Selbst Unterstützer des Unternehmens sind entsetzt: Gemeinsam mit dem Provider Verizon bastelt Google an einem zweiten Internet. Dort könnten Premiumdienste teuer für den Kunden werden.
Ob der 9. August 2010 in den Annalen des Netzes wirklich einmal als Zäsur vermerkt sein wird? Am Montag beendeten der Internetgigant Google und die US-Telefongesellschaft Verizon tagelange Medienspekulationen über den gemeinsamen Vorschlag zur Regulierung des Internets, auf den sich die beiden Konzerne verständigt hatten.
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Als vergangene Woche erste Berichte über eine solche Einigung aufkamen, erschien das vor allem deswegen pikant, weil Verizon - wie die anderen Telekommunikationsfirmen - zu den hartnäckigen Opponenten jedes Versuchs gehörte, die derzeit weitgehend unterschiedslose Behandlung von Datenströmen durch die Service-Provider für die Zukunft festzuschreiben.
Google dagegen schien lange die stärkste Stimme im Felde derer zu sein, die derartige Vorschriften einer sogenannten Netzneutralität mit Nachdruck verlangten.
Den nun zwischen den bisherigen Kontrahenten ausgehandelten Kompromissvorschlag stellten die Konzernchefs am Montag auf einer telefonischen Pressekonferenz der Öffentlichkeit vor.
Er besteht im Wesentlichen aus drei Punkten:
Erstens soll im klassischen, auf Hausanschlüssen basierten Internet weiterhin Offenheit und ein diskriminierungsfreier Datentransport garantiert werden. Auch für die Breitbandverbindungen soll dies gesichert werden.
Zweitens aber sollen diese Regeln dann nicht gelten, wenn eine Internetverbindung über Mobilfunk hergestellt wird.
Drittens sollen sie ebenfalls nicht gelten für neue, "zusätzliche Online-Dienste", wie hochauflösende Video-Programme oder Telemedizin.
Was Google nun als Sieg für die Netzneutralität und für ein "offenes Internet" darstellt, würde letztlich einen Abschied auf Raten von der Gleichbehandlung aller Daten im Internet darstellen und den Beginn einer digitalen Zwei-Klassen-Gesellschaft markieren.
Luftige Begründungen
In Zeiten der Smartphones und Tablet-Computer wird der Anteil des mobilen Internets absehbar immer größer, hier liegen die entscheidenden Wachstumschancen. Die hohen Hürden der Netzneutralität sichern nach den Google-Verizon-Vorschlägen dagegen nur den Teil des Marktes, der den Zenit seiner Bedeutung vermutlich überschritten hat.
Und selbst diese Hürden sind bei geschickter Auslegung der Formulierungen zu den Sonderdiensten leicht zu umgehen, denn die Definitionen sind butterweich. Die Begründungen, warum Unterschiede zwischen Festnetz- und Mobilanschluss, zwischen alten und "neuen Diensten" gemacht werden müssen, sind höchst luftig.
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OB-Kandidatin Nallinger
... hat Google immer noch nicht als Feind markiert. Wann wachen die Leute endlich auf!?! Google ist eine Abscheulichkeit in einem "Tue Gutes"-Kostüm.
Google + Facebook sind zusammen eine mehr oder weniger Totalüberwachung jeder Person der diese Dienste/Seiten nützt. Und es ist ja schon ewig bekannt, dass USA Behörden auf die Daten beider Unternehmen Zugriff nehmen können.
Beide CEOs von Facebook und Google arbeiten auf eine Abschaffung der Anonymität im Internet hin. Das glauben sie nicht? Googlen sie es.
Am Ende des Tages geht es keinem Unternehmen um den Weltfrieden, sondern allein darum ihren Managern/Eigentümern/Aktionären die Taschen mit Geld zu füllen.
Lieber Matzelocal,
peinlicher Fehler, wurde korrigiert.
Vielen Dank und Grüße nach Würzburg,
Johannes Kuhn, sueddeutsche.de
Der Provider mit dem Google das ausgekaspert hat, heisst "Verizon" und nicht "Horizon".
Kontrolle = Macht = Geld, und um nichts anderes geht es. Wer will hier wem eigentlich noch etwas vormachen?
...ist das Internet nichts anderes mehr als ein digitales Kabelfernsehen. Kein Unternehmen wird dann mehr freiwillig in nicht-premium-Inhalte investieren und die Leitungen werden entweder sofort gekappt, da man die Kapazität für "Premiumdaten" braucht oder veralten und verrotten bis sie schließlich unbrauchbar sind.
Das freie Internet - ohne Ausnahmen - hat Google groß gemacht. Yahoo, Lycos, AOL und andere hätten ihm sofort den Saft abgedreht. Youtube, das nun Google gehört, wäre auch niemals so groß geworden, wenn es auf bestimmten Geräten oder nur sehr langsam hätte abgerufen werden können.
Das Netz ist die Infrastruktur und muss neutral bleiben, sonst kommen Contentna.zis wie Steve Jobs daher und filtern nach Belieben alles heraus und jede Menge simpel gestrickte Sam Morgans werden mit ihrem iStuff nichts sagend mitlaufen, weil sie meinen, alles tun zu können, was sie brauchen.
Das mag sogar stimmen, aber hätte man diese Leute vor 15 Jahren gefragt, ob sie SMS brauchen, dann hätten sie wohl gesagt, "ich will nur telefonieren und sonst nichts." Später sagten sie "Ich will nur telefonieren und simsen, sonst nichts." Heute sagen sie "Ich will nur telefonieren, simsen und Apps benutzen, sonst nichts."
Das nennt man Entwicklung und die ist nicht möglich bzw. kann sich nicht entfalten, wenn man diesen Konzernen so viel Macht einräumt, dass sie alles im Keim ersticken können bzw. an allem mitverdienen können!
Als Google noch von der Netzfreiheit profitierte, habe sie sich für heilig erklärt. Nun müssen sie den Zugangsweg verteidigen und wären froh, in sprengen zu können.
Das wäre aber sehr evil!