Selbstbewusste Töne aus Peking: Chinas Internet-Suchmaschine will Google bald weltweit abhängen. Die US-Firma überlegt derweil, in dem Land zu bleiben.
Unterstützung von der chinesischen Zensurbehörde kann der Internetkonzern Google bei der Suche nach Spionen im eigenen Haus offenbar nicht erwarten. Zumindest werden seit einigen Tagen Internetseiten geblockt, die sich mit dem delikaten Fall befassen.
Bild vergrößern
Baidu-Logo auf einer Messe in Peking: Große Pläne im Falle des Google-Ausstiegs (© Foto: AP)
Anzeige
Die Zensoren sperren Seiten, auf denen über die Aussage eines vermeintlichen Mitarbeiters von Google China diskutiert wird. Die Person beschuldigt chinesische Behörden, einen ehemaligen Staatsdiener bei Google China eingeschleust zu haben. Der Maulwurf soll Daten ausspioniert und weitergeleitet haben, mit deren Hilfe die Email-Konten von Google-Kunden geknackt werden konnten.
Zwei weitere Google-Mitarbeiter soll der Spion zur Weitergabe geheimer Daten überredet und ihnen jeweils eine Million Yuan, rund 100.000 Euro, dafür gezahlt haben. Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen ist zunächst einmal nicht nachzuprüfen. Doch offenbar hat sich Google tatsächlich auf die Suche nach einer undichten Stelle in den eigenen Reihen gemacht, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Maulwurf-Suche als PR-Strategie?
Mancher aber glaubt, dass die Suche nach einem Maulwurf lediglich eine PR-Strategie von Google sei, um einen halbwegs eleganten Weg zu finden, seine Geschäfte in China doch fortzusetzen. "Mit der Strategie, die Schuld nun in den eigenen Reihen zu suchen, will Google die Angelegenheit etwas abkühlen", sagte Li Zhi von der Technologie-Beratung Analyst International in Peking der chinesischen Tageszeitung Global Times.
Tatsächlich hatte Google am Wochenende Berichte dementiert, nach denen die Entscheidung für den Rückzug bereits gefallen sei. Zuvor hatte der Konzern gemutmaßt, die chinesische Regierung könnte hinter Hacker-Angriffen auf das Unternehmen stehen. Außerdem hatte Google angekündigt, die Zensur der eigenen Internetseiten durch die Kommunistische Partei nicht länger hinzunehmen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Eurovision Song Contest
Zitat: "Weltmarktführer Google sei nicht mehr als Staffage bei Baidus Aufstieg, prahlte Li bei der Feier mit seinen Angestellten."
Es liegt noch ein weiter Weg vor Baidu um außerhalb von China ernstgenommen zu werden.
Transparente Bilanz ? Fehlanzeige. Allein die wenigen verfügbaren Daten deuten auf ein doppelt so hohes KGV hin wie bei Google bei einem (vielleicht höheren) Wachstum, dessen tatsächliche Höhe nicht prüfbar ist.
Daß man mit der vergleichsweise primitiven Technik innerhalb Chinas punkten kann, glaube ich nur bedingt. Spätestens in 5 Jahren werden den Chinesen die Kosten davonlaufen. Denn die Chinesen haben einen großen Vorteil: Ausweichen auf billigere Arbeitskräfte dürfte unmöglich sein.
dass Baidu für Google im Rest der Welt auch nur eine Spur von Chancen hat.
Diese Company hat nur Möglichkeiten in dem besonderen Biotop, das dieser derzeit extrem-autokratische Staat China der Suchmaschine bietet. Und auch in China selbst, wie man sehen konnte, sind die meisten halbwegs gebildeten und in technischen Berufen tätigen Menschen nicht bereit, sich Baidu und damit dem Staat blindlings auszuliefern.
Umso weniger darf man erwarten, dass sich die doch weitgehend westlich und freiheitlich orientierten Nutzer der Restwelt sich einer noch schlimmeren Datenkrake aussetzen. Google wird ja schon zurecht kritisiert, dass es keine öffentlich institutionalisierten und demokratisch bevollmächtigen Wächter über den Datenbestand gibt. Um wie vieles schlimmer ist dann so etwas wie Baidu?
"Wir machen keine Konkurrenz; wir machen Krieg. Und im Krieg ist jedes Mittel recht" (Bo Xilai, chinesischer Handelsminister, Frühjahr 2008).
Baidu ist gar nicht übel, da kann man sogar nach MP3-Dateien aller Art suchen und direkt runterladen, die Horrorvorstellung "des Westens". Leider braucht man dafür eine chinesische IP-Adresse, aber dafür gibts ja Proxyserver...
noch gestern sprach man von der "Datenkrake Google" jetzt stehen die plötzlich mit blütenreiner Weste da weil ein "schlimmerer" da ist?
Gott weiss die chinesen sind nicht das Musterbeispiel "demokratischer" Werte. Das könnte natürlich daran liegen, dass Sie keine Demokratie sind aber wer weiss das schon.
Reissen wir ruhig alle Brücken nach Osten ein! unser moralisch "korrekter" "Big Brother" im Westen passt ja schliesslich auf uns auf!
Ich persönlich hätte nichts gegen einen starken Google Konkurrenten aus dem Osten. Hiesige versuche sind bestenfalls jämmerlich (siehe BING = But its not good).
Paging