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. (© Ruslan Gilmanshin - Fotolia)
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Ausgerechnet jetzt! "Das goldene Zeitalter der Technologieblogs ist vorbei", proklamierte der IT-Analyst Jeremiah Owyang vor wenigen Tagen - heute erweitern wir das Digitalressort von Süddeutsche.de um ein Blog.
Debatten über die Endzeit der Blogs haben Tradition und beschränken sich nicht auf das Technologie-Genre. Klassische Blogs, so lautet eine ständig wiederkehrende These, verlieren im gleichen Maße Relevanz, wie kürzere und schnellere Formen der Informationsverbreitung über Twitter und Facebook sie gewinnen.
Wer einen Blick auf den Themenaggregator Rivva.de wirft, der immer noch als Fieberthermometer der deutschen Blogosphäre gilt, könnte Owyan spontan zustimmen: Die Debatte über aktuelle Geschehnisse wird nur noch selten über Blogs, sondern meist über andere soziale Medien geführt. Auch hierzulande geistert deshalb jährlich mindestens einmal eine Debatte durchs Web, in der wahlweise der Tod von Blogs, der Blogosphäre oder doch zumindest von Blogkommentaren herbeiorakelt wird.
Warum also ein Digitalblog? Weil es in Wahrheit keinen besseren Zeitpunkt als heute gibt, damit anzufangen. 2011 könnte man vom Guttenplag-Wiki über den twitternden CDU-Mann Peter Altmaier bis zur arabischen Revolution als Jahr begreifen, in der Mikro-Öffentlichkeiten begannen, durch das Netz in unserer Wahrnehmung zu einer ersten Form einer breiteren digitalen Öffentlichkeit zu verschmelzen.
Als im Februar der amtierende Machthaber Mubarak das Internet in Ägypten lahmlegen ließ, kommentierte der US-Medienwissenschaftler Dave Parry folgerichtig: "Die ägyptische Regierung konnte zwar den Zugang zum öffentlichen Internet abschalten, nicht jedoch die Internet-Öffentlichkeit."
Es wäre töricht, wenn wir als Journalisten uns den Folgen der Verschmelzung von Sphären und Techniken, den Diskursformen dieser neuen Öffentlichkeit verschließen wollten. Für die beteiligten Autoren ist das Digitalblog deshalb keine simple Publikationsgattung, sondern ein Chiffre für den Versuch, der vernetzten Struktur der digitalen Welt gerecht zu werden und den Dialog als Teil des Publizierens im Netz zu verstehen. Es soll ein Instrument sein, den digitalen Wandel der Gesellschaft und die anhaltenden technischen Revolutionen zu begleiten; die entstehenden Debatten zu spiegeln, zu bündeln und anzureichern.
Vor allem aber soll es eine Einladung sein: Das Internet ist die bedeutendste Infrastruktur der Gegenwart und absehbaren Zukunft; wir müssen nicht nur als Nutzer, sondern auch als Gesellschaft eine Debatte über Wesen und Folgen dieser vernetzten Welt führen. Das Digitalblog ist deshalb Kommunikationsraum, in den Kommentaren unter den Artikeln, auf unserer Seite bei Google Plus oder direkt via Twitter.
Der Internetzugang als Grundrechtsfrage, politische Willensbildung und Aktivismus im digitalen Zeitalter, die Definition von Identität, Privatsphäre und Öffentlichkeit im Netz, die Folgen der Smartphone-Revolution und die Definition des Urheberrechts in einer Welt unendlich reproduzierbarer Daten: Die Breite und Tiefe der Themen ist schier endlos. Wir wollen uns dabei keine Beschränkungen auferlegen - Gadget-Tests, ein Netz-Fundstücke, genauere Blicke auf die Akteure der IT-Branche finden genauso Platz wie Debattenhinweise und Gedanken zum digitalen Wandel.
Wie die Online-Welt sich weiter verändern wird, ist auch das Digitalblog ein Entwicklungsprojekt. Der heutige Start ist ein Anfang, der Kreis der Beteiligten kann und wird ständig erweitert werden. Folgende SZ-Autoren werden sich den digitalen Fragen widmen: Varinia Bernau, Dirk von Gehlen, Bernd Graff, Mirjam Hauck, Niklas Hofmann, Andrian Kreye, Johannes Kuhn, Helmut Martin-Jung, Stefan Plöchinger, Thorsten Riedl.
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- Digitalblog RSS
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(sueddeutsche.de/ploe)
Wirbel um Obama-Biographie
Mann, Mann ... in den grauen Jahren des letzten Jahrtausends hat man vielleicht noch die Zeit gehabt, Webseiten im Browser aufzurufen. Da gab es auch noch keine Flats, ergo war der Feed damals so gedacht, dass man kurz eine Überschrift liest und danach die Webseite aufschlägt, wenn man wirklich Interesse hat.
Inzwischen schreiben wir das Jahr 2012, in meinem Feedreader befinden sich Informationen aus ca. 480 Web-Angeboten. Und zwar mit dem vollständigen Text, den ich sekundenschnell auf meinem Tablet durchblättern kann, ohne umständlich irgendwelche Webseiten aufzublättern.
Euch kostet das nur Häkchen im CMS - bitte, bitte, bitte schaltet die vollständigen Feeds an, wenn Ihr gelesen werden wollt ...
ich bin gespannt.
schön wäre allerdings, wenn das blog auch - wie ein vernünftiges blog - einen volltext-feed hätte und nicht nur so eine arg verstümmelte version ...
Früher gab es in Zeitungen die Kommentarspalte. Heute entwickeln die Verlage eigene Blogs. Der Inhalt ist der selbe; nur der Name hat sich gewechselt.
Das Problem in den Verlagen ist nicht, dass man die digitale Zukunft nicht sehen würde. Das eigentliche Problem ist, dass man sie nicht versteht. Der Redakteur bleibt ein verlagseigener Mitarbeiter. Und somit wird er nie zu einem echten Blogger mutieren können. Zudem ist der Redakteur an verlagsinterne Handlungen und Vorgaben gebunden. Daher wird er nie ein netz-affinen Blogger werden können.
Ein Blog "lebt" nicht nur davon, dass ein halbwegs intelligenter und rechtschreibfähiger Mensch interessante Texte ins Internet stellt. Ein Blog wird erst dann interessant, wenn Provokantes ebenso ausgesprochen werden kann wie Unpopuläres. Ein Blog ist nicht nur Sendemedium sondern auch Empfänger. Ein Blog sollte gespickt sein mit thematisch passenden Links (außerhalb des Verlagsuniversums). Und ein Blog lebt von der offenen und schnellen Kommentarfunktion.
Da ein verlagsinterner Blog niemals diesen Erwartungen erfüllen kann, ist die Totgeburt bereits schon vorprogrammiert. Er wird ein sich zu einem zusätzlichen Inhaltskanal entwickeln, welche jegliche Freiheiten für einen echten Blog genommen wurden. Dennoch viel Glück wünsche ich.
Guten Tag,
nun bin auch ich gut 12 Jahre im Netz und gab 2002/07 das unabhängige online-Magazin "rechtskultur.de" (damals noch über geocities.com) heraus.
Ihnen wünsche ich Mut & Zähigkeit und im bürgerrechtlichen Sinn hoffe ich, daß dieser SZ-Blog auch Rechts- und Justizkritisches publiziert ... nicht nur, aber auch, weil die SZ hier m.E. sehr zurückhaltend war & ist,
best;-)
Richard Albecht
Lieber Thomas Knüwer,
vielen Dank für den Kommentar!
Wenn hier wirklich eine Lawine von intelligenten Blogeinträgen auf uns hereinbrechen würde, wäre ich hocherfreut - ich sähe da auch keine "informationelle Überforderung", Sie etwa?
Natürlich hätte es die Möglichkeit gegeben, Einzelblogs anzulegen, aber die gewählte Form hat Vorteile: Wir müssen uns erst einmal nicht beschränken, haben einen gut sichtbaren Knotenpunkt, der als Gemeinschaftsprojekt der beteiligten Autorinnen und Autoren auch dafür sorgen soll, dass wir ständig diskutieren und nicht vor uns hinbloggen.
Zudem ist es ja nicht so, dass die Autoren hinter dem Format verschwinden würden, im Gegenteil.
Zum Freeze: Ich denke, wir werden relativ bald nicht mehr über dieses Thema sprechen müssen, das uns als Redaktion selbst ein Dorn im Auge ist.
Ein praktischer Workaround: Wir werden die Blogeinträge auf unserer Seite bei Google Plus (gplus.to/digitalblog) spiegeln, um die Einstiegshürden in Debatten (Neuregistrierung, Uhrzeiten o.ä.) zu senken.
Beste Grüße,
Johannes Kuhn, sueddeutsche.de
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