Smartphone-Markt: Microsoft und RIM Kann RIM die Firmenkunden halten?

Die kleinen Verbesserungen können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das neue Blackberry einen Haken hat: Das Update des Betriebssystems ist wohl eines der letzten - langfristig werden Blackberry-Smartphones das QNX-System nutzen. Dieses wurde für das jüngst veröffentlichte Playbook-Tablet entwickelt und soll beispielsweise zukünftig auch Flash-Inhalte darstellen. Gerüchten zufolge kann es zumindest beim Playbook künftig auch Android-Apps ausführen.

Der neue Blackberry Bold 9900 mit schlankerem, aber bekanntem Design. Im Inneren steckt das neue Blackberry OS 7 und ein zukunftsfähiger NFC-Chip.

(Foto: via Bloomberg)

Eine Aufrüstung der aktuellen Blackberrys auf QNX wird allerdings nicht möglich sein. Käufer dürften sich also durchaus überlegen, ob sie mit der Anschaffung eines neuen RIM-Smartphones warten. Kritiker bemängeln, dass das neue Blackberry 7 ein Schattendasein fristen könnte und RIM weiter den Anschluss zu Android und Apples iOS verlieren wird.

Die Sorge, dass Käufer auf andere Betriebssysteme ausweichen, ist berechtigt. RIM gab letzten Freitag eine deutliche Gewinnwarnung aus. Und die Zahlen zeigen, dass in den USA Kunden lieber ein neues Smartphone mit Android Betriebssystem kaufen.

RIM hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Jahren 150 Millionen Blackberrys verkauft, 15 Millionen davon im vergangenen Quartal. Zum Vergleich: Nokia verkauft pro Quartal mehr als 100 Millionen Geräte, Apple im ersten Quartal des Jahres 8,5 Millionen iPhones.

Weil Apple allerdings auch mit anderen Produkten erfolgreich ist und zudem mit iTunes ein eigenes Ökosystem an seine Hardware gekoppelt hat, will RIM seinen Geschäftskundenbestand mit allen Mitteln verteidigen: Zukünftig möchte das Unternehmen eine plattformübergreifende Lösung für Firmen anbieten, um mobile Endgeräte unabhängig ob iOS, Android oder Blackberry OS verwalten und absichern zu können. Dazu hat RIM die Münchner Firma Ubitexx gekauft, die bereits jetzt eine übergreifende Lösung für Apple und Google Smartphones anbietet.

Verkaufsargument entzogen

Bald könnten dann System-Administratoren mit RIMs Serversoftware die verschiedenen Endgeräte in der Firma verwalten, aus der Ferne steuern und gegebenenfalls sperren und löschen, zum Beispiel im Falle eines Verlustes. Zwar werden einige Funktionen der Software weiterhin nur auf Blackberrys funktionieren, der Trend scheint jedoch klar.

Das Blackberry Bold 9900 dürfte deshalb ebensowenig als Retter taugen wie die Integration von Microsoft-Diensten. Entscheidend wird sein, ob Geschäftskunden dem guten, wenn auch durch diverse Zugeständnisse an Ermittlungsbehörden angegriffenen Ruf vertrauen, den RIM hinsichtlich der Kommunikationssicherheit genießt - und mögliche Produkte auch plattformübergreifend kaufen.

Auf der Hardware-Seite wird der Erfolg des QNX Systems über Wohl und Wehe des Unternehmens entscheiden. So bleibt die Frage, ob den im Sommer erscheinenden Geräten mit dem alten Betriebssytem bereits jetzt ein Hauptverkaufsargument entzogen wurde.