Baufinanzierung Welche Hilfen gibt es vom Staat?

Der Staat unterstützt den Kauf einer Immobilie mit zahlreichen Programmen - oft unabhängig vom eigenen Einkommen. Das kann Tausende von Euro bringen.

Von Pia Ratzesberger

Wer in die eigenen vier Wände ziehen will, kann auf Hilfe vom Staat setzen. Ein Blick auf die verschiedenen Förderprogramme lohnt sich, egal mit welchem Einkommen: Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) honoriert zum Beispiel Energiebewusstsein. Wer eine neue energieeffiziente Wohnung kauft, kann sich einen Tilgungszuschuss in Höhe von bis zu 15.000 Euro sichern und mit einem Effektivzins ab 1,21 Prozent bis zu 100.000 Euro leihen (Stand Februar 2017). Der Zinssatz ist abhängig davon, wie viel Energie sich mit dem Haus einsparen lässt. Maßstab ist der Energieverbrauch eines nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) errichteten Gebäudes. Ein "KfW-Effizienzhaus 55" zum Beispiel braucht davon nur 55 Prozent.

Auch Immobilienbesitzer, die ihr Heim erst später energieeffizient ausstatten, profitieren: Die KfW fördert Einzelmaßnahmen mit Darlehen in Höhe von bis zu 50.000 Euro bei einem Effektivzins ab 0,75 Prozent (Stand Januar 2017). Auch hier gibt es Tilgungszuschüsse von bis zu 3750 Euro, man muss also nicht das gesamte Darlehen zurückzahlen. Unter die sogenannten Einzelmaßnahmen fallen zum Beispiel die Erneuerung von Fenstern und Außentüren sowie die Dämmung von Wänden und Dachflächen.

Um die Förderung zu erhalten, sind allerdings technische Mindestanforderungen zu erfüllen, wie zum Beispiel die Anwendung bestimmter Rechenvorschriften. Die KfW-Bank führt auf ihrer Homepage die Anforderungen für Neubauten und Bestandsimmobilien detailliert auf.

Für Gebäude, die nicht den Effizienzstandards entsprechen, gibt es das Wohneigentumsprogramm der KfW-Bank. Hier fördert das Kreditinstitut den Kauf einer Immobilie mit Darlehen in Höhe von bis zu 50.000 Euro. Die Zinssätze starten bei 0,75 Prozent effektivem Jahreszins (Stand Februar 2017). Interessierte sollten bei diesem Programm genau prüfen, ob die Angebote wirklich günstiger sind als die herkömmlicher Banken.

Wohn-Riester nutzen

Neben den KfW-Förderungen unterstützt der Fiskus zukünftige Immobilienbesitzer auch durch das Wohn-Riester-Modell. Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, kann bis zu 100 Prozent seines angesparten und steuerlich geförderten Vermögens für eine Immobilie verwenden. Eine Rückzahlungsverpflichtung für den entnommenen Betrag gibt es dabei nicht. Wer noch keinen Riester-Vertrag abgeschlossen hat, kann die staatliche Förderung für eine Darlehensaufnahme nutzen. Die Zulagen fließen dann direkt in das Darlehen, generell bekommt jeder Förderberechtigte 154 Euro jährlich. Alle, die bei Vertragsabschluss unter 25 Jahre alt sind, erhalten einen einmaligen Start-Bonus von 200 Euro, und für Eltern gibt es pro Kind eine Extra-Zulage: Bei Kindern, die vor 2008 geboren wurden, sind es 185 Euro im Jahr; bei einem späteren Geburtsdatum sogar 300 Euro.

Durch die Zulagen löst ein Schuldner sein Darlehen schneller ab, während der Sparphase sind die staatlichen Förderungen komplett steuerfrei. Mit dem Eintritt ins Rentenalter werden dann aber Steuern auf die geförderten Tilgungs- und Sparleistungen fällig. Ob die Zulagen so hoch sind, dass sie von der Steuerlast im Alter nicht wieder aufgehoben werden und sich eine Riester-Förderung lohnt, ist im Vorfeld oft schwer abzuschätzen: "Da man die künftige Einkommensentwicklung und die familiäre Situation nicht vorhersehen kann, ist eine Berechnung der Vorteilhaftigkeit schwierig", sagt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Neben den bundesweiten Förderungen bieten die einzelnen Bundesländer jeweils eigene Programme an. "Die Länder haben damit oft das Ziel, einkommensschwache Haushalte oder auch ganz bestimmte Regionen zu unterstützen", sagt Franz Michel, Projektkoordinator der Webseite baufoerderer.de beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die gemeinsame Website der Verbraucherzentralen und der KfW-Bank und die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums helfen bei der Recherche nach Programmen, die aufgrund von Wohnsitz oder Einkommen in Frage kommen. Oft sind das mehr als erwartet.

Linktipp: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Wohn-Riester auf ihrer Website zusammengefasst.