Keine Chance für die Menschen: Beim Gameshow-Duell mit zwei "Jeopardy"-Superhirnen dominiert der IBM-Rechner Watson nach Belieben. Doch Kritiker bemängeln, dass er von einem unschlagbaren Startvorteil profitiert.
Am Anfang ließ es Watson noch ruhig angehen: Der Superrechner, der bei der US-Quizsendung Jeopardy gegen zwei Quiz-Experten antritt, lag während der ersten Folge mit einem der menschlichen Konkurrenten gleich auf, ja gab sogar falsche Antworten.
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Mensch gegen Maschine: – Watson gewinnt (© reuters)
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Die Menschheit schöpfte Hoffnung: Die Raterunde war zum Duell zwischen menschlicher Intelligenz und künstlicher Intelligenz erklärt worden, wie Mitte der Neunziger die Schachpartien zwischen Weltmeister Gari Kasparow und dem Supercomputer Deep Blue. Anders als Deep Blue, der einfach Züge im Voraus berechnete, muss Watson bei Jeopardy um die Ecke "denken" und Fragen auf komplex formulierte Antworten finden.
Dass er das besser als seine menschlichen Kontrahenten kann, zeigte der Rechner allerdings bereits bei der zweiten von drei Jeopardy-Shows am Dienstag. Als die Zuschauer den menschlichen Konkurrenten noch beim Grübeln zusehen konnten, hatte Watson meist schon die Lösung parat. 35.754 Dollar hat er bereits eingespielt, seine beiden Konkurrenten, die in der Show einst Millionensummen verdienten, stehen derzeit abgeschlagen bei 10.000 und 4800 Dollar.
Zu den Rätseln, die Watson in Sekundenschnelle löste, gehörte zum Beispiel: "In Der Fuchs und der Igel führte dieser russische Graf sein Geschichtsverständnis aus" (Antwort: "Wer ist Tolstoi?") oder "Heitor Villa-Lobos widmete seine zwölf Etüden für dieses Instrument Andres Segovia" ("Was ist eine Gitarre?").
Der Computer, dessen Stimme frappierend der des Supercomputers HAL 9000 aus dem Kubrick-Film 2001: Odyssee im Weltraum erinnert, beschränkte sich bei seinen Antworten auf das Nötigste. Als er für seine Lösung nur 32 Prozent Wahrscheinlichkeit errechnet hatte, erklärte Watson, er werde nun "raten" - für mehr augenzwinkernden Humor hatte die IBM-Abteilung, die den Rechner vier Jahre lang auf das Quiz-Duell vorbereitet hatten, offenbar keinen Platz im Speicher gelassen. "Er steht da wie Eierkopf, der nach dem örtlichen Schachklub gesucht hat, aber in der Playboy-Villa gelandet ist", spottete ein Autor des amerikanischen IT-Blogs CNet.
Technisch simuliertes Sprachverständnis
Dass seine beiden menschlichen Konkurrenten den Rückstand in der letzten Folge am Mittwochabend aufholen können, ist fraglich. Genauso zu bezweifeln ist, ob die Watsons Dominanz wirklich etwas über künstliche Intelligenz aussagt.
Selbst die Watson-Programmierer hatten erklärt, der Computer könne weiterhin nur das tun, was man ihm vorher beibringt. Bei der Lösung der Jeopardy-Rätsel geht es also vor allem um die semantische Auswertung von Fragen, also um technisch simuliertes Sprachverständnis.
Und Watson-Kritiker haben sowieso bereits angemerkt, dass der Computer einen unschlagbaren Vorteil besitzt: Er erhält das Jeopardy-Rätsel bereits in Textform, wenn der Moderator gerade erst zu sprechen anfängt. Diese Sekunden kann er für die Berechnung der Antwort nutzen, während die menschlichen Konkurrenten noch zuhören müssen.
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(sueddeutsche.de/joku/kar)
Bruce Springsteen in Frankfurt
"Spielereien" sind schon seit Jahren eine der Antriebsfedern des Fortschritts in der Halbleitertechnik. Und ich meine das wortwörtlich: Computerspiele.
Watson ist weit mehr als es zunächst den Anschein hat. Der Auftritt bei Jeopardy ist lediglich eine medienwirksame Aktion. Was im Hintergrund werkelt nennt sich DeepQA und hat den Sinn Computern die menschliche Sprache verständlich zu machen. Jeder mit ein wenig Fantasie kann sich vorstellen, in welche Richtung diese Entwicklung geht.
Ob bei diesem Spiel nun für die Kontrahenten gleiche Bedingungen herrschen oder nicht ist für mich ohne Bedeutung. Mensch gegen Maschine? Für mich ist dieses Experiment eher ein "Mensch gegen die Grenze des Menschenmöglichen". Und das bedeutet Motivation für weiteres Forschen.
Watson hat alles digital verfügbare Lexikonwissen der Welt abgespeichert, kein Wunder, dass er dann gewinnt.
Anstelle solcher unbedeutenden Spielereien sollte man endlich einmal intelligentere Automaten für den "Hausgebrauch" konstruieren. Die Bedienung der Fahrkartenautomaten der DB ist ein Musterbeispiel des Unsinns, auch bei der Berechnung des günstigsten Fahrpreises ist er hoffnungslos überfordert.