Plötzlicher Tod von Barnaby Jack Computerszene trauert um Elite-Hacker

Geldautomaten, Goldmaschinen in Casinos, Herzschrittmacher - in all diese Systeme hat sich Barnaby Jack eingehackt. Der Neuseeländer wollte Sicherheitslücken aufzeigen, bevor andere sie missbrauchen. Die Hacker-Szene ist geschockt über den plötzlichen Tod des 35-Jährigen - in einer Woche wollte er auf einer Tech-Konferenz in Las Vegas auftreten.

Star-Hacker Barnaby Jack ist am Donnerstag in seiner Wohnung in San Francsico tot aufgefunden worden. Die Polizei geht nicht davon aus, dass es sich um ein Verbrechen handelt. Eine Autopsie soll die genaue Todesursache des 35-Jährigen aufklären.

Als sogenannter "White Hat" gehörte Jack zu den Hackern, die mit ihrem Wissen Sicherheitslücken in Computersystemen aufdecken, um den Missbrauch anderer Hacker vorzubeugen. Der gebürtige Neuseeländer war vor drei Jahren durch einen Vortrag auf der Black-Hat-Konferenz in Las Vegas bekannt und berühmt geworden: Damals demonstrierte er, wie man mit einer einfachen Bankkarte einen Geldautomat hackt und sich Unmengen von Scheinen ausgeben lassen kann. Das Video, in dem er das Sicherheitssystem des Bankautomaten überlistet, wurde über 2,6 Millionen Mal auf Youtube geklickt. Die Technik wurde als jackpotting bezeichnet.

Herzschrittmacher außer Kraft setzen

Kommende Woche wollte Jack der Weltöffentlichkeit auf der Black-Hat-Konferenz in Las Vegas zeigen, wie man einen Herzschrittmacher oder Defibrillator aus neun Metern Entfernung hacken und außer Kraft setzen könne. Über seine Erkenntnisse hatte Jack 2012 erstmals gesprochen - seitdem waren Hersteller von medizischen Geräten immer wieder dazu gezwungen worden, die Sicherheitssysteme der eingebauten Computer zu überarbeiten.

"Er war verrückt danach, Systemfehler zu finden, bevor andere Hacker die Lücken ausnutzen konnten", sagte sein Kollege Stuart McClure. Jack hat mit ihm gemeinsam beim Mikrochiphersteller Intel für das Anti-Viren-System McAfee gearbeitet.

Schock in der Szene über unerwarteten Tod

Die Szene reagierte geschockt auf den plötzlichen Tod ihres Elite-Hackers. Auf Twitter äußern sich zahlreiche Anhänger aus der ganzen Welt und sprechen ihren großen Respekt gegenüber Jacks Leistungen aus. "Barnaby gehörte zu den kreativsten und vor allem auch energischten Experten in unserem Arbeitsfeld. Seine Kenntnisse waren extrem breit gefächert", sagte der ebenfalls sehr bekannte Hacker Dan Kaminsky.

"Wir haben ihn verloren, werden ihn aber niemals vergessen, unseren geliebten Piraten", twitterte Jacks letzter Arbeitgeber, die Computersicherheitsfirma IOActive. Jacks Schwester Amberleigh bedankte sich per Tweet für die "netten Worte", mit denen Menschen aus aller Welt ihre Trauer über den Tod ihres Bruders ausgedrückt hätten.