Transparenzbericht Facebook gibt Hunderte Nutzerdaten an deutsche Behörden heraus

Der Staat liest mit: Deutsche Sicherheitsbehörden wollten Informationen über 2000 Facebook-Nutzer, in jedem dritten Fall gab der Konzern Daten heraus. Über die Internet-Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA sagt Facebooks neuer Transparenzbericht jedoch wenig aus.

Die Internetkonzerne haben durch den Überwachungsskandal massiv an Vertrauen verloren. Viele Nutzer fürchten, dass potentiell jeder Facebook-Chat und jede via Google verschickte E-Mail vom US-Geheimdienst NSA mitgelesen werden kann.

Die Konzerne versuchen, durch Transparenz die Nutzer wieder für sich zu gewinnen. Bisher sind die Unternehmen gesetzlich gezwungen, das meiste darüber zu verschweigen.

Auch der erste Transparenzbericht von Facebook enthält keine Details zur Internetüberwachung. Er schlüsselt jedoch auf, wie viele Anfragen Polizei und Geheimdienste in einzelnen Ländern gestellt haben, bezogen auf das erste Halbjahr 2013. Als Beispiele für kriminalpolizeiliche Ermittlungen nennt Facebook "Überfälle und Entführungen". Ob Geheimdienstanfragen oder Polizeiarbeit überwiegen, geht aus der Statistik nicht hervor. In den USA ist es den Internetkonzernen verboten, dies aufzuschlüsseln.

In Deutschland beantwortete Facebook jede dritte Behördenanfrage nach Nutzerdaten zumindest teilweise. Es gab 1886 Anfragen zu 2068 Nutzerprofilen. In 37 Prozent der Fälle wurden Informationen ausgehändigt.

In den USA liegt der Anteil der beantworteten Anfragen mit 79 Prozent deutlich höher als in den meisten anderen Ländern. Dort forderten die Behörden auch so oft wie nirgendwo sonst Informationen zu Nutzern an. Es gab 11.000 bis 12.000 Anfragen, die 20.000 bis 21.000 Profile betrafen. Die Internetkonzerne müssen diese Zahlen in einer solchen Spanne nennen, um dem NSA-Gesetz FISA gerecht zu werden.

Viertmeiste Behördenbitten aus Deutschland

Viele Anfragen gibt es den neuen Statistiken zufolge auch aus Indien (3245) und Großbritannien (1975). Dann folgt Deutschland. Ähnlich viele Anfragen gibt es noch in Italien (1705) und Frankreich (1547). Die restlichen aufgeführten Länder meldeten sich in dreistelliger Fallzahl oder seltener bei Facebook.

Der Transparenzbericht war in den ersten Stunden nur für eingeloggte Facebooknutzer einsehbar. Ein Facebook-Techniker sprach von einem Versehen.

Facebook hatte kurz nach den von Edward Snowden ausgelösten Enthüllungen erste Zahlen veröffentlicht, die sich auf das zweite Halbjahr 2012 bezogen. Damals sprach Facebook von 9000 bis 10.000 Anträgen, die 18.000 bis 19.000 Profile betrafen. Somit hat die Zahl der staatlichen Anfragen zugenommen.

Auch andere Internetkonzerne hatten ebenfalls Statistiken dieser Art veröffentlicht. Bei Microsoft holten die Behörden nach Konzernangaben im zweiten Halbjahr 2012 Einkünfte zu rund 31.000 Kundenadressen ein. Apple nannte Zahlen für den Zeitraum vom 1. Dezember 2012 bis 31. Mai 2013: Demnach stellten Ämter aller Staatsebenen zwischen 4000 und 5000 Anträge.

Ein US-Gericht hat gerade entschieden, dass Internetkonzerne nicht über gewisse NSA-Anfragen reden dürfen. Eigentlich wollte das Gericht auch den Namen des klagenden Konzerns schwärzen, denn schon alleine diese Nennung könnte die nationale Sicherheit gefährden. Dummerweise vergaß das Gericht jedoch an einer Stelle, den Konzernnamen zu schwären. Dort steht: Google.