Finanzen Viele Banken führen Mindestbetrag beim Geldabheben ein

Besonders für weniger Vermögende sind Mindestbeträge ein Problem.

(Foto: dpa-tmn)
  • Bisher konnten Kunden auch einzelne Fünf- oder Zehn-Euro-Scheine ziehen, nun geht oft unter 50 Euro nichts mehr.
  • Für Schüler, Azubis und Studenten, deren Kontostand ohnehin meist auf Kante genäht sei, könne dies unangenehm werden, meinen Verbraucherschützer.
  • Die Geldhäuser wollen weiter Kosten senken.
Von Harald Freiberger

Jeder Deutsche macht es durchschnittlich 42-mal im Jahr: Er steckt seine Karte in den Schlitz, gibt die Geheimzahl ein, wählt einen Betrag, und schon kommen die Scheine. Der Geldautomat ist zum Alltagsgegenstand geworden. Im Durchschnitt zieht jeder dabei 189 Euro aus dem Gerät, hat die Bundesbank ermittelt.

Es gibt aber auch Bankkunden, die deutlich niedrigere Beträge abheben, und die bekommen ein Problem: Immer mehr Banken führen einen Mindestbetrag beim Abheben vom Automaten ein. Bisher konnten Kunden auch einzelne Fünf- oder Zehn-Euro-Scheine ziehen, nun geht oft unter 50 Euro nichts mehr.

Bei Filialbanken wie den Sparkassen oder der Commerzbank ist es noch nicht der Fall, dafür aber bei den Direktbanken. Anfang des Jahres erhöhte etwa die Comdirect, eine Tochter der Commerzbank, das untere Limit für Abhebungen auf 50 Euro. Vom 1. Juli an ist es auch bei der ING-Diba so weit, der mit neun Millionen Kunden größten Direktbank Deutschlands.

"Für die meisten Verbraucher dürfte das zwar kein Problem sein", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Für Schüler, Azubis und Studenten, deren Kontostand ohnehin meist auf Kante genäht sei, könne dies aber unangenehm werden. Ein Schüler mit 20 Euro Taschengeld im Monat kann dann zum Beispiel nur noch alle zweieinhalb Monate Geld abheben. "Tendenziell vergraulen Banken so junge Kunden", sagt der Verbraucherschützer.

Die Banken geben zu, dass es ihnen bei der neuen Praxis ums Geld geht. Man wolle "die für uns kostenintensiven Dienstleistungen minimieren", heißt es bei der Comdirect. Eine Sprecherin der ING-Diba sagt: "Wir haben das Limit aus Kostengründen nach oben gesetzt, da uns jede Abhebung Geld kostet, unabhängig von der Höhe des abgehobenen Betrags." Die Bank betreibt zwar 1200 eigene Automaten, doch die meisten Kunden heben per Visa-Karte bei anderen Instituten ab. Für sie ist das kostenlos, die Direktbank muss aber jedes Mal eine Gebühr an das andere Institut abdrücken. Sie liegt bei rund 1,50 Euro pro Abhebung, ist in der Branche zu hören. Wer fünfmal zehn Euro abhebt, kostet die eigene Bank damit 7,50 Euro.

Die Sparwelle trifft weniger betuchte Kunden

Kosten sparen, Gebühren erhöhen - das ist bei Banken schon seit Jahren der Trend. Wegen der Nullzinsen fließen die Einnahmen nicht mehr wie früher, deshalb holen sie es sich über Gebühren: für das Girokonto allgemein, für Überweisungen per Formular, für die Kreditkarte.

Nun trifft die Sparwelle weniger betuchte Kunden am Geldautomaten. Bei der ING-Diba gibt es künftig zwar Ausnahmen beim höheren Abhebelimit: Sind auf dem Konto weniger als 50 Euro, lässt sie auch geringere Beträge zu. Der Kunde kann das Limit auch heruntersetzen lassen - gegen eine Gebühr von zehn Euro pro Monat. Das allerdings findet Verbraucherschützer Nauhauser abschreckend. "Meist wünschen das ja eher weniger Vermögende", sagt er. Eine solche Regelung zeige, dass die Bank solche Kunden nicht mehr haben oder zum Abheben größerer Beträge umerziehen wolle.

Eine Direktbank rät unter der Hand: "Inzwischen kann man ja auch bei Supermärkten und Drogerien Geld abheben, da bekommt man auch noch niedrigere Beträge."

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