Welches Land zahlt wieviel für Europa? Der Brüsseler Etat kommt eher durch Kuhhandel als durch sachgerechte Entscheidungen zustande. Eine Reform ist daher dringend nötig - eine EU-Steuer wäre ein Werkzeug dazu.
Es ist ein Thema wie gemacht für die nachrichtenarme Zeit. Die Europäische Kommission will die EU-Bürger mit einer eigenen Steuer zur Kasse bitten, um ihre Ausgaben zu finanzieren. Eine Steuer für Europa? Das garantiert Aufregung unter den Deutschen, von denen viele den Eurokraten in Brüssel ohnehin misstrauen.
Bild vergrößern
Euro-Scheine in einer Kasse: Flösse eine Steuer für die Europäische Union direkt von den Bürgern nach Brüssel, würden die Steuerzahler womöglich eher darauf achten, wie sinnvoll die Mittel verwendet werden. (© ag.ddp)
Anzeige
Die Schuldenkrise hat die Bundesregierung dazu gezwungen, die versprochenen Steuersenkungen zu beerdigen und stattdessen auch noch zu sparen. Angesichts dieser Belastungen wird mancher Deutsche die EU-Steuer als zusätzlichen Tort empfinden. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass die Idee durchaus sinnvoll ist.
Die Deutschen zahlen ja schon für Europa. Im Schnitt überweist jeder Bundesbürger dieses Jahr 260 Euro für den Brüsseler Etat. Er merkt es nur nicht, weil es formell die Bundesregierung in Berlin ist, die den deutschen Beitrag von gut 20 Milliarden Euro leistet. Und weil der ganze Brüsseler Etat von rund 120 Milliarden Euro im Jahr ein Gewirr von Einnahmen und Ausgaben ist, das kaum ein Bürger zu durchschauen sich die Mühe macht.
Eine EU-Steuer wäre keine zusätzliche Belastung, sie würde zumindest zum Teil an die Stelle nationaler Überweisungen der Regierungen treten. Der Bürger würde sie aber direkter fühlen. Und das ist eine Chance: Wer für einen bestimmten Zweck bezahlt, der beschäftigt sich genauer damit.
Deshalb prüfen viele Deutsche Müllgebühren stärker als die ungleich höheren Krankenkassenbeiträge, die vom Lohn abgehen. Wenn die Bürger direkt für Europa zahlen, analysieren sie vielleicht genauer, wohin ihr Geld fließt. Sie fragen sich womöglich, warum im 21. Jahrhundert ein Großteil des Etats in die dominante Branche des 18. Jahrhunderts, die Landwirtschaft, fließt.
Und sie wollen womöglich wissen, ob die jahrzehntelange Förderung schwacher Regionen sinnvoll ist oder ob sie wie im Fall Griechenland nur zu Misswirtschaft führt. Eine Steuer wäre die Chance, den Brüsseler Etat zu reformieren.
Eine EU-Steuer würde auch das zunehmende Gewicht widerspiegeln, das Entscheidungen in Brüssel haben. Wie die Deutschen leben, ob als Arbeitnehmer oder Verbraucher, wird immer weniger im Bundestag und schon gar nicht in Landtagen entschieden, sondern immer häufiger auf europäischer Ebene. Nur: Der Bürger mischt sich dabei zu wenig ein, er missachtet etwa die Wahlen zum EU-Parlament, das mehr Macht hat als nationale Parlamente. Vielleicht fühlt er sich über den Geldbeutel aufgefordert, sich an Entscheidungen zu beteiligen.
Wer eine solche Steuer will, muss sie richtig ausgestalten. Abgaben mit politischem Lenkungsziel sind ungeeignet - so wie die Luftverkehrsabgabe oder die Steuer auf Finanzgeschäfte, die Brüssel als Beispiel nennt. Denn sobald die Europäer wie gewünscht weniger fliegen oder die Banken weniger spekulieren, hätte Brüssel weniger Geld für seine Aufgaben. Das ist kein logischer Mechanismus.
Noch wichtiger wäre, bei der Finanzierung des Etats weiterhin scharfe Kontrolleure zu haben. Bisher achten Länder wie Deutschland, die in den Haushalt mehr einzahlen, als sie herausbekommen, auf Spardisziplin.
Ob die Bürger auf die Verwendung ihrer Steuer achten würden, weiß noch niemand. Es droht eine Verschwendung von Geld, jedenfalls so lange, bis sich die Bürger endlich als politische Akteure in Europa und nicht nur in ihrem Heimatland begreifen. Deshalb spricht viel dafür, den Brüsseler Haushalt auch künftig zum Teil von den Regierungen bestreiten zu lassen, die wie die deutsche in der Kontrolle geübt sind.
Die Bundesregierung lehnt eine EU-Steuer ab, sie fürchtet um ihre Macht bei der Festlegung des Etats. Die Regierung sollte sich fragen, ob der gegenwärtige Zustand der beste ist. Da zahlen Staaten wie Großbritannien weniger,als ihrer Wirtschaftskraft entspricht, weil sie vor Dekaden Rabatte ausgehandelt haben. Und vor jeder siebenjährigen Finanzperiode feilschen die nun 27 Regierungen jahrelang um eine Lösung, die von Kuhhandel geprägt ist. Der EU-Etat braucht dringend eine Reform. Eine Steuer wäre ein Werkzeug dazu.
- Thema
- Steuern und Abgaben RSS
- Vorstoß für eigene Steuerquelle EU: Einfach selbst abkassieren 09.08.2010
- EU-Kommission Rente - aber erst später 07.07.2010
- Was sich zum 1. Juli ändert E-Mails - 39 Cent das Stück 27.07.2010
- Euro-Stabilitätspakt Folterwerkzeuge für Defizitsünder 30.06.2010
- Finanzen kompakt "Crocodile Dundee" am Steuerpranger 15.08.2010
- Zweierlei Maß bei Optionsgeschäften Existenzvernichtende Besteuerung 11.08.2010
- Steuererklärung Die Krux mit der Anlage KAP 03.08.2010
(SZ vom 10.08.2010/pak)
Seit Jahr und Tag wird mir erzählt weshalb das System der indirekten Demokratie so gut für mich ist. Ich muß nur alle paar Jahr mein Kreuzchen machen und für den Rest ist das qualifizierte Fachpersonal der Parteien da, das für mich auf allen Ebenen (Kreis bis EU) das Beste herausholt. Also ein richtiges Rundumsorglospaket.
Soweit so gut. Da kommt doch ein Hr. Hagelücken und reißt mich aus meiner beschaulichen Welt indem er mir erklärt, wenn mir jemand "direkt" aus meiner Tasche Geld nimmt, dann bin ich viel besser geeignet über dieses Geld Buch zu führen, als Generationen von Berufspolitikern. Habe ich was verpasst? Wahren die meine Interessen doch nicht so, wie es die Verfassung eigentlich vorsieht?
Heißt das jetzt, ich muß mich auch um andere Dinge mehr kümmern, oder gilt das nur dafür, ein Tor zu einer neuen Dimension der Ausbeutung aufzumachen?
Irgendwie schon witzig, ihre Sicht der Dinge.
erstmal gebrochen ist, dann Steuerzahler "Gute Nacht", denn die lobbygesteuerte Kommission braucht dann für immer mehr Subventionen immer mehr Einnahmen.
Wehret den Anfängen.
Überschuss bei Getreide z.B. Gesamtertrag - Saatgutmenge - Schwund durch Verderbnis etc. Bei Missernte oder brachliegendem Feld wurde ein Durchschnittszehnter erhoben.
Hätten wir noch den Zehnten, dann müsste z.B. Daimler auch in Verlustjahren 8 Mrd. Euro Steuern zahlen. Da wäre das Heulen groß.
Das EU-Problem sind nicht die Steuern, die zu Recht nach Brüssel fließen, sondern dass nun neben Stadt-Kreisverwaltung, Bezirksverwaltung, Landes- und Bundesverwaltung eine 5. Verwaltungsebene entstanden ist, ohne eine darunterliegende Ebene aufzulösen. Im Sinne der Delegierung von Aufgaben nach unten muss also in den mittleren Ebenen ausgedünnt werden.
Brauchen wir noch Landes- und Bundesverkehrs-, Wirtschafts-oder Bildungsminister parallel? Kann und muss die Aufgabe von Landräten nicht auch von kommunaler und Bezirksebene übernommen werden?
Zur Staatsentschuldung: Das ist eine nachrangige Aufgabe. Vorrangig ist eine energische Wachstums- und Beschäftigungspolitik und eine adäquate Besteuerung von Vermögen sowie Einkünften aus Kapitalvermögen. Nur so kann der Staatshaushalt saniert werden. Endlose Sparrunden führen besonders in Krisenzeiten wie heute zur weiteren Verarmung großer Bevölkerungsschichten.
Griechenland, Spanien werden uns zeigen, wohin eiserne Sparrunden führt: Einer Verarmung der Bevölkerung.
Zum einen. Offenbar hat doch die Eidgenossenschaft doch auch Schulden. Sonst könnte man ja keine zurückzahlen.
Zum zweiten. Die IV (staatliche Invalidenversicherung) der Schweiz beispielsweise hat ganze dicke Schulden, die eidgenössische Pensionskasse eine veritable Unterdeckung. Nur führt man diese Kässeli separat ausserhalb des Staatshaushalts, damit sie selbigen nicht "beschmutzen".
Bei Diaula bin ich beim Viertel, bei NickNorris gleich mal mit unter 20%... (vielleicht erklärt Nick mir dann auch noch, was der Bauer annodazumal unter Nettoeinkunft verstand... ich nehm mal an, der Ausdruck selbst war ihm kaum bekannt....), vielleicht hat da noch einer eine bessere Zahl zu bieten?
Aber wirklich lustig finde ich, dass auf einmal die Deutschen wie Diaula & Konsorten ihr eigenes Steuersystem verteidigen .... und gleich auch noch zusätzlich Kohle nach Brüssel abliefern wollen, damit beispielsweise 32'000 EU-Kommisionsmitarbeiter ihr frankofrei Mobiltelefon erhalten, während der Normalbürger dafür zahlt, oder zumindest die Telefonrechnung dafür....
Denn dummerweise sind alle EU-Staaten (bis auf Luxemburg vielleicht) de fakto pleite. Und noch schlimmer, sie haben keinerlei Rezept, wie man aus der Pleite rauskommt. Man muss sich ja sogar in goldenen Jahren wie 2006-2008 neu verschulden (während beispielsweise die Schweiz Schulden sogar im Krisenjahr 2009 zurückbezahlt und schwarze Zahlen schreibt).
Und weil alle Staaten nun pleite sind, droht den Brüsseleler Spitzenbeamten Lohnausfall. Da bedient man sich gleich selbst. Und wenn irgendein Deutscher das Gefühl hat, dass er dann weniger Steuern bezahlt, der sollte sich dann melden.
Man stelle sich einfach vor, der Deutsche sagt auf einmal nein. Keine Steuern nach Brüssel, kein Geld mehr nach Brüssel, zuerst wird der eigene Staat saniert und dann kann man weiterschauen. Gesundschrumpfen sagt man dem. Deutschland wäre auf einmal sehr attraktiv für Investoren, nur der Brüsseler Wasserkopf hätte ein enormes Problem... und das wäre lustig, mit anzusehen...
Paging