Debatte um das Urheberrecht Und jetzt kommt die 3-D-Druck-Revolution

Der Konflikt um das Urheberrecht geht weit über Musik, Texte und Filme hinaus: 3-D-Drucker ermöglichen es den Menschen bald, selbst zum Produzenten industrieller Produkte zu werden. Ist dann jede Kopie eine Fälschung, die verfolgt werden muss?

Von Johannes Kuhn

Während die Diskussion über das Urheberrecht gerade erst an Fahrt aufgenommen hat, zeichnet sich am Horizont eine Debatte ab, bei der die aktuellen Interessenskonflikte von Internet-Nutzern, Urhebern und Verwertern wie ein simples Vorgeplänkel wirken.

3-D-Drucker gelten bereits länger als Produktionswerkzeug der Zukunft, inzwischen sorgen sinkende Preise dafür, dass die Geräte in fünf bis zehn Jahren massentauglich sein könnten (Hintergründe zur Technik beim Economist oder in der Businessweek).

Das Thema und der Bezug zum Urheberrecht liegen in der Luft, spätestens seitdem Anfang Januar die Pirate Bay Druckvorlagen in ihren Tauschladen aufnahm (allerspätestens, seitdem Sascha Lobo das Thema vor einigen Wochen in seiner Kolumne aufgriff).

Das Problem ist klar: Lässt sich das Design eines Objekts schützen, wenn es plötzlich jeder Mensch in seinem eigenen Hobbykeller nachdrucken kann? Oder stehen wir nicht vielmehr vor der gleichen Situation wie zu Beginn des Filesharing-Zeitalters - nur, dass nun nicht das Objekt selbst über das Netz getauscht wird, sondern seine Bauanleitung?

Was darf ich nachdrucken?

Der nächste Kampf um das Urheber- und Patentrecht ist näher, als wir annehmen: Wired.com berichtete am Mittwoch, dass in den USA erstmals ein Unternehmen wegen eines 3-D-Nachdrucks seine Anwälte eingeschaltet hat. Ein Hobby-Designer hatte mit seinem MakerBot eine Figur aus dem Rollenspiel Warhammer nachgebaut und die Pläne dafür auf die Digitaldesign-Seite Thingiverse gestellt. Daraufhin forderte ihn die Firma Games Workshop, die Warhammer herstellt, per Anwalt auf, die Pläne zu entfernen.

Wired-Autor Clive Thompson ist auf der richtigen Spur, wenn er einen großen Konflikt heraufziehen sieht. Immerhin sind theoretisch alle Hersteller von Produkten betroffen, die nicht allzu komplex sind und sich aus Kunststoffen oder Metallen herstellen lassen - vom Schuh-Produzenten bis zum Waffen-Hersteller (!).

Dabei spielt in Deutschland nicht nur das Urheberrecht eine Rolle, viele Objekte fallen eher in den Bereich Patent-, Gebrauchsmuster-, Geschmacksmuster- oder Markenrecht. Klingt kompliziert? Ist es auch (etwas Klarheit verschafft dieser c't-Artikel).

Es geht um mehr als um das Urheberrecht

Womöglich überschätzen wir die Möglichkeiten des 3-D-Printings noch. So sind die Stückkosten auf absehbare Zeit deutlich höher als in der Massenproduktion, die ihrerseits aber keine Individualisierung ermöglicht. Und: Anders als die Unterhaltungsindustrie, die das Ausmaß der Veränderung ihrer Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung unterschätzte, bereiten sich die Konsumgüter-Hersteller bereits jetzt auf die anstehenden Veränderungen vor. Eine Boutique, die mir ein individuelles Accessoire der Marke xy druckt, wäre für einen Großteil der Verbraucher vielleicht attraktiver als der Aufwand, es selbst produzieren zu müssen.

Das ändert aber nichts am revolutionären Potential der Technik: Ermöglicht das Internet dem Einzelnen, selbst zum Produzenten von Informationen, Daten und Meinungen zu werden, überträgt der 3-D-Druck das Prinzip des Prosumenten auf viele zuvor industriell gefertigte, physische Objekte.

Wir reden also nicht nur über das Urheberrecht, sondern über den Rahmen für eine Kultur der Beteiligung, der Interessen von Schöpfern, Nutzern und Nachschöpfern in Einklang bringt. Das ist genauso kompliziert, wie es klingt.

Linktipps:

Breitband-Podcast zum "geistigen Eigentum in Zeiten der 3D-Drucker"

Cory Doctorow zum Thema auf der 28c3 (YouTube-Video)

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