Putzroboter im Test Flüsterleiser Wischhelfer

Nie wieder selber putzen? Der Bravaa von iRobot.

Nie wieder Boden wischen, das verspricht der Putzroboter Bravaa. Doch schafft er auch übergroße Krümel und angetrocknete Flecken? Und wie sieht das Ergebnis in den Ecken aus? Ein Test.

Von Thorsten Riedl

Fleißige Leser des Digital-Ressorts von Süddeutsche.de wissen: Im Sommer vergangenen Jahres haben wir Nachwuchs bekommen - ziemlich kränklichen leider. Der Wischroboter, den wir RenéTrois getauft haben, im Handel als Scooba 390 bekannt, hatte ziemlich schnell Macken. Zweimal tauschte der Händler das Gerät komplett, der Dritte hat bis vor kurzem seinen Dienst getan. Vor wenigen Wochen rutschten die Räder nur noch im Putzwasser, jetzt hat auch noch die Pumpe ihren Dienst eingestellt. Das Gerät geht nun den Weg aller irdischen Gadgets. Nach der Reparatur wird es verkauft. Dem neuen Besitzer mehr Fortune. Und bei uns: Zeit für was Neues.

Wer einen Saugroboter sucht, findet eine große Auswahl: vom 20-Euro-Mopp, der ziellos mit einem Staubtuch durch die Gegend rollt, bis zur 1000-Euro-High-Tech-Maschine. Für jeden Geschmack und Geldbeutel gibt es die automatisierte Alternative zum Staubsaugen in den eigenen vier Wänden. Bei Wischrobotern ist das Angebot überschaubarer. Ziemlich schnell landet man wieder bei iRobot, dem US-Hersteller, der mit den Roomba-Geräten bei Saugrobotern führt. Von iRobot kommt zwar auch unser Scooba 390, trotzdem wischt seit einigen Tagen ein Braava bei uns. Zu seiner und unserer Entschuldigung: Dieses Gerät haben die Ingenieure von iRobot nicht selbst entwickelt. Die US-Gesellschaft hat den kleineren Rivalen Evolution Robotics im Herbst vergangenen Jahres gekauft und die Geräte von Mint kurzerhand in Braava umgetauft. Das gibt uns Hoffnung auf längeres Zusammenleben.

Dass unser Braava andere Väter hatte, merkt man ihm sofort an: Während alle Saug- und Wischroboter von iRobot rund sind, hat der Braava Kanten. RenéTrois, unserem Wischroboter, hat die runde Form stets als Ausrede gedient, Ecken auszulassen. Seine Schwester RenaDeux tut schon seit Jahren ihren Dienst bei uns. Sie hat wohl mehrere Tonnen Staub aufgenommen und sich so gerade einen lebensverlängernden, neuen Akku verdient. RenaDeux hat kleine Seitenbürsten, die sie trotz runder Form auch Ecken auskehren lässt. Der neue Braava - Kosename noch offen, vielleicht RenéQuatre? - macht Schluss mit solchen Kompromissen: Er kommt in den hintersten Bereich. Zudem ist er leichter als ein Scooba und kompakter. Mit einem Griff an der Rückseite lässt er sich von Raum zu Raum tragen.

Mit brachialer Gewalt

Auch in der Reinigungsweise unterscheidet sich der Braava grundlegend vom Scooba. Saugroboter Roomba und Wischmaschine Scooba gehen die Sache eher chaotisch, ziemlich laut und mit brachialer Gewalt an. Sensoren halten beide davon ab, Möbel auf ihrer Reinigungstour zu zerstören - die funktionieren allerdings umso schlechter je dunkler das Mobiliar. Den Raum fahren die Roboter ohne erkennbare Systematik ab, kreuz und quer. Dabei erreichen sie erstaunlicherweise trotzdem jede Stelle (bis eben auf die Ecken). Der Braava denkt erst nach, bevor er loswischt, drei kleine Leuchten auf der Oberseite leuchten dann lustig auf: Diese Roboter werden zur Orientierung mit "Indoor-GPS" ausgeliefert, so nennt es der Hersteller. Hat mit Satelliten-Navigation trotzdem nichts zu tun.

Das Braava-GPS hat die Form eines kleinen Würfels, der möglichst in die Mitte des Raumes gestellt wird. Der Wischroboter erhält vom GPS-Würfel ein Signal, so dass er stets um seine Position im Zimmer weiß. Die Leuchten zeigen, wie gut das Signal empfangen wird. Das Zimmer-Navi führt zu einer äußerst systematischen Reinigung, die RenaDeux und RenéTrois vor Neid erblassen lassen. Der Braava fährt jede Stelle des Raumes genau einmal ab. Im Wischmodus fährt er vor nach links, zurück, vor nach rechts und weiter. Er erkennt Ecken und Kanten und reinigt auch hier. Dabei geht es der Braava einfacher an als der Scooba. Während der ältere Bruder in einem vierstufigen Arbeitsprozess saugt, feucht wischt, Flecken wegrubbelt und trocknet - belässt es der Jüngere beim Wischen. Erstaunlicherweise ist das Ergebnis nicht viel schlechter. Genau wie der Scooba hat der Braava Probleme mit übergroßen Krümeln ebenso wie mit angetrockneten Flecken. Ansonsten wird es so sauber, wie es bei einmal durchwischen werden kann.

Der Braava 320 schafft bis zu 75 Quadratmeter, der größere und teurere 380 bis zu 185. Die Luxusvariante hat einen Wasserbehälter am Reinigungspad, bei der kleineren wird nur ein feuchtes Mikrofaser-Wischtuch eingehängt und ab geht es. Ein trockenes Tuch ist ebenso im Lieferumfang. Auch handelsübliche Tücher zum Wischen lassen sich einklemmen, etwa die von Swiffer. Eine Dockingstation, in der das Gerät wie ein Roomba am Ende automatisch zurückfährt, fehlt leider.

Ohne weiter zu stören

Der neue Wischroboter ist viel langsamer als Roomba und Scooba - macht das aber mit einem entscheidenden Vorteil mehr als wett: Er wischt auf Flüstersohlen. Bei der Angabe einer Lautstärke in Dezibel hat mich schon einmal ein Leser erwischt, dass ich wenig bis keine Ahnung von Physik habe: Deshalb dieses Mal ein Vergleich aus dem wirklichen Leben. Der Braava ist so leise wie eine Nähmaschine - und zwar eine der ruhigen Art. Während die älteren Roboter-Brüder und Schwestern der Ohren zuliebe am besten dann saubermachen, sobald Frauchen oder Herrchen das Haus verlassen haben, tut es der Braava am liebsten in Gesellschaft. Fernsehschauen etwa ist kein Problem. Im Gegenteil: Der kleine Wischroboter schaut auf seinen Runden immer mal vorbei, ob was Spannendes läuft. Ohne weiter zu stören.

Trotz aller Begeisterung: Roomba, Scooba und Braava haben nicht nur den Doppelvokal gemein sondern auch ein Problem. Sie sind gut - aber eben nicht bis ins letzte Detail. Staub- und Wischroboter leisten ihre Dienste am besten im Duo: erst ein Roomba, dann ein Scooba oder Braava. Das ist gut für das Geschäft von iRobot, erhöht aber den Anschaffungspreis für beide Geräte auf mindestens 500 Euro. Staubsaugen machen sie so überflüssig, selber durchwischen leider noch immer nicht. Allerdings ist weniger Einsatz mit dem Putzeimer vonnöten. Und schließlich muss es ja Raum für Innovationen geben - Platz für eine RenaCinque beispielsweise, dann gerne mal von einem anderen Anbieter.