Nextbit Robin-Smartphone: Kleine Schachtel, große Cloud

Nextbit Robin Smartphone

(Foto: Nextbit)

Das Nextbit Robin unterscheidet sich nicht nur optisch von anderen Smartphones. Vor allem hat es fast unbegrenzten Speicherplatz - in der Cloud.

Von Mirjam Hauck, Barcelona

Etwa die Hälfte der SZ-Leser betrachtet diese Zeilen auf einem Smartphone. Ein Großteil dieser Geräte dürfte abgerundete Ecken haben und in einem schwarzen, grauen oder goldenen Gehäuse stecken. 2016 schütteln Design-Liebhaber über diese Optik nur noch den Kopf.

Einer von Ihnen ist Scott Croyle. Als Designchef bei HTC hat der US-Amerikaner mit dem M7 und M8 solche runden Ecken und gebürstetes Aluminium populär gemacht - und damit auch etliche Preise gewonnen. Mittlerweile hat er mit zwei ehemaligen Google- und Motorola-Mitarbeitern das Start-up Nextbit gegründet. Zusammen haben sie ein Android-Smartphone entwickelt, das anders ist.

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"Es soll wie eine Schachtel aussehen und nicht so übertrieben wie viele Smartphones", sagt Croyle. Er empfindet das kantige Design als "ehrlich und geradeaus". Das Gehäuse gibt es in den Farben Mint und Midnight, einem tiefdunklen Blau. Croyle sagt, es sei schwierig gewesen, das Plastik hochwertig wirken zu lassen.

Nie wieder Fotos löschen

Das Gerät mit 5,2-Zoll-Display, Fingerabdruck-Sensor und 13-Megapixel-Kamera hat die Firma per Kickstarter-Kampagne finanzieren lassen. Neben der Optik hat es aber noch weitere Features, mit denen es sich von seinen Mitbewerbern abheben will. So bringt es zusätzlich zu seinen 32 Gigabyte Arbeitsspeicher eine 100 Gigabyte große Cloud mit.

Dorthin lagert das Smartphone automatisch wenig genutzte Apps aus, wenn der Speicher fast voll ist. Deren Icons verblassen dann, werden monochrom grau. Wenn der Nutzer sie aktivieren will, braucht er sie nur antippen, und sie werden wieder bunt. Die Daten werden, darauf legt Nextbit Wert, bei der Übertragung in die Cloud verschlüsselt. Gehostet wird sie bei Amazon.

Das Smartphone gibt es in den Farben Mint und Midnight.

(Foto: Nextbit)

So können Nutzer fast unbegrenzt Fotos, Videos oder Spielstände von Games speichern. "Man verpasst keinen Moment mehr und muss wichtige Erlebnisse nicht mehr schmerzhaft vom Smartphone entfernen", preist Croyle die Idee an. Die Cloud sei viel komfortabler als eine externe Speicherkarte.

Dolly? Lucy? Robin!

Das Gerät hat noch eine dritte Besonderheit: den Namen "Robin". "Wir waren gelangweilt von den ganzen Science-Fiction-Namen in der Tech-Welt - wie Galaxy oder Xperia oder Cortana", sagt der Designer. Zunächst sei "Dolly" ein Favorit gewesen, inspiriert vom Klonschaf. Dann habe man "Lucy" gut gefunden.

Aber weil Frauennamen mittlerweile vor allem mit Assistenz-Funktionen wie Siri oder Cortana in Verbindung gebracht würden, sei das Nextbit-Baby schlussendlich Robin getauft worden, sagt Croyle. "Der Name ist universell. Robin kann männlich oder weiblich sein, ein Superheld oder ein Tier."

Nextbit verkauft Robin direkt über seine Website für 399 Dollar. Das sei für Hersteller und Kunden wesentlich günstiger, als einen Händler dazwischen zu schalten. Hier will Nextbit vom chinesischen Hersteller Xiaomi lernen, der über den direkten Vertriebsweg in China binnen weniger Jahre zum Marktführer geworden ist. Xiaomi hat so im vergangenen Jahr 70 Millionen Smartphones verkauft, bei Nextbit sind es bislang 6000. Aber Croyle sieht Potenzial für viel mehr: "Wer ein 16-GB-iPhone will, ist bei uns falsch. Unsere Zielgruppe sind Leute, die viel erleben und Wert auf gutes Design legen."

Wenn der Speicherplatz knapp wird, schickt das Nextbit Robin Apps und Daten in die Cloud.

(Foto: Nextbit)