Zum Personalexperten wurde Sieber eher durch Zufall. Er hatte bei der Vereinsbank in seinem Geburtsort Altötting gelernt, kam danach in die Zentrale nach München. Dort war er in der Kreditabteilung tätig. "Auf einer Veranstaltung fragte ich den damaligen Personalchef etwas zu forsch, was er und seine 400 Leute eigentlich den ganzen Tag machten", erzählt er. "Am nächsten Tag kam sein Anruf, ich könne mir das ja mal näher anschauen."
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Nach der Wende rekrutierte er in Sachsen und Thüringen das Personal für neue Filialen der Vereinsbank. Er erinnert sich an eine Anekdote: "Wir schalteten Stellenanzeigen für Auszubildende, auf die vier Wochen lang nichts kam, und dann kamen auf einmal 500 Bewerbungen. Das lag daran, dass es in der ehemaligen DDR kaum Möglichkeiten gab, Passbilder zu machen und die jungen Leute sich erst Fotos organisieren mussten. Da kamen dann zum Teil Familienfotos und echte Schnappschüsse." Die wichtigste Lehre in Ostdeutschland aber war für ihn, die Fähigkeiten von Bewerbern genau einzuschätzen. "Wir mussten lernen, genau zuzuhören und zu unterscheiden, weil es dort Privilegierte und Benachteiligte gab", sagt Sieber.
Nach dieser Zeit wechselt er 1991 zur Credit Suisse nach Frankfurt, danach zu JP Morgan, später kam er als Personalverantwortlicher zur Dresdner Bank. 2006 wechselte er Commerzbank. Er kannte beide Banken schon vor der Fusion von innen, auch das qualifizierte ihn zum Integrationsvorstand. "Vor zwei Wochen haben die Kollegen einen entscheidenden Schritt für die Zusammenführung der Computersysteme getan", sagt Sieber. Über das Wochenende konnten manche Kunden kein Geld abheben oder Kontoauszüge drucken. "Die Schaffung der neuen IT-Plattform war technisch so komplex wie die Jahr-2000- und die Euro-Umstellung zusammen. Die Anspannung sei deutlich spürbar gewesen, inzwischen normalisiere es sich langsam wieder.
Wichtig sind die Details
Nach außen lief der Prozess verglichen mit anderen Bankenfusionen fast ruhig ab. Sieber weiß, dass ihm auch die turbulenten Ereignisse in der Finanzkrise geholfen haben. "Die Wahrnehmung war häufig woanders, etwa bei der Soffin-Beteiligung oder der Ergebnisentwicklung", sagt er. Man habe aber auch gelernt, auf Details zu achten. "Von anderen Fusionen hörten wir, dass man heute nach Jahren noch an der Telefonnummer sieht, wer vorher bei welcher Bank war", sagt Sieber. "Das gibt es bei uns nicht mehr, alle Telefonnummern fangen mit den gleichen Ziffern an."
Im Übrigen gebe es bei der Commerzbank keine Kollegen, die "aberwitzige Beträge" verdienen. "Wir lassen uns auf dieses Spiel nicht ein, da sage ich lieber schon mal: ,Gute Reise'." Und was das Gehalt der Vorstände betrifft, das derzeit auf gedeckelt ist, sagt Sieber: "500.000 Euro sind viel Geld."
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(SZ vom 31.08.2010/bbr/pak)