Babyschritte in die Suchmaschinenzukunft

Google verändert Websuche /
Von Pascal Paukner
/ Veröffentlicht am , im Digitalblog

Google will mehr Ordnung in die Informationsflut bringen und verpasst seiner Suchmaschine ein Update.

(Foto: Bloomberg)

Der Suchmaschinenmarkt gehört derzeit nicht zu den Feldern im IT-Bereich, in denen ein besonders harter Konkurrenz- und Verdrängungskampf herrscht. Seit Jahren dominiert Google das Feld. Zahlreiche vermeintliche Google-Killer sind gekommen, vor allem aber sind sie wieder gegangen. Kaum jemand, der sich heute noch an Cuil, Blekko oder Powerset erinnert. Suchen im Web, das heißt heute: googeln.

Für Google ist das eine komfortable Position, kann es sich doch durch die üppig fließenden Erlöse aus Werbeanzeigen noch erlauben, im Bereich Social Media Facebook und Twitter weiterhin hinterherzulaufen.

Die Websuche entwickelt das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View zwar beständig weiter, war aber bislang nie gezwungen, das auf Schnelligkeiten und Einfachheit basierende Grundprinzip anzutasten. Veränderungen werden deshalb meist ohne großes Tamtam verkündet. So auch diesmal. Am Mittwoch hat das Unternehmen drei Änderungen bekannt gegeben. Es handle sich um "Babyschritte", heißt es im Unternehmensblog. Doch aus ihnen lässt sich erahnen, wie Google sich die Zukunft der Websuche vorstellt.

[] Stärkere Aggregation von Inhalten

Der im vergangenen Mai für die USA vorgestellte Knowledge Graph wird ab sofort weltweit freigeschaltet. Sucht ein Nutzer beispielsweise nach Leonardo Da Vinci, wird in den Suchergebnissen rechts eine Infobox eingeblendet, die automatisiert Informationen über Leben und Werk des Künstlers anzeigt. Das funktioniert auch mit Orten oder Sportmannschaften. Das Ziel der Maßnahme ist klar: Google will die Verweildauer auf seiner Webseite erhöhen. Bislang war Googles Suche vor allem Mittel zum Zweck, eine Webseite, die nicht von Google kontrolliert wird, anzusteuern. Das soll sich ändern. Gesuchte Informationen sollen möglichst direkt bei Google gefunden werden. Den Konflikt mit Inhalteanbietern, wie etwa Verlagen in Deutschland, dürfte das allerdings kaum befrieden.

[] Websuche wird weiter personalisiert

Dies Entwicklung ist nicht neu: Wer in Hamburg wohnt und auf Google nach "Pizza" sucht, erhält schon heute ein anderes Suchergebnis, als der, dem in München nach der italienischen Speise gelüstet. Bislang war es allerdings nur eingeschränkt möglich, Googles Suche so weit zu personalisieren, dass auch persönliche, nicht-öffentliche Informationen einbezogen werden. Das ändert sich jetzt. Künftig wird es auch möglich sein, sich eigene E-Mails, die zu einem Suchbegriff passen, in den Ergebnissen anzeigen zu lassen. Wer dann beispielsweise nach "Meine Flüge" sucht, erhält eine Auflistung von Flugbuchungen, die sich in der persönlichen Mailbox befinden - vorausgesetzt, er nutzt den Google-Dienst Gmail. So weitreichend wie das 2011 eingestellte "Google Desktop Search", mit dem sich der eigene Computer durchsuchen ließ, geht die neue Funktion allerdings nicht.

[] Das gesprochene Wort wird wichtiger

Als Apple im vergangenen Herbst Siri vorstellte, meinten manche, der Sprachassistent könnte Googles Kerngeschäft als Informationslotse gefährden. Es ist nicht bekannt, ob die Google-Entwickler von solchen Meinungen besonders angespornt wurden. Jedenfalls hat das Unternehmen in der Zwischenzeit die Spracheingabe auf Android-Geräten stark weiterentwickelt und schickt sich jetzt an, auch auf Apple-Geräten zur Konkurrenz für Siri zu werden. In Kürze werde im App Store ein neues Programm für iPhone und iPad verfügbar sein, das die Suche per Spracheingabe ermögliche und das auch "manchmal" in der Lage sei, selber Sprachantworten zu geben. In die Ergebnisse soll der Knowledge Graph mit einbezogen werden.