Negativpreis für Datensünder Bundeskanzleramt erhält Big Brother Award

Ein Preis für zu wenig Schutz vor Überwachung: Angela Merkel samt Mobiltelefon.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

"Für geheimdienstliche Verstrickungen": Wegen unterlassener Schutzmaßnahmen vor der NSA-Überwachung prämiert der Verein Digitalcourage in diesem Jahr das Bundeskanzleramt. Die Überraschung der diesjährigen Awardverleihung: Auch Snowden ist unter den Preisträgern.

Etwas haben das Bundeskanzleramt, das Reiseunternehmen Meinfernbus und die Elektronikfirma LG gemeinsam: Sie sind alle Preisträger des Big Brother Awards 2014, der in Bielefed verliehen wurde. Die Auszeichnung erhalten Behörden und Unternehmen, die Bürgerrechte verletzen und Datenmissbrauch betreiben. Preisstifter ist der deutsche Verein Digitalcourage, der sich seit Ende der 1980er Jahre für Datenschutz einsetzt.

In diesem Jahr geht die Auszeichnung in der Kategorie Politik an das Bundeskanzleramt - "für geheimdienstliche Verstrickungen in den NSA-Überwachungsskandal sowie unterlassene Abwehr- und Schutzmaßnahmen". Die alte und die neue Bundesregierung hätten die Bürgerrechtsverstöße von deutschen und anderen Geheimdiensten nicht abgewehrt, so die Begründung des Vereins.

Im Bereich Verkehr erhält das Unternehmen Meinfernbus den Preis, weil es Reisende verpflichtet, zusammen mit einem Online-Ticket immer auch einen amtlichen Ausweis vorzuzeigen. Eine Begründung dafür nenne Meinfernbus nicht, schreibt digitalcourage in der vorab veröffentlichten Laudatio.

Snowden bekommt von Digitalcourage den ersten Positivpreis

Den Big Brother Award für die Kategorie Wirtschaft bekam die Firma CSC (Computer Science Corporation), deren deutsche Tochter für Bundesministerien arbeite. Sie sei an Projekten wie dem elektronischen Personalausweis, der Kommunikation mit Behörden (De-Mail) und dem bundesweiten Waffenregister beteiligt. Weitere Preise wurden unter anderem in den Kategorien Technik und Verbraucherschutz vergeben.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte verleiht der Verein dieses Jahr auch einen Positiv-Preis: Die neue Auszeichnung namens "Julia und Winston Award" - benannt nach den Hauptpersonen aus George Orwells Roman "1984" - geht an den Whistleblower Edward Snowden. Der nach Russland geflohene Ex-NSA-Mitarbeiter habe Machtmissbrauch und den "frivolen Umgang" mit den Grundrechten der Bürger aufgedeckt, hieß es in der Laudatio. Snowden hatte zahllose Datensätze der NSA öffentlich gemacht. Dotiert ist der Preis mit einer Million - allerdings nicht Euro, sondern Aufklebern, auf denen Asyl für Snowden gefordert wird und die in ganz Deutschland verteilt werden sollen.

Die Big Brother Awards gibt es seit dem Jahr 2000. Vorherige Preisträger waren Google, Facebook und Apple, das sogenannte Cloud-Computing und die Post. Der Verein, der früher Foebud hieß, war 2008 mit der angesehenen Theodor-Heuss-Medaille für vorbildhaftes demokratisches Engagement geehrt worden.