Einkommen des Partners Nur die Liebe zählt - und das Geld

  • Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid wollte im Auftrag der Postbank wissen, wie wichtig Menschen das Einkommen des Partners ist.
  • Mehr als 60 Prozent sagten in der noch unveröffentlichten Umfrage: Nur die Liebe zählt.
  • Doch die Finanzen des Partners spielen auch eine wichtige Rolle.
Von Jan Willmroth

Da ist dieser charakterstarke Unternehmer, 30, Millionär, er sucht eine Frau zum Heiraten. Ein charmanter Automanager, Anfang 50, wirbt mit einem Haus im Grünen für sich; der 43-Jährige Akademiker erwähnt zuerst, er sei Unternehmer und habe Verantwortung für viele Mitarbeiter. Er sucht Sie, eine der althergebrachten Kategorien in Kontaktanzeigen, funktioniert im Jahr 2015 immer noch so wie vor Jahrzehnten. Sie sucht Ihn: Auffallend oft schreiben die Damen, sie seien attraktiv und lebensfroh, sie erwarten Sinnlichkeit, Zuneigung, Aufrichtigkeit.

Nie war es so einfach wie heute, für sich zu werben, im Netz, mit Handy-Apps oder eben doch mit der klassischen Kontaktanzeige. Im Zeitalter der permanenten Selbstdarstellung hat sich die Partnerwahl grundlegend gewandelt. Menschen sind für alle sichtbar, soziale Netzwerke animieren zum permanenten Vergleich, manche Soziologen sprachen bereits von einer "Shopping-Mentalität" bei der Suche nach Zweisamkeit. Zwar haben sich die Mechanismen des Kennenlernens teilweise radikal geändert, mit deutlichen wirtschaftlichen Folgen für die gesamte Gesellschaft - die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Partnerschaft aber sind gleich geblieben.

Mehr als 18 Prozent der Frauen wollen einen reicheren Partner

Befragt man Menschen in Deutschland, wie sie über Partnerschaft und Finanzen denken, spielt Wunschdenken offenbar eine große Rolle. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid wollte im Auftrag der Postbank von 1457 Menschen ab 16 wissen, wie wichtig ihnen das Einkommen des Partners ist. Mehr als 60 Prozent sagten in der noch unveröffentlichten Umfrage: egal, nur die Liebe zählt. Vor allem Jüngere denken so. Immerhin jeder Fünfte wünscht sich, dass der Partner oder die Partnerin ähnlich viel verdient. Dabei fällt auf: Nur wenig mehr als acht Prozent der Männer möchten eine Frau, die deutlich mehr verdient. Mehr als 18 Prozent der Frauen hingegen wollen einen reicheren Partner.

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Das passt gut in das Bild, das Soziologen und Psychologen in den vergangenen Jahrzehnten von den Vorlieben bei der Partnersuche entworfen haben. Geld und Geltung, Besitz und sozialer Status sind demnach noch immer extrem wichtig, wenn Menschen sich binden. Auch heute, in einer Zeit, in der wirtschaftliche Gründe für Partnerschaften nicht mehr ausschlaggebend sein müssten. Die Erwerbsquote von Frauen ist enorm gestiegen, das Modell des Familienernährers wirkt eigentlich wie ein Relikt aus Adenauers Westdeutschland - Männer müssten sich immer weniger darum sorgen, ob sie diese Rolle noch ausfüllen können, und Frauen müssten bei der Wahl des Partners längst nicht mehr seinen Gehaltszettel im Blick haben.

Tun sie aber, und das hat seine Gründe, über alle Gesellschaftsschichten in allen Kulturen und Ländern hinweg. In den Neunzigerjahren befragte der Psychologe David Buss von der Universität Michigan mit seinem Team mehr als 10 000 Menschen in 37 Kulturen auf sechs Kontinenten. Er wollte dokumentieren, welche Vorstellungen Frauen und Männer von den idealen Partnern haben und wissen, wie wichtig kulturelle Unterschiede sind. Die Ergebnisse schildert er im Buch "Evolution des Begehrens". In allen Teilen der Welt ist Frauen das Geld des Partners wichtiger als Männern, während diese eher auf Attraktivität und junges Alter achten. Nicht nur Buss erklärt solche Erkenntnisse mit evolutionären Prozessen. Der Mann erlegt das Wild, denn wessen Kinder verhungern mussten, kann nicht unser Vorfahre sein.

Die alten Rollenbilder halten sich hartnäckig

Heute heißt das: Je mehr Geld ein Mann hat, desto weniger angreifbar macht ihn das, und desto selbstsicherer tritt er auf. Zwar verdienen schon bereits in jeder zehnten Familie die Frauen deutlich mehr als ihre Partner, 39 Prozent der Frauen in Deutschland leben vor allem von ihren eigenen Einkünften. Doch die alten Rollenbilder halten sich hartnäckig. Beispiel USA: Forschungsergebnissen von David Buss zufolge wünschten sich dort Frauen mit einem Einkommen von mehr als 50 000 Dollar pro Jahr besser verdienende Männer, deutlich häufiger als Frauen, die weniger verdienen. Mit steigendem Einkommen steigen demnach auch die Ansprüche an den Gegenpart, die Zahl der potenziellen Partner sinkt.

Früher entstanden zudem häufiger Beziehungen zwischen Anwalt und Sekretärin, zwischen Arzt und Krankenschwester. Vorbei. Die Erwartungen an eine Partnerschaft haben sich immer mehr angeglichen. In etwa 90 Prozent der Ehen in Deutschland haben die Partner ähnlichen Bildungskarrieren. Nur noch jeder fünfte Mann heiratet "nach unten". Die Hochzeit als Mittel des sozialen Aufstiegs fällt aus. Die veränderten Heiratsgewohnheiten wirken sich somit dramatisch auf die soziale Ungleichheit aus: Diese könnte mehreren Studien zufolge deutlich geringer sein, wenn geheiratet würde wie früher. Gerade das kann aber auch niemand wirklich wollen.

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