Smartphone Nokia 8: Rückkehr in die Oberklasse

Das neue Nokia 8 kommt in zwei Ausführungen: glänzend (Blau und Kupfer) oder matt (Blau und Grau).

(Foto: REUTERS)

Die wiederauferstandene Marke hat nun ein Premium-Modell. Hersteller HMD lässt Zeiss-Kameralinsen auf Vorder- und Rückseite gleichzeitig streamen und erfindet ein hipsteriges Wort, das das neue "Selfie" werden soll.

Von Marvin Strathmann, Hamburg

Wo Nokia draufsteht, ist schon lange nicht mehr klassisches Nokia drin. Erst hat Microsoft das Unternehmen gekauft, nun stellt das Unternehmen HMD Handys mit dem Nokia-Logo her. Nach dem Nokia 3310 für Nostalgiker und den Mittelklasse-Handys Nokia 3, 5 und 6 hat HMD nun das nächste Gerät vorgestellt, für Kunden mit etwas mehr Geld: das Nokia 8. Für sie hat das Unternehmen ein schönes Smartphone gebaut, das sich vor allem mit seiner Kamera von der Konkurrenz absetzen will. Mit dem Nokia 8 muss sich HMD nicht vor den anderen Herstellern verstecken. Aber Samsung- oder Apple-Kunden werden wohl kaum zu Nokia zurückkehren, um einen neuen Selfie-Modus zu testen.

Im Nokia 8 steckt, was man von einem Oberklasse-Smartphone erwartet: Der Snapdragon-835-Prozessor läuft mit acht Kernen, von denen vier mit 2,5 Gigahertz takten, die anderen vier mit 1,8 Gigahertz. Der Arbeitsspeicher fällt mit vier Gigabyte recht groß aus, der interne Speicher kommt auf 64 Gigabyte. Zusätzlich lässt HMD Platz für eine Micro-SD-Karte, die nochmal bis zu 128 Gigabyte Speicherplatz bringen kann.

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HMD ist nicht auf den aktuellen Smartphone-Trend aufgesprungen, Smartphones mit fast randlosem Display zu bauen. Der 5,3-Zoll-Bildschirm mit 2560 mal 1440 Pixel wird oben und unten von zwei dicken schwarzen Balken eingefasst, ein Button an der Vorderseite erkennt Fingerabdrücke, um das Gerät zu entsperren. Das Aluminiumgehäuse liegt sehr gut in der Hand. Mit seinen 160 Gramm fühlt es sich erstaunlich leicht an für ein 151 mal 73 Millimeter großes Smartphone. Es ist allerdings auch nur knapp acht Millimeter dick.

Drei Linsen von Zeiss

Optisch will HMD sich mit der Kamera von der Konkurrenz absetzen: Die kommt nämlich vom deutschen Optik-Hersteller Zeiss und hat einen Bildstabilisator. Auf der Rückseite fotografieren zwei Linsen mit jeweils 13 Megapixel, die Frontkamera schießt Selfies mit ebenfalls 13 Megapixel. Die Kooperation mit Zeiss ist eine Art Revival: Schön früher, als Nokia-Smartphones noch tatsächlich vom finnischen Nokia gebaut wurden statt von irgendwem, stellte Zeiss die Kameras her.

Aber was stellt der Nokia-Besitzer mit den Zeiss-Linsen an? HMD möchte, dass Front- und Hauptkamera gleichzeitig laufen, damit Nutzer ihr Gesicht über die Frontkamera aufzeichnen, während sie ein Video über die Hauptkamera filmen. Die beiden Videos stehen dann nebeneinander wie bei einem Splitscreen und sollen direkt auf Youtube und Facebook gestreamt werden. Ein Beispiel: Filmt der Nutzer einen Sonnenuntergang, soll er sein Gesicht, und damit seine Reaktion, direkt gleich mit einfangen.

Der Bothie-Modus

Ganz neu ist das nicht, Samsung-Nutzer können schon einen speziellen Modus herunterladen und damit beide Kameras gleichzeitig verwenden. Livestreamen wie mit dem Nokia 8 ging damit allerdings nicht. Für diese Funktion hat HMD zwei Wörter gefunden: Das eher technische "Dual-Sight-Video" und das gezwungen hipsterische "Bothie" - eine Kombination aus Selfie und both, Englisch für beide, schließlich werden beide Kameras genutzt. Die Chance ist allerdings eher gering, dass sich Menschen auf Partys bald mit "Hey, schönes Bothie" begrüßen und der Duden das Wort irgendwann in sein Wörterbuch aufnimmt, wie im Fall "Selfie" geschehen. Allein das "th" dürfte zu viele abschrecken.

So sieht ein "Bothie" aus.

(Foto: HMD)

In einem kurzen Test funktionierte die Splitscreen-Funktion recht gut. Zwar dauert es ein wenig, bis man den passenden Winkel und die richtige Haltung für schöne Aufnahmen gefunden hat, aber wer sein eigenes Gesicht mag, wird damit seine Freude haben. Unterwegs kann es teuer werden: Da zwei Videos verarbeitet werden, fallen mehr mobile Daten an als bei einem einzelnen Video. Wer über Wlan streamt, kann ruhigen Gewissens die 4K-Auflösung wählen.

Neben der Kamera lobt HMD die Audiofähigkeiten des Geräts, da es mit drei Mikrofonen eine Rundumaufnahme erzeugen soll. Das Verfahren soll vor allem bei 360-Grad-Videos den Klang natürlicher wiedergeben, als wäre der Zuschauer dabei gewesen. Eigentlich werden zum Abspielen spezielle Geräte benötigt, aber der Effekt ist auch mit normalen Kopfhörern zu bemerken.

Auf ein extra angepasstes Betriebssystem hat HMD verzichtet, das Smartphone kommt mit der Standard-Version des Betriebssystems von Google. Das spart nicht nur dem Hersteller Kosten, die Nutzer werden auch von nervigen Apps verschont, die sie nicht verwenden möchten und nicht deinstallieren können (sogenannter Bloatware). Auf dem Nokia 8 läuft die neueste Android-Version 7.1.1, und HMD kann die monatlichen Sicherheitsupdates von Google direkt an die Käufer weitergeben, schließlich müssen sie dafür nichts am Betriebssystem ändern.

Das Nokia 8 ist ab Anfang September in Deutschland erhältlich und soll knapp 580 Euro kosten. Es kommt in glänzend (Blau und Kupfer) oder matt (Blau und Grau) in den Verkauf.

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