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Downloaden und Umwelt schützen: Apps helfen dabei.

Wasser sparen, auf Plastik verzichten, das Auto stehen lassen: Kann eine App zu nachhaltigerem Lebensstil erziehen? Ecotastic versucht es mithilfe eines simplen Köders.

Von Pia Ratzesberger

Irgendwo zwischen der zugezogenen Haustür und dem Büroschreibtisch sind sie verloren gegangen, die guten Vorsätze. Im Kopf hatte das alles noch funktioniert: früh genug aufzustehen und den selbst gemachten Kaffee in die mittlerweile angestaubte Thermoskanne zu füllen - statt schon wieder vom Coffeeshop an der Ecke den Plastikbecher mitzunehmen. Mit dem Fahrrad in der noch kalten Morgenluft durch die Stadt zu fahren statt mit dem Auto direkt vor das Bürogebäude. Noch eine Tasche für den Einkauf am Abend einzupacken, um an der Kasse nicht wieder drei neue Tüten mitnehmen zu müssen. Doch es kommt wie so oft: Man ist zu spät aufgestanden, es ist kein Kaffee mehr da, und draußen regnet es auch noch. Dann eben doch das Auto genommen. Dann eben erst morgen anfangen mit dem umweltbewussteren Leben.

Fabian Lindenberg kennt sie, die kleinen Ausreden, die einen bequem durch den Alltag bringen und den eigenen Idealismus auf später vertrösten. Deshalb hat der 27-Jährige gemeinsam mit Anna Yukiko Bickenbach und Ralf Gehrer die kostenlose App Ecotastic entwickelt. Sie soll es den Menschen leichter machen, sich Tag für Tag umweltbewusst zu verhalten - mithilfe eines simplen Köders, nämlich von Belohnung.

Ob Mülltrennung oder Busfahrt, für alles, was man in einem weiteren Sinn zu einem nachhaltigen Lebensstil zählen kann, gibt es Punkte. Wie viele, das entscheiden die Nutzer der App selbst. Sie bewerten sich gegenseitig, anhand eines Fotos, das zum Beispiel die mitgebrachte Thermoskanne, den Stoffbeutel oder die Kräuter im Garten zeigt. Wer viele Punkte gesammelt hat, kann diese in Gutscheine umwandeln und wird mit einem Gratiskaffee oder mit einem Rabatt beim Online-Shopping belohnt, natürlich für umweltgerechte Ware. "Das sind nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen von ausgewählten Unternehmen", sagt Lindenberg. Ob derjenige, der das Foto hochgeladen hat, dann auch tatsächlich keine Plastiktüte an der Kasse einpackt, kann keiner überprüfen. Die Punktevergabe basiert auf Vertrauen.

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Als Lindenberg in den USA studierte, fuhren er und seine Kommilitonen jeden Morgen mit dem Auto zum Campus - jeder in seinem eigenen, den Uni-Shuttlebus benutzte niemand. Der Student fragte sich, wie er sich selbst und die anderen dazu bringen könnte, Fahrgemeinschaften zu bilden oder den Bus zu nehmen.

Mit seiner App will er nun drei Anreize bieten: einen finanziellen durch die Gutscheine, einen spielerischen durch den Wettbewerb zwischen den Nutzern und einen sozialen durch die Veröffentlichung von Ranglisten. Ecotastic ist seit dem vergangenen Jahr in den App-Stores verfügbar, bisher haben sich erst mehr als 2000 Menschen bei dem Programm registriert. Ob diese die App nur als nette Ablenkung für zwischendurch sehen oder sie tatsächlich über eine lange Zeit hinweg nutzen und vielleicht sogar Gewohnheiten in ihrem Alltag ändern, das wissen die Gründer von Ecotastic nicht.

Wasser sparen, Plastik weglassen

Erfahrungen von anderen lassen aber vermuten, dass es dafür mehr bedarf als nur einer Software: An der Fachhochschule Potsdam hat man schon vor drei Jahren eine App entwickelt, die zu einem nachhaltigeren Leben antreiben will. "Ecochallenge", die nur im App-Store von Apple verfügbar ist, setzt allerdings mehr auf Information als auf finanzielle Anreize.

Gutscheine gibt es hier keine, zu verschiedenen Themengebieten wie Plastik, Wasser oder Baumwolle erfahren die Nutzer anhand von Grafiken mehr und können sich dann verschiedenen Herausforderungen stellen: Verwende nur 80 Liter Wasser pro Tag, verzichte im Supermarkt auf Plastik! Seine Erfolge kann man in sozialen Netzwerken wie Facebook posten und sich so öffentlich mit seinen Freunden messen.

Vor zwei Jahren hatte die App nach Angaben der Gründer weltweit bereits mehr als 100 000 Nutzer, obwohl sie seit dem Start nie mehr weiterentwickelt wurde. "Wir arbeiten momentan daran, das nötige Budget dafür zusammenzukriegen", sagt Professor Frank Heidmann vom Fachbereich Design der Fachhochschule Potsdam. Er hat das Projekt damals gemeinsam mit einem Studententeam realisiert. Bei einer neuen Version würden die Entwickler auch noch auf andere Anreize als auf das soziale Image setzen wollen. Denn in einer Begleitstudie fand die Gruppe damals heraus: Die Verhaltensweisen änderten sich nicht in "bedeutendem Maße".

Image und Geld reichen als Anreiz nicht aus

Siegmar Otto forscht an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zum Thema Umweltpsychologie und wundert sich darüber nicht. Damit der gesamte Lebensstil eines Menschen tatsächlich ökologischer werde, reichten externe Beweggründe wie Image oder Geld nicht aus. "Dazu muss auch die intrinsische Motivation selbst steigen", sagt Otto.

Durch die Belohnung mit Gutscheinen wie bei Ecotastic komme es in der Regel außerdem zum sogenannten Rebound-Effekt: Die Zeit und das Geld, das man durch effizienteres umweltbewusstes Verhalten einspare, werde sofort wieder in neuen Konsum investiert. Zwar würden so einzelne umweltfreundlichere Konsumalternativen gefördert - aber die Gesamtbilanz einer Person ändere sich dadurch nicht wesentlich. Trotz dieser Schwächen bewertet der Wissenschaftler die Apps dennoch positiv: "Auch wenn sie vielleicht keine sofortigen signifikanten Effekte erzielen, verbreiten sie Informationen und Wissen über Umweltthemen, was langfristig zu Lerneffekten führen kann."

Eine App für den urbanen Hipster an

Momentan erreichen die Programme allerdings wohl nur diejenigen, die sich ohnehin schon Gedanken über Umweltschutz und Nachhaltigkeit machen. Dessen sind sich auch die Entwickler bewusst: "Man muss ganz klar sagen, unsere App spricht vor allem den urbanen Hipster an", sagt Professor Heidmann von Ecochallenge.

Das Team von Ecotastic sieht seine Nutzer ebenfalls in der Altersgruppe zwischen 20 und 35 Jahren, viele Studenten und junge Eltern seien dabei. In Zukunft wollen Lindenberg und seine Partner aber zusätzlich mit anderen Apps kooperieren. Wer Carsharing nutze, könne dann zum Beispiel automatisch Punkte gutgeschrieben bekommen. So werde das Programm noch mehr Menschen erreichen, hoffen die Gründer. Das könnte dabei helfen, ihr Start-up profitabel zu machen sowie gleichzeitig ganz andere Gruppen anzusprechen - und eben nicht nur den urbanen Hipster.