. Januar an sollen Hotellerie und Gastronomie statt 19 Prozent nur noch sieben Prozent zahlen müssen.

Für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga ist dies ein Schritt zu mehr Chancengleichheit in Europa. Denn in vielen Nachbarländern gelten längst niedrigere Sätze. Österreich erhebt zehn Prozent, Frankreich 5,5 Prozent, die Niederlande verlangen sechs Prozent, die Schweiz 3,8 Prozent.

Begrenzter Spielraum nach unten

Außerdem haben die Hoteliers und Gastwirte es noch nie verstanden, weshalb der deutsche Gesetzgeber das Essen im Gehen, den Außer-Haus-Verkauf, mit sieben Prozent viel günstiger besteuerte als das Genießen der Speisen an den Tischen in einem Restaurant (19 Prozent).

Dehoga-Präsident Ernst Fischer freut sich über die staatliche Hilfe in der Krise: "Mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz erhalten die Unternehmer dringend benötigte Spielräume bei Investitionen, Preissenkungen sowie bei der Mitarbeiterentlohnung und -qualifizierung."

Ob es tatsächlich zu Preissenkungen kommt, ist umstritten. In Frankreich jedenfalls landete die Steuerersparnis als netter Zusatzgewinn in den Taschen der Gastronomen. In Deutschland sind die Preise schon derzeit so niedrig, dass der Spielraum nach unten begrenzt ist.

Überkapazitäten in der Hauptstadt

Besonders dramatisch ist die Lage in Berlin. Die Hauptstadt ist eine Reise wert. Sie lohnt sich vor allem für anspruchsvolle Gäste, die in einem Luxushotel übernachten wollen - und das günstig.

Da die internationalen Hotelketten alle in der deutschen Metropole präsent sein wollen, wurden hier satte Überkapazitäten angehäuft, und es kommen immer noch neue komfortable Übernachtungsstätten hinzu. Berlin hat schon 88 Vier-Sterne- und 22 Fünf-Sterne-Häuser. Laut Dehoga sind mehr als 30 neue Hotels geplant, die meisten davon mit vier Sternen oder mehr.

Der Gast hat die freie Auswahl. Wer 150 Euro ausgibt, kann im Fünf-Sterne-Haus nächtigen. Das ist ungefähr so teuer wie in Sofia und Budapest. In Paris und London gäbe es zu dem Preis einen Stern weniger. Bei den meisten Hotels ist das Geschäft um deutlich mehr als 20 Prozent eingebrochen.

Gerade Luxushotels "senken aus Panik die Preise", sagt ein Fachmann. Im Kempinski Hotel Bristol am Kürfürstendamm war die Übernachtung schon ab 130 Euro möglich, einschließlich Zugang zum Wellnessbereich. Das Grand Hotel Esplanade am Tiergarten warb sogar mit einem Tiefpreis von 79 Euro pro Nacht.

Schwierigkeiten auch bei ersten Adressen

In anderen deutschen Städten sieht es ähnlich aus. Wo früher zu Messezeiten ganze Landstriche ausgebucht waren, reichen heute die vorhandenen Hotelkapazitäten etwa in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg oder München locker.

Großveranstaltungen wie die Autoschau IAA fanden in kleinerem Rahmen und mit weniger Besuchern statt, andere Messen und Kongresse wurden gleich ganz abgesagt.

Selbst erste Hoteladressen kamen in Schwierigkeiten: Das Hamburger Atlantic fliegt bei den "Leading Hotels of the World" raus. Und die Unternehmerfamilie Steigenberger verlor nach 70 Jahren die Lust an ihren Hotels. Sie verkaufte im Sommer die 81 Häuser nach Ägypten.

Zusammenschlüsse bei den Kleinen

In dieser Situation werden gerade die zahlreichen mittelständischen Hoteliers in Deutschland die demnächst eingesparte Mehrwertsteuer in erster Linie benutzen, "um Investitionen nachzuholen", glaubt Stefan Nungesser von der Unternehmensberatung Treugast. "Die Ansprüche der Gäste steigen."

Die kleinen Häuser stellen zwar noch neun von zehn Hotels und Gasthöfen in Deutschland, die großen Hotelketten machen inzwischen aber mehr als die Hälfte des Umsatzes. Die Besitzer kleiner Häuser stemmen sich gegen diese Entwicklung mit Zusammenschlüssen oder indem sie sich Internet-Systemen anschließen. Beides kostet. "Wenn der Hotelier nicht mithalten kann, verschwindet er vom Markt", stellt Nungesser fest.

Krisengewinner sind allein straff geführte Zwei-Sterne-Häuser wie Motel One oder Ibis. Bei ihnen steigen in letzter Zeit immer mehr Geschäftsreisende ab, deren Firmen einen Sparkurs steuern.

Vorerst jedenfalls ist es kein Problem, einen Platz für sich und seinen Koffer in Berlin zu finden: Die Buchungsmaschine HRS bietet für das kommende Wochenende noch 400 freie Hotels an. Die Preise beginnen bei 35 Euro. Das Frühstück kostet extra - drei Euro pro Person.