Fast eine halbe Billion Euro haben sich Europas Banken bei der EZB geliehen. Doch die Erleichterung an den Börsen über die Notfallmaßnahme währte nur kurz. Die Milliardenspritze hilft vorerst nicht gegen das Misstrauen der Geldhäuser untereinander. Und es ist unklar, wofür die Banken das frische Geld nun einsetzen könnten.

Es ist ein Rekord. Kredite im Wert von 489,2 Milliarden Euro haben europäische Banken am Mittwoch bei der EZB abgerufen. Immerhin 523 Banken nahmen das Angebot der Notenbank an, sich für einen Zeitraum von drei Jahren mit frischem Geld einzudecken - und das zu einem Niedrigzinssatz von derzeit ein Prozent. Das Signal, das die EZB mit diesem Schritt setzen will: Die Finanzierung der europäischen Banken ist gesichert.

EZB leiht Banken fast 500 Milliarden Euro Bild vergrößern

Gewaltige Nachfrage: Fast eine halbe Billion Euro frisches Geld leihen sich Europas Banken bei der EZB. (© dpa)

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Doch die Märkte atmeten nur kurz auf: Dax und EuroStoxx50 legten zwar unmittelbar nach der EZB-Mitteilung kräftig zu, halbierten dann aber ihre anfänglichen Kursgewinne. Am Nachmittag notierte der Dax dann wieder leicht im Minus. Der Euro, der zunächst Kurs auf die Marke von 1,32 Dollar genommen hatte, verbilligte sich auf 1,3083 Dollar. Die Renditen der zehnjährigen italienischen und spanischen Anleihen zogen wieder an.

"Es ist schwer, die hohe Nachfrage als etwas Positives zu sehen", sagte Analyst Michael Hewson von CMC Markets. "Die große Summe zeigt letztlich nur, wie groß die Verspannungen am Interbankenmarkt sind. Die Kernfrage ist nun, wie viel Geld tatsächlich seinen Weg in die Wirtschaft findet."

Die Rekord-Finanzspritze soll eine Kreditklemme verhindern. Die Banken leihen sich derzeit aus Angst vor Risiken in den Bilanzen kaum mehr gegenseitig Geld. Und der Markt für neue Bankanleihen, mit denen die Häuser Fremdkapital aufnehmen könnten, ist fast ausgetrocknet. Experten befürchteten daher, dass die Banken die Kreditversorgung der Unternehmen drastisch einschränken - mit fatalen Folgen für deren Handlungsfähigkeit. Außerdem könnten einzelne Banken in existenzbedrohende Schieflagen geraten. Weil sich die Banken nun zu atraktiven Konditionen direkt bei der EZB Geld leihen können, sind sie vorerst nicht mehr auf das Vertrauen ihrer Branchen-Partner angewiesen.

Aber lässt sich so das Problem tatsächlich lösen? Der Bundesverband deutscher Banken begrüßte die Hilfen der EZB. "All das sind wichtige und richtige Schritte, um der Gefahr einer Kreditklemme im Euro-Raum zu begegnen", sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. Trotzdem seien es lediglich "Notmaßnahmen". Entscheidend sei, dass auch das Vertrauen der Geldhäuser untereinander zurückkehre. Analyst Joshua Raymond vom Handelshaus City Index argumentiert ähnlich: Die EZB-Mittel würden den Banken helfen, ihre Bilanzen aufzupolieren. "Aber die Frage ist doch, warum sie so viel Geld brauchen."

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  1. Sie lesen jetzt Billiges Geld gegen die Furcht
  2. Warum brauchen die Banken so viel Geld?
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