Smartphones Das Ende der Sim-Karte ist nah

Mini-Sim, Micro-Sim, Nano-Sim - die Sim-Karte ist immer kleiner geworden, nun verschwindet sie ganz.

(Foto: AFP)

Stattdessen soll eine fest verbaute "eSim" Geräte mit dem Netz verbinden. Die erste Smartwatch damit ist schon auf dem Markt.

Von Varinia Bernau

Wer ein iPhone in Betrieb nehmen möchte, muss fast so viel Fingerfertigkeit beweisen wie beim Origami: Es gilt zunächst, die Sim-Karte aus einem Plastikrahmen zu brechen. Dann muss man mit einer auseinandergebogenen Büroklammer an der Seite des Smartphones herumstochern, bis sich eine kleine Schublade löst, und in die muss man schließlich den Funkchip friemeln. Diese Bastelei wird bald nicht mehr nötig sein. Denn die klassische Sim-Karte, die in den vergangenen Jahren schon sehr geschrumpft ist, verschwindet nun ganz und gar.

An diesem Freitag beginnt Vodafone in Deutschland mit dem Verkauf des ersten Gerätes, das ohne den austauschbaren Chip funkt. Es ist eine Armbanduhr von Samsung, mit der man wie mit einem Smartphone ins Netz gehen und auch Gespräche führen kann. Im April wird sie zudem bei O2 zu haben sein. Die Deutsche Telekom dürfte in den nächsten Wochen ebenfalls nachziehen. Sie alle ersetzen die alte Sim-Karte durch die eSim. Das kleine E steht für embedded, zu Deutsch: eingeschlossen. Der neue Funkchip ist fest verbaut. Zunächst nur in der internetfähigen Uhr, aber bald auch in anderen Geräten und Mobiltelefonen.

eSim als "Schlüssel für das Internet der Dinge"

Die eSim lässt sich aus der Ferne steuern. Um sie zu aktivieren, muss man beispielsweise einen mit dem neuen Gerät gelieferten Code einscannen. Für Hannes Ametsreiter, der bei Vodafone das deutsche Geschäft führt, ist die eSim "der Schlüssel für das Internet der Dinge". In einer Welt, in der nicht mehr nur das Handy ins Netz geht, sondern auch das Fitnessarmband, die Rollläden und das Auto dies tun, wäre selbst der fingerfertigste Kunde mit dem Einsetzen der Chips überfordert.

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Wenn die Hersteller diesen einbauen, haben sie mehr Spielraum bei der Gestaltung der Geräte - etwa um sie mit besseren Batterien auszustatten. Auch Kleidung ließe sich dann vernetzen: Der Funkchip wird verwebt und kann, wenn er einen schwachen Puls misst, den Arzt alarmieren. Experten schätzen, dass die Deutschen bis 2020 etwa 100 Millionen vernetzte Geräte nutzen - Smartphones und Tablets sind da nicht mitgerechnet.

Unternehmen müssen sich noch auf einheitliche Standards einigen

Damit die von Samsung gefertigte schlaue Armbanduhr mit dem Kühlschrank des Konkurrenten kommunizieren kann, wollen sich die verschiedenen Unternehmen bis zum Sommer auf einen einheitlichen Standard verständigen. Er soll die technischen Voraussetzungen dafür schaffen, dass Verbraucher einfacher den Anbieter wechseln können: Auf einer eSim lassen sich die Profile mehrerer Mobilfunkfirmen hinterlegen, sodass man auf einem Handy zum Beispiel eine dienstliche und eine private Nummer nutzen kann. Auch die Geräte und all die darauf laufenden Apps von der Steuerung des Stromverbrauchs bis hin zum Streamingdienst ließen sich leichter austauschen. Ein paar Klicks sollen genügen.

Doch was theoretisch möglich ist, muss nun erst seinen Wert in der Praxis beweisen. Dabei sind noch wichtige Fragen offen: Wie leicht kann man bei einer Reise ins Ausland einen dortigen Netzanbieter auf seine eSim buchen? Werden große Firmen womöglich gar den fest verbauten Chip nutzen, um kleinere zu blockieren? Und wer schützt einen Chip, der sich aus der Ferne steuern lässt, am wirksamsten vor Hackern?

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