Youtube-Netzwerke Der berühmteste Youtuber der Welt gründet sein eigenes Reich

Felix "PewDiePie" Kjellberg bei den Social Star Awards 2013.

(Foto: Getty Images)
  • Felix "PewDiePie" Kjellberg ist der erfolgreichste Youtuber der Welt.
  • Der gebürtige Schwede hat derzeit mehr als 41,6 Millionen Fans. Im letzten Jahr soll er so rund zwölf Millionen US-Dollar eingenommen haben.
  • Nun gründet er mit "Revelmode" ein eigenes Youtube-Netzwerk. Dahinter steht Disney.
Von Caspar von Au

Felix Arvid Ulf Kjellberg schlackert mit den Fingern. Er kneift die Augen zusammen, die Lider flattern. "Hello, my name is PewDiePie", quietscht der König der Youtuber zur Begrüßung in die Kamera. Die Albernheit ist nur eines seiner Markenzeichen, für das ihn die Massen lieben.

41,6 Millionen Fans hat Kjellberg, 26, alias PewDiePie auf Youtube. Jeden Tag werden es 20 000 mehr. Damit führt er seit mehr als zwei Jahren die Liste der beliebtesten Youtuber an. 2013 überholte Kjellberg mit seinem Kanal selbst den des Hausherren Youtube, inzwischen hat er fast doppelt so viele Abonnenten. PewDiePie trifft mit seinen lauten, schnell geschnittenen Videos den Geschmack junger Internetnutzer. Inzwischen hat er aber wohl auch so viele Fans, dass ihn so manch einer nur abonniert, weil er der berühmteste Youtuber ist.

Einer Liste des Wirtschaftsmagazins Forbes vom Oktober 2015 zufolge verdiente er vor allem mit Werbung rund zwölf Millionen US-Dollar - allein im vergangenen Jahr. Nun wird Kjellberg vom Entertainer zum kleinen Youtube-Mogul: Er hat sein eigenes Netzwerk für die Plattform gründet: Revelmode, was so viel wie "Feier-Modus" bedeutet.

Ein paar Freunde - oder besser: Kollegen - sind dabei. "Wir wollen zusammen als Gruppe tolle Dinge machen." Die neun Youtuber, die sich bei Revelmode zusammentun, sind inhaltlich typischer Durchschnitt der Videoplattform: Sie machen Let's Plays, geben Schminktipps, nehmen Musik-Cover auf.

Damit möchte Kjellberg seine Arbeit weiter professionalisieren und unabhängiger von seinem bisherigen Netzwerk "Maker Studios" machen, das seit 2014 Disney gehört. Das sagt er zumindest. Denn der Schritt ist im Grunde ein Vertrauensbeweis von Maker und Disney. Die neue Truppe von PewDiePie wird weiter Teil von Maker bleiben, die Disney-Struktur sichert das Ganze ab.

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Kjellberg, heute dank leuchtend blauer Augen, gepflegtem Bart und zur Seite gegelten Haaren massenkompatibel, wächst in Göteborg auf. Seine Eltern, beide erfolgreiche Unternehmer, wollen, dass ihr Sohn in ihre Fußstapfen tritt. Der beginnt, "Industrieökonomik und Technologiemanagement" an der Technischen Hochschule Chalmers zu studieren. 2011 bricht er ab, um sich seiner Youtube-Karriere zu widmen - damals mit nur einigen Tausend Abonnenten. Weil seine Eltern ihn nicht mehr unterstützen, arbeitet er an einem Hot-Dog-Stand, um seine Miete bezahlen zu können. Wenn ihm enttäuschte Fans vorwerfen, sich für viel Geld zu prostituieren, verweist er gerne auf diesen alten Fast-Food-Job.

In seinen ersten Videos filmt sich PewDiePie vor allem, während er Horror-Computerspiele spielt und dabei erschrickt. Je mehr er zusammenzuckt und kreischt, desto mehr Menschen wollen seine Videos sehen. Schnell wird der Schwede in seinen frühen Zwanzigern zu einem der erfolgreichsten Youtuber der Welt. Seit dem 22. Dezember 2013 ist er der mit Abstand erfolgreichste.

Seine Fans nennt Kjellberg die "Bro-Army". In seinen Videos flucht er, schreit Obszönitäten ins Mikrofon und schneidet Grimassen in die Kamera. Seine jungen Zuschauer lieben ihn. Jedes seiner Videos beendet er mit der "Bro-Fist", die zugleich sein Logo ist: Er hält seine Faust in die Kamera, seine Zuschauer sollen ihre Faust vor dem Bildschirm dagegenhalten. "Stay awesome", sagt PewDiePie zum Abschied.

Kjellbergs Erfahrungen mit Youtube-Netzwerken waren eine "Achterbahn"

Längst filmt er sich nicht nur beim Horrorspiele zocken. In seinen Videos schminkt und verkleidet er sich vor der Kamera, liest Twitter- und Youtube-Kommentare vor, probiert kleine Computerspiele aus, die Fans für ihn selbstgemacht haben. Seine Freundin Marzia und er beantworten Fragen über den jeweils anderen - bei einer falschen Antwort verpasst sie ihm Elektroschocks. Marzia, ebenfalls erfolgreiche Youtuberin, kreischt dabei nicht weniger schrill als er. Das Paar lebt seit einigen Jahren zusammen mit seinen zwei Möpsen Maya und Edgar in Brighton, südlich von London. Kjellberg gilt, obwohl er sich im Internet selbst so exponiert, als äußerst medienscheu. Selbst sein bisheriges Youtube-Netzwerk Maker Studios in Kalifornien besuchte er nur, wenn unbedingt nötig.

Wenn er so wenig von Netzwerken hält, warum gründet er jetzt ein eigenes? Die meisten Youtuber, die ihren Lebensunterhalt mit Youtube verdienen möchten, seien auf Netzwerke angewiesen, sagt Kjellberg in dem Video, in dem er Revelmode vorstellt. "Bei mir selbst war es eine Achterbahn", fügt er hinzu. In der Vergangenheit hatte er keinen Hehl daraus gemacht, dass er mit seinen bisherigen Youtube-Netzwerken nicht glücklich war: Er arbeite lieber allein, ohne größere Produktionsteams. Deshalb hatte Kjellberg schon in einem Interview vor mehr als einem Jahr angekündigt, dass er mit ein paar Freunden sein eigenes Netzwerk aufziehen möchte, sollte er Maker Studios verlassen.

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Doch volles Risiko scheint Kjellberg nicht gehen zu wollen. Im Hintergrund von Revelmode bleiben Maker, und damit Disney - zur Sicherheit. Das Netzwerk im Netzwerk im Unterhaltungskonzern erinnert ein wenig an eine Matrjoschka. Oder wie es das Tech-Portal Recode beschreibt: an Mini-Musiklabels wie Eminems "Shady Records", um das sich der Rapper selbst kümmert, das aber zur Universal Music Group gehört. Bisher hat Kjellberg die Dienste des Maker-Netzwerks kaum in Anspruch genommen. Auch in neuer Rolle wird weiterhin seine verrückten und lauten Filme drehen, so wie er es bisher getan hat. Die Shows sollen aber professioneller werden, was vor allem im Hinblick auf Zahlangebote wie Youtubes Abo-Service "Red" lukrativ sein dürfte.

Wirkliche Sorgen um den Erfolg des neuen Netzwerks muss sich Kjellberg nicht machen. Die bislang anderen acht Youtuber, Kjellbergs Freunde, bringen mit seinen 40 Millionen Fans zusammengerechnet von Beginn an eine Reichweite von mehr als 100 Millionen Menschen auf Youtube, Twitter, Facebook und Instagram mit. 2016 startet Kjellberg außerdem in Kooperation mit Robert Kirkman, Erfinder der erfolgreichen Zombie-Fernsehserie "The Walking Dead", eine Youtube-Show. Darin kehrt er zu seinen Wurzeln zurück: In der Serie mit dem Titel "Scare PewDiePie" geht es darum, ihn vor laufender Kamera zu erschrecken. So beliebt, wie Felix Kjellbergs verängstigtes Gesicht ist, dürfte er so noch mehr Millionen Menschen erreichen.