US-Geheimdienste Deutschland liefert offenbar weiter Daten

  • Auch nach den zahlreichen Enthüllungen über US-Spionage in Deutschland beliefern hiesige Behörden die Amerikaner mit sensiblen Daten, berichtet die Washington Post.
  • Im Vordergrund stehen dabei Informationen über Männer, die planen, sich im Nahen Osten der Terrormiliz IS anzuschließen.
Von Nicolas Richter, Washington

Trotz aller Kritik am Ausmaß der US-Spionage in Deutschland teilen deutsche Sicherheitsbehörden offenbar noch immer heikle Informationen mit den Vereinigten Staaten. Im vergangenen Jahr soll Deutschland detailliert Auskunft gegeben haben über Hunderte junge Männer, die sich in Syrien und im Irak der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anschließen wollten. Das berichtet die Washington Post.

Bei den Verdächtigen soll es sich um deutsche Staatsbürger handeln und um Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis. Die Bundesrepublik soll den US-Diensten eine Fülle persönlicher Daten übermittelt haben, darunter Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen.

Dem Bericht zufolge hatten die deutschen Behörden Bedenken, die persönlichen Daten zu erheben und mit einem Verbündeten zu teilen. Doch erhofften sie sich von der Kooperation Hilfe beim Versuch, die Spuren der Dschihadisten zu verfolgen, um sie nach deren Rückkehr beobachten zu können.

Ach ja. Schon wieder?

Eine Beamtin im Bundeskanzleramt könnte ausspioniert worden sein. Könnte. Interessanter als der Fall selbst sind die Reaktionen in Berlin: Die US-Geheimdienste haben ihren Ruf hierzulande so ramponiert, dass man ihnen jederzeit alles Schlechte zutraut. Kommentar von Hans Leyendecker mehr ... Kommentar

Sicherheitsbehörden in etlichen westlichen Ländern sind besorgt, dass Kämpfer des IS nach der Rückkehr Terroranschläge planen. Der UN-Sicherheitsrat hat im Herbst eine Resolution verabschiedet, die alle Länder zur Kooperation gegen "ausländische Kämpfer" auffordert.

Ein hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter, den die Washington Post zitiert, vergleicht das Verhältnis zu den USA mit einer Ehe, in der die Partner eigentlich das Vertrauen ineinander verloren haben. Eine Scheidung aber sei derzeit keine Option.