Steve Jobs' später Triumph Adobe lässt mobiles Flash abstürzen

Überraschung bei Adobe: Die Software-Firma will ihr Multimedia-Programm Flash künftig nicht mehr für Smartphones und Tablets anbieten. Apple-Gründer Steve Jobs hatte lange gegen das Format gekämpft - das nun von einem vielversprechenden Webstandard abgelöst wird.

Steve Jobs hat nochmal was zu lachen", twitterte der Australier David Higgins. "Adobe gibt die Entwicklung von Flash für mobile Geräte auf."

Der kürzlich verstorbene Apple-Chef hatte im April 2010 erklärt, warum er die Multimedia-Technik von Adobe nicht aufs iPad bringen will: Flash verkörpere die Vergangenheit der PC-Welt und sei nicht geeignet für die mobile Zukunft. Lange hat sich Adobe gegen diese Sicht gewehrt, hat den Flash Player zur Darstellung von Video und Grafik auf Smartphones und Tablet-Computern mit viel Aufwand weiterentwickelt.

Die Apple-Konkurrenz nutzte die Unterstützung von Flash auf ihren mobilen Geräten mit dem Google-System Android zur Werbung in eigener Sache. Dieser Vorteil fällt künftig weg. Allerdings berichten viele Nutzer, dass Flash auch auf Android-Smartphones regelmäßig Probleme bereite.

Hauptkritikpunkte: Animationen und Videos werden nur ruckelig dargestellt, und der Akku ist bei Flash-Nutzung schneller leer. "Flash ist einfach sehr datenhungrig und absturzgefährdet", sagt der Mobilfunkexperte Mark Wächter, Vorsitzender der Fachgruppe Mobile im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) und Mitbegründer der Organisation Mobile Monday.

HTML 5 besiegte Adobes Multimedia-System

Aber weder diese Probleme noch Steve Jobs haben letztlich Flash auf mobilen Geräten gestoppt. Vielmehr sind es die umfangreichen Multimedia-Möglichkeiten des neuen Web-Standards HTML5, die eindrucksvoll demonstrieren, dass es auch ohne Flash geht. Und das heißt, auch ohne umständliche Abspielsoftware und Browser-Plugins. HTML5 ist zudem ein völlig offener Standard und damit anders als Flash frei von kommerziellen Vorgaben einer einzelnen Firma.

Adobe setzt ebenfalls seit einiger Zeit verstärkt auf HTML5. Bei Anwendungen für mobile Geräte ist Flash zudem in der Software-Technik Air enthalten. Die dafür entwickelten Anwendungen sind sehr viel schlanker. Sie lassen sich wie die oft genutzte Twitter-Software TweetDeck auf Rechnern mit unterschiedlichen Betriebssystemen ebenso nutzen wie auf Smartphones.

Daneben will sich Adobe künftig darauf konzentrieren, Flash als Plattform für Video und Computerspiele zur Nutzung auf dem PC auszubauen. Bei der Einbindung von Videos in Webseiten gibt es mit HTML5 noch Probleme, weil sich die Hersteller der Browser bislang nicht auf einen einheitlichen Codec einigen konnten - das ist die Software, die den Datenfluss interpretiert und in Video- und Audiosignale umwandelt.

Wie geht es weiter?

Auch bei der Einbindung von Daten aus einer Webcam oder einem Mikrofon ist Flash den HTML-Möglichkeiten noch überlegen. Adobe erzielt mit seinen Programmen für die Erstellung von Web-Inhalten aller Art einen erklecklichen Teil seines Umsatzes von zuletzt einer Milliarde Dollar im Quartal.

Diese in dem Paket Creative Suite gebündelten Programme, darunter Flash und die Webdesign-Software Dreamweaver, sind in ihren aktuellen Versionen bereits zunehmend auf Air und HTML5 ausgerichtet.

Wie geht es weiter mit Flash, das 1997 von der Firma Macromedia entwickelt und 2005 von Adobe übernommen wurde? "Im Moment sieht es nicht so aus, als ob das eine besonders langfristige Zukunft hat", sagt der Web-Entwickler und Buchautor Peter Kröner. "Wenn HTML5 aus den Kinderkrankheiten raus ist, dann wird es für Flash auch auf den stationären Geräten schwierig."

Das Ende des mobilen Flash geht auch mit dem Verlust von Arbeitsplätzen einher: Adobe hat angekündigt, 150 Stellen zu streichen.