Kritik an Videospiel Foltern mit GTA V

Wer GTA V spielen will, muss sich darauf einstellen, einen Menschen zu foltern. In einer Passage, die knapp zehn Minuten dauert, wählt der Spieler aus: Waterboarding oder Zange. Menschenrechtsorganisationen sind entsetzt.

Von Hakan Tanriverdi

Die aktuellste Pressemitteilung, die Take 2 Interactive anlässlich ihres Knaller- und Ballerspiels GTA V herausgegeben hat, lautet: "Mehr als eine Milliarde US-Dollar umgesetzt in den ersten drei Tagen". Für Take 2 ist GTA V eine spielgewordene Geldmaschine. Für Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder "Freedom from Torture" (Freiheit davor, gefoltert zu werden) hingegen ist das Spiel eine Verharmlosung von Folter.

Keith Best, Chef von Freedom from Torture, sagte dem Guardian: "Rockstar North hat tatsächlich eine Grenze überschritten, weil sie Menschen dazu zwingen, in die Rolle eines Folterers zu schlüpfen und unaussprechliche Taten auszuführen, wenn sie in dem Spiel weiterkommen wollen." Rockstar North gehört zu Take 2.

An einer Stelle des Spiels wird ein neuer Charakter eingeführt, er heißt Trevor. In der auf Games spezialisierten Seite Polygon wird er beschrieben als Soziopath, der es liebe, Menschen umzubringen. Beim Bayerischen Rundfunk heißt es, Trevor sei ein "richtiges Arschloch", das Menschen aus Spaß ins Gesicht schieße, weil sie ihn dumm angeschaut hätten.

Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, warum GTA V erst für Menschen ab 18 Jahren freigegeben ist.

(Warnung für Leser, die GTA V noch spielen wollen. In den folgenden Absätzen werden Teile der Handlung erklärt.)

Dieser Trevor arbeitet für den Geheimdienst FIB (eine offene Anspielung auf das real existierende FBI). Das FIB will einen Menschen umbringen, dafür hat es einen Scharfschützen engagiert, der durch ein Fernrohr "Aserbaidschaner" ins Visier nimmt. Das FIB weiß nicht, wer genau der zu tötende Mensch ist. Hier kommt Trevor ins Spiel. Er ist in einer Lagerhalle, neben ihm ein an den Stuhl gefesselter Mensch, der vor Angst winselt. Anschließend wird der Spieler aufgefordert: "Um das Ziel zu finden, foltere Mr. K." Die Szene, die jeder spielen muss, wenn er weiterkommen will, ist dutzendfach auf YouTube geladen und vorgespielt worden.

Erschossen wird ein Linkshänder

Zur Wahl stehen mehrere Instrumente: Zangen, Metallrohre, Elektroschocker und Waterboarding, eine Methode, bei der das Opfer das Gefühl hat, zu ertrinken. Der Gefolterte wird in Großaufnahme beim Jammern gezeigt: "Das darf doch nicht legal sein" und "Ich habe Angst vor dem Ertrinken", schreit es. Trevor entscheidet sich in einem der Videos zuerst für das Waterboarding. Man hört, wie das Opfer Wasser spuckt und röchelt, der Spieler wird aufgefordert, weiter fleißig Wasser auf den Gefesselten zu schütten. Als es vorbei ist, sagt ein FIB-Agent, der neben Trevor ist und im Telefonkontakt zu dem Scharfschützen steht: "Als ob es nie passiert ist."