Weltvernetzer Zuckerberg Warum der Facebook-Chef neue Freunde sucht

Weltvernetzer: Facebook-CEO Mark Zuckerberg in Barcelona

Zwar nutzen 1,2 Milliarden Menschen sein soziales Netzwerk Facebook, dennoch steht Unternehmensgründer Mark Zuckerberg erst ganz am Anfang. Mehr als vier Milliarden haben schließlich noch gar keinen Zugang zum Internet - das will er jetzt ändern.

Von Varinia Bernau, Barcelona

Mark Zuckerberg weiß, wie man Freundschaften knüpft. Und er weiß, dass er gute Freunde braucht, wenn er wirklich erreichen will, was er sich damals in einem Internatszimmer von Harvard vorgenommen hat. Wenn er wirklich die ganze Welt vernetzen will.

Gewiss, Zuckerberg, 29, ist schon weit gekommen. Sein soziales Netzwerk Facebook, das er vor zehn Jahren gegründet hat, nutzen nicht mehr nur ein paar amerikanische Studenten, um die schönsten Mädchen auf dem Campus zu küren, sondern 1,2 Milliarden Menschen weltweit. Und dennoch ist Zuckerberg erst am Anfang. Denn von den sieben Milliarden Menschen, die auf der Welt leben, haben gerade einmal 2,7 Milliarden Zugang zum Internet.

Das will Mark Zuckerberg ändern. Deshalb ist er an diesem Montagabend nach Barcelona gekommen, wo sich gerade die wichtigsten Manager aus der Mobilfunkbranche treffen. Ein guter Ort also, um ein paar Freunde zu finden für sein im Sommer gestartetes Projekt. Internet.org heißt es - und ist eine Art Sammelbecken für diverse Firmen, die gemeinsam grübeln, wie sie Geräte und Internetdienste billiger und besser machen - und so auch der breiten Masse in den Schwellenländern zur Verfügung stellen können. Zuckerberg weiß: Die meisten Menschen, die bislang noch offline sind, leben in Ländern, wo sie nicht mit dem Computer, sondern mit dem Handy ins Netz gehen.

"Es geht noch eine Nummer größer"

Und so berichtet Zuckerberg, blaue Jeans, graues T-Shirt, an diesem Abend davon, wie Facebook gemeinsam mit Nokia Schülern in Ruanda neue Zugänge zu Bildung verschafft. Und davon, wie seine Firma mit Ericsson in einem Labor in Kalifornien App-Entwicklern zeigt, wie sie ihre Dienste so programmieren können, dass diese auch in wackeligen Netzen laufen. "Die Leute im Silikon Valley reisen kaum - und wissen gar nicht, wie ihre Apps beispielsweise in Afrika aussehen. Bei uns sehen sie: Oh, da müssen wohl noch ein paar Daten raus."

Warum er das tut? "Weil ich glaube, dass das wichtig ist", sagt er, als wäre das eine Erklärung. Es könne doch nicht nur um eine Million weiterer Mitglieder bei Facebook gehen. "Es geht noch eine Nummer größer."

Ganz so selbstlos aber ist sein Vorhaben dann doch nicht. Zuckerberg ist schließlich auch der Chef eines milliardenschweren Konzerns - und einer der größten Anteilseigner. Deshalb muss es ihm auch um das Geschäft gehen. Und das findet in Zukunft vor allem in Schwellenländern statt. In der westlichen Welt ist nicht mehr viel zu holen.

Hat er schon den nächsten Übernahmekandidaten im Visier?

Gemeinsam mit seinen neuen Freunden aus der Mobilfunkbranche dringt Zuckerberg auch in eine Lücke, die nur noch wenige Gesellschaften mit öffentlichen Mitteln zu stopfen wissen. Die Staaten ächzen unter hohen Schulden, die Technologiekonzerne aber haben enorme Barreserven angehäuft.

Und wer, wenn nicht Zuckerberg, wüsste, dass ein paar Milliarden helfen, Freundschaften zu knüpfen. 19 Milliarden Dollar hat er gerade für den Messaging-Dienst Whatsapp hingelegt. Nicht etwas zu viel?

Zuckerberg schüttelt den Kopf. Der Dienst habe ähnlich wie Facebook das Zeug dazu, eine Milliarde Menschen hinter sich zu versammeln. Und das sei von enormem Wert. Auch im Geschäft gibt sich Zuckerberg ganz so, als kenne er keine Zweifel. "Ich kann natürlich falsch liegen, aber ich glaube nicht, dass ich mich irre." Und ob er schon den nächsten Übernahmekandidaten im Visier hat? Die Foto-App Snapchat womöglich? Die Antwort kommt schnell. Und sie ist eindeutig: "Wenn du gerade 19 Milliarden für eine Firma ausgegeben hast, dann bist du erst einmal für eine Weile durch damit."