Internet der Dinge Smartes Zuhause - offen für kluge Einbrecher

So sieht die Steuerungszentrale eines der Smart Homes aus, das die SZ entdeckte. Sogar das Garagentor hätte sich aus der Ferne öffnen lassen.

(Foto: sz)

Licht und Heizung aus der Ferne steuern, Strom und Geld sparen - das vernetzte Zuhause soll die Zukunft sein. Dumm nur, wenn Kriminelle die Kontrolle übernehmen können.

Von Johannes Boie

Wer kommt schon gern heim, wenn vor dem eigenen Haus zwei Journalisten stehen und erklären, warum das Haus extrem gefährdet sei? Sandra Wiesel (Name geändert) würde an diesem Herbstabend wirklich lieber weiter telefonieren. Aber als sie begreift, worum es dem Überraschungsbesuch geht, nämlich um die Sicherheit ihrer Familie, bricht sie das Telefonat schnell ab.

Ob ein internetaffiner Jugendlicher auf Honolulu, eine gelangweilte Frau in Singapur oder ein Einbrecher aus Regensburg - jeder kann das Haus der Wiesels im beschaulichen Osten Bayerns übernehmen und steuern: Garagentor auf und zu, Jalousien, Beleuchtung, Temperatur rauf und runter. Selbst der Springbrunnen im Garten lässt sich ein- und ausschalten. Das bestätigt Sandra Wiesels Befürchtungen: Sie habe schon immer gewarnt, dass das Hobby ihres Mannes zu nichts Gutem führen würde. Und das, obwohl der bei der digitalen Technik vom Fach sei.

Wie den Wiesels ergeht es Tausenden in Deutschland. Häuser, die sich per Internet und Smartphone steuern lassen, werden langsam zum neuen Standard. Mal rüstet der Eigentümer selber nach, mal baut der Elektriker gar nichts anderes mehr ein. Vorteile: die zentrale Steuerung soll durch intelligente Planung Strom und Energie sparen und gleichzeitig das Leben der Bewohner flexibler machen. Der Nachbar will ein Paket abgeben, man ist aber außer Haus? Kein Problem, die Haustür lässt sich unterwegs mit dem Handy öffnen. Zudem sollen die "intelligenten" Häuser mit ihren ausgeklügelten Alarmsystemen vor Einbruch schützen.

Ein Gemeindezentrum in der bayerischen Provinz lässt sich fernsteuern

Doch die Wiesels sind längst nicht die einzigen, deren vernetztes Zuhause Sicherheitslücken birgt. Um die Temperatur im Forheimer Gemeindezentrum zu steuern, gibt es zum Beispiel zwei Möglichkeiten: Entweder, man fährt über die Autobahn und endlose Landstraßen tief in die bayerische Provinz und dreht den Schalter vor Ort - alternativ reichen wenige Klicks im Internet.

Man muss kein Hacker sein, um die eingebaute Heizung in allen Räumen an- oder auszuschalten. Oder die Rauchmelder. Oder man drückt einfach auf einen Knopf, auf dem "Hauptschalter" steht, was sicher eine gute Idee ist, wenn man einen Kumpel hat, der zeitgleich ins Gemeindezentrum der Forheimer einbrechen möchte. Möglicherweise springt dann zwar eine Batterie an, aber auf den "Batterieraum" hat im Netz ja auch jeder Zugriff.

Risiken im vernetzten Zuhause

Die Forheimer haben gleichzeitig Glück und Pech. Ein Mitglied des Gemeinderates hat die Technik eingebaut, die Arbeit leistete er kostenlos für seine kleine Gemeinde. Der Mann ist gelernter Nachrichtentechniker, arbeitet als Einkäufer bei einem deutschen Industrieunternehmen. Einer, den sie im Ort schätzen, der sein Handwerk versteht. Doch die Anzeigentafel der modernen Gebäudesteuerung, die die Forheimer in ihr Haus eingebaut haben, ist für jeden Menschen auf der Welt, der einen Computer oder ein Handy hat, leicht zu finden.

Analysten erwarten, dass die Nachfrage nach Produkten für das Smart Home weiter wächst. Hersteller wie Bosch und Siemens haben ihr Angebot erweitert, von der Zentralsteuerung bis zum digital vernetzten Thermostat ist alles zu bekommen. Doch mit dem bequemen Leben im vernetzten Haus können erhebliche Risiken einziehen: Das Zuhause ist im Wortsinn mit dem Internet verbunden. Das kommt bestimmten Kriminellen besonders gelegen: Einbrechern.

Shodan flexibles Teasermodul

Die SZ hat über mehrere Monate in der Suchmaschine Shodan recherchiert, die das Internet der Dinge durchsuchbar macht - und dabei viele Belege dafür gefunden, wie grundlegend unsicher die Architektur der totalen digitalen Vernetzung ist. Was Sie wissen müssen und wie Sie sich schützen können: