Google Street View Gegenwind für Bilderjäger

Verbraucherschutzministerin Aigner prüft rechtliche Schritte gegen das Abfilmen von Straßen durch Google. Auch Städte und Gemeinden fordern strengere Gesetze - und Geld.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will gegen Aufnahmen des US-Konzerns Google von Straßen und Häusern für das Internet vorgehen. Sie stehe in Kontakt mit dem Bundesinnenministerium, um "rechtliche Schritte und mögliche Gesetzesänderungen zu prüfen", sagte Aigner dem Magazin Focus.

Fahrzeug mit Street-View-Kamera: Ab Herbst sind Bilder aus Deutschland online.

(Foto: Foto: AP)

Sie wolle das bisherige Verfahren umdrehen: Nicht die Bürger sollten einer Veröffentlichung ihrer privaten Daten widersprechen müssen, sondern Google solle verpflichtet werden, Genehmigungen einzuholen. Das Unternehmen will die Bilder aus Deutschland nach Angaben einer Sprecherin im letzten Drittel dieses Jahres online stellen.

Aigner bewertete die Aufnahmen von "Google Street View" als "millionenfache Verletzung der Privatsphäre". Für den Internetdienst werden komplette Straßenansichten abgefahren und fotografiert. Vor knapp einem Monat hatte bereits Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Google mit einem verschärften Datenschutzgesetz gedroht.

Kommunen fordern strenge Auflagen

Umstrittene Dienste wie auch "Google Earth" (Grundstücke aus der Vogelperspektive) seien "rechtlich unbedingt prüfenswert", so die FDP-Politikerin damals. Aigner begrüßte, dass auch das Justizministerium Handlungsbedarf sieht.

Auch Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, fordert strengere rechtliche Auflagen. "Aufnahmen von Straßen, wegen und Plätzen sollten an die Zustimmung der Kommune geknüpft werden", sagte Landsberg den Ruhr Nachrichten. Zudem sei es richtig, für die Verwertung von Gebäudeaufnahmen auch die Zustimmung der Eigentümer einzuholen.

Nach Landsbergs Vorstellung sollten die Kommunen für das Abfotografieren ihrer Straßen auch eine Sondernutzungsgebühr erheben können. Eine solche hatte im Dezember 2009 die Stadt Ratingen erhoben, die 20 Euro pro Kilometer Straße von Google fordert.

Bilder ab Herbst online

Google wies die Kritik zurück. Für "Street View" seien in Deutschland bereits seit mehr als einem Jahr im Einklang mit den Datenschutzbehörden Fotos aufgenommen worden. "Die Datenschützer haben uns gewisse Dinge mit auf den Weg gegeben", sagte Google- Deutschland-Sprecherin Lena Wagner. So würden Gesichter und Kennzeichen unkenntlich gemacht.

Jeder Nutzer habe zudem die Möglichkeit, Widerspruch gegen Abbildungen seines Hauses einzulegen, die vor der Einführung entfernt werden sollen. Davon hätten bislang "einige hundert" Gebrauch gemacht.

Bilder deutscher Städte und Gemeinden sollen noch dieses Jahr zum ersten Mal im Internet zur Verfügung stehen. "Nur kleinere Regionen sind noch nicht erfasst", sagte Wagner. Diese Aufnahmen sollen bei guter Wetterlage ab März starten. Dabei ist eine Kamera in 2,50 Meter Höhe angebracht, so dass auch über Hecken und Zäune fotografiert werden kann. In Europa sind unter anderem bereits Aufnahmen von Städten in Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweiz und den Niederlanden online zu sehen.