Neuer Putzroboter im Test Feucht verwischt

Lästige Hausarbeit erledigen mittlerweile Maschinen mit den Vorsilben "Wasch" und "Spül". Und auch Staubsaugen muss kein Mensch mehr, dafür gibt es recht fähige Roboter. Ein neuer Apparat soll jetzt auch feucht wischen können. Doch dieser hohen Kunst scheinen Maschinen nicht gewachsen zu sein.

Von Thorsten Riedl

Der Scooba 230 und der Roomba 780 in ihrer natürlichen Umgebung

(Foto: iRobot)

RenaDeux hat seit kurzem einen Bruder - leihweise nur. RenaDeux, so haben wir unseren Saugroboter genannt. Eigentlich heißt sie, also er, Roomba 563 PET. Kein Wunder also, dass wir uns für einen familientauglichen Namen entschieden haben. Ein Blick auf die Rezensionen bei Amazon zeigt, dass wir damit nicht allein sind. Die Geräte dort heißen "Wall.E", "Larry" oder natürlich "Robby".

Wir haben unseren Namen in Anlehnung an unsere damalige Putzfrau gewählt. Ein Kollege hat gleich gemutmaßt, dass wir menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzen. Schließlich hat RenaDeux dafür gesorgt, dass die Putzdame weniger kommen musste, so dass sich der Roboter im betriebswirtschaftlichen Sinne innerhalb von weniger als einem Jahr amortisiert hat. Inzwischen saugt er quasi umsonst. Nun im Hochlohnland Schweiz angekommen, sind wir doppelt dankbar.

Das schlechte Gewissen hält sich in Grenzen. Zum einen nutzen wir - und ich bin da ganz offen - auch Wasch- oder Spülmaschine, um die Hausarbeit zu erleichtern. Zum anderen muss ich selbst damit rechnen, bald durch Maschinen überflüssig zu werden. Die ersten Schreibroboter tun schon ihren Dienst.

Der Bruder von RenaDeux hat ursprünglich auch eine eher technische Bezeichnung: Scooba 390. Wie langweilig. Einen eigenen Namen haben wir trotzdem noch nicht gefunden. Vielleicht RenéTrois? Wie gesagt, er wohnt nur übergangsweise bei uns und hat eine Besonderheit: Er saugt nicht. Er putzt.

Saugen, feucht wischen, Flecken wegrubbeln, dann trocknen

Das ist bemerkenswert, denn Saugen ist eine monotone Tätigkeit mit einer Arbeitsstufe, saugen eben. Die hohe Kunst des Putzens dagegen verlangt einiges mehr von der Maschine: im Idealfall erstmal saugen, feucht wischen, Flecken wegrubbeln, dann trocknen - womit wir bei einem vierstufigen Arbeitsprozess wären. Für viele Menschen stellt das kein Problem da, für einen Roboter ist das nicht trivial, allein schon, weil ihm die Sehkraft fehlt. Von Händen, Beinen oder Komplexerem wie einem Orientierungssinn ganz zu schweigen.

Der Traum von einer solchen Maschine ist uralt, wie in dieser Liste die siebte Illustration eines französischen Visionärs aus dem Jahr 1900 zeigt. Bei Träumen wie den fliegenden Feuerwehrmännern oder den Wal-betriebenen Bussen lag er weiter entfernt von unserer schönen, neuen Welt ...

Während die historische Putzhilfe von der Dame des Hauses wohl mit einer Art Fernbedienung gesteuert wird, löst RenaDeux die Herausforderung nach einem Algorithmus, den ich auch nach mehrjähriger Benutzung noch nicht verstanden habe. Wer sich dafür interessiert, schaue sich dieses ältere Video an. Immerhin erfasst sie auf diese Weise den gesamten Raum, und das gleich mehrmals. Das ist ja das Wichtigste.

RenéTrois - bleiben wir für den Augenblick beim Arbeitsnamen - geht die Sache simpler an. Ein Mann eben. Die Anleitung empfiehlt, das Gerät in die Mitte eines Raumes zu setzen. Nach Druck auf den Knopf, der aussieht wie ein Play-Button eines Musikspielers, setzt sich der Roboter in Bewegung und zwar in konzentrischen Kreisen. Diese Kreise verfolgt er solange, bis er gestört wird, durch einen Schrank etwa, einen Stuhl oder eine Wand. Dann versucht er sich um das Hindernis herum zu bewegen, fährt die Kanten von störenden Objekten sauber ab, kommt aber leider nicht in die Ecken.

Bis in die letzte Ecke

Während die Entwickler RenaDeux mit einer kleinen Staubbürste am Rand für unzugängliche Stellen ausgestattet haben, bewegt sich der neue Putzroboter aufgrund seines Frisbee-Formates nie bis in die letzte Ecke. Schade.

Fünfmal soll der Roboter dank des Algorithmus jeden Raum durchfahren. Die zu reinigende Fläche beträgt im Idealfall 60 bis 80 Quadratmeter. Gezählt und nachgemessen habe ich beides nicht, aber weniger ist mehr. Denn schon bei kleinerer Fläche geht RenéTrois das Frischwasser aus für das Wischen. Dabei reicht ein Tank für 40 Quadratmeter. Das Dreckwasser sammelt sich in einem zweiten Behälter und hat oft eine erschreckend dunkle Farbe.

Immerhin ist RenéTrois so clever, sich nicht Treppen herabzustürzen. Die Intelligenz endet allerdings schon bei flachen Teppichen. An deren Kante bleibt RenéTrois gerne hängen und muss von Menschenhand befreit werden. Von iRobot heißt es dazu : "Das Befahren von Teppichen wird aufgrund der niedrigen Stoßfängerhöhe in der Regel verhindert." Klingt also, als sei dieses Verhalten im weiteren Sinne Absicht.

Der Einsatz des kleinen, technischen Wunderwerks ist nicht komplizierter als Anno dazumal mit Schrubber und Eimer. Zu Beginn muss Frischwasser samt Putzmittel in den Tank gefüllt werden. iRobot empfiehlt ein eigenes Putzmittel, das mit stolzen acht Euro zu Buche schlägt. Im Internet werden Alternativen diskutiert, das könnte allerdings zu Lasten der Garantie gehen, warnt der Hersteller. 45 Minuten lang putzt RenéTrois im Schnitt einen Raum. Der Akku hält gut zwei Stunden.

Von Menschenhand

Anschließend müssen die Wasserbehälter, ein Einfüllstutzen, ein Filter sowie die Bürste gereinigt werden. Unter fließendem Wasser ist das in wenigen Minuten erledigt. Alle zu reinigenden Teile sind gelb markiert. Während RenaDeux am Ende des Saugens allein zur Dockingstation findet, will RenéTrois nur von Menschenhand ans Kabel angeschlossen werden.

Ist die Raumfläche zu groß, lässt sich der Roboter mit Hilfe einer Virtual Wall, einer virtuellen Schranke eingrenzen (die einen Infrarot-Strahl nutzt, um den Roboter zu stoppen). Ein Schaukelpferd tut es aus eigener Erfahrung auch. Oder eine Reisetasche. Oder ein umgelegter Stuhl. Solche Hindernisse versperren wunderbar den Ausgang und halten den Roboter im Schmutzraum gefangen - und die Kinder draußen, besser als jede Virtual Wall übrigens. Für die Kleinen nämlich ist der Roboter mitunter ein großer Spaß.

Wie bei seiner Schwester ist auch bei RenéTrois eine der wichtigsten Fragen die nach dem Preis. Ab Werk kostet er 500 Euro. Billigere Geräte scheinen sich nicht zu rentieren, glaubt man den Anmerkungen ihrer frustrierten Besitzer, die sich überall im Internet finden. Die Saug- und Putzleistung stimme nicht oder die Geräte seien schlicht zu dumm.

Denn was hilft die günstige Maschine, wenn sie die Treppe runterfällt, nicht mehr allein zur Ladestation zurückfindet oder noch schlimmer, sich irgendwo in der Wohnung festfährt und nicht mehr ohne Hilfe herausfindet?

RenaDeux hat sich wie geschrieben bezahlt gemacht. Allerdings kommen die Saugroboter auch günstiger. Bei RenéTrois ist die Sache komplizierter. Zum einen geht es nicht ohne seine Schwester, denn Saugen ist seine Sache nicht. Ein Auffangbehälter für Schmutz ist praktisch nicht vorhanden. Also heißt es vorab Fegen oder RenaDeux einsetzen. Zum anderen ersetzt er auch die eigene oder fremde Putzleistung nicht vollständig. Dafür arbeitet er viel zu oberflächlich. Im Idealfall kann er den großen Hausputz einige Tage hinauszögern. Bei schwierigen Flecken scheitert er.

Roboter zu Pflugscharen

Neben den Preis drängt sich noch eine andere Frage ins Gewissen, auf die auch ich erst durch Zufall nach dem Kauf von RenaDeux gestoßen bin. Wer die 500 Euro für den Roomba 390 ausgibt, unterstützt damit einen Rüstungskonzern.

Die iRobots kommen nämlich aus keiner guten Familie. Die Brüder und Schwestern von RenaDeux und RenéTrois sind beispielsweise vor Einheiten der US-Navy vor Ort und erkunden die Lage, bevor die Soldaten selbst eingreifen. Oder sie helfen beim Entschärfen von Bomben, ohne dass Soldaten zu Schaden kommen. Hier gibt es ein Werbevideo des Herstellers dazu. Kann man gut finden, muss man aber nicht.

Wie bei jeder Armee lassen sich die Geräte auch für den Zivilschutz gebrauchen: Im Atomreaktor von Fukushima etwa halfen iRobots beim Aufräumen und Messen der Strahlenbelastung, ohne dass ein Mensch ins Innere der Gebäude musste.

Das 1990 als Ableger des Massachusetts Institute of Technology gegründete Unternehmen iRobots will in diesem Jahr mit militärischen Maschinen bis zu 130 Millionen Dollar verdienen, hinzu kommen laut Plan bis zu 355 Millionen Dollar durch den Einsatz zuhause.

Frieden schaffen also ohne Putzmaschinen? Roboter zu Pflugscharen?

Die Entscheidung muss wohl jeder für sich treffen. Wir jedenfalls würden RenaDeux nicht wieder hergeben. Ihr Bruder hat sich allerdings nicht als ganz so nützlich erwiesen. Auf ihn können wir verzichten.