5G-Technik Noch mehr Daten in der Luft

Die Stadt Barcelona will zu den Vorreitern bei den Smart Citys gehören - umfassende Vernetzung ist dafür unabdingbar. Auf dem Mobile World Congress in der Stadt dreht sich vieles um den kommenden 5G-Standard.

(Foto: Gemma Ferrando/mauritius images)

5G, der kommende Mobilfunk-Standard, ist nicht bloß eine neue Technik. Glaubt man der Branche, soll der die Welt verändern wie einst das stationäre Internet.

Von Helmut Martin-Jung, Barcelona

Das Ding sieht ein bisschen so aus, als hätte man eine Badewanne umgekehrt und an die Wand genagelt. Es wäre allerdings eine flache und schmale Wanne. Und eine, in der kein Wasser ist, sondern Technik vom Feinsten. Trichterartige Gebilde sind in ihrem Inneren zur Außenseite hingerichtet. Es sind die Antennen für die neueste Mobilfunktechnik, entwickelt im oberbayerischen Rosenheim von Kathrein, einem der weltweit führenden Unternehmen auf diesem Gebiet. Experten lacht bei einem solchen Anblick das Herz, doch was haben die Verbraucher davon?

Roland Gabriel, Technikchef von Kathrein, muss nicht lang überlegen, wenn es darum geht, die Vorteile der kommenden Technik der fünften Generation, kurz 5G, aufzuzählen: Superschnelle Datenübertragung, extrem geringe Wartezeiten aufs Netz und dazu ein Energieverbrauch, der um den Faktor 1000 niedriger ist als bei der bisherigen Technik. Für manche Experten ist durch 5G schon das Ende des häuslichen Wlans in Sicht.

Das wird wohl nicht so schnell gehen, aber, da ist sich Roland Gabriel von Kathrein sicher: Wenn nicht mobile Datenübertragung dafür genutzt werde, die letzte Meile zu überbrücken, "werden wir es nicht schaffen". Es, damit meint Gabriel den Ausbau schneller Internetanbindungen, besonders auch im ländlichen Raum. "Bis jetzt sind ja erst sieben Prozent der Haushalte mit Glasfaseranschlüssen bis ins Haus versorgt." Dass jeder Weiler irgendwo auf dem Land seine eigene Glasfaserleitung bekommt, das ist natürlich unrealistisch, weil viel zu teuer.

Während in der Öffentlichkeit vor allem eine Rolle spielt, um wie viel mehr Daten sich mit der neuen Technik übertragen lassen, hat man in der Branche eher einen anderen Blick. Viel wichtiger sei die Rolle, die 5G bei der Vernetzung der industriellen Produktion spiele, sagt Lauri Oksanen von Nokia Bell Labs, einem der führenden Unternehmen für Netzwerktechnik.

Damit 5G zu einem Erfolg wird, braucht es einen weltweiten Standard

Vor allem die Industrie sei es gewesen, die vermehrt Anfragen an die Mobilfunkanbieter gerichtet habe, sodass diese sich dafür einsetzten, die Einführung von 5G zu beschleunigen, also nicht erst 2020 zu starten, sondern dieses oder nächstes Jahr. Man sei nicht nur gut in der Zeit, sondern ihr voraus, sagt Oksanen. Im Dezember sei der Standard für die Funktechnik verabschiedet worden. Im März wird die finale Version vorliegen, an der es aber nur noch kosmetische Änderungen geben wird.

"Es braucht ja immer eine Reihe von Anstrengungen, um Standards zu entwickeln", sagt Sumeet Arora, der beim US-Netzwerkspezialisten Cisco für das Geschäft mit den Mobilfunkanbietern verantwortlich ist. "Das ist normal und es beschleunigt letztendlich sogar den Prozess." Denn weil die Mobilfunkanbieter die Wahl zwischen verschiedenen Ansätzen hätten, setzten sich in einer Art evolutionärem Prozess die besten Lösungen durch. "Das sieht so aus, als dauere das lange, aber in Wirklichkeit macht es die Sache schneller." Und dass es einen einzigen weltweit gültigen Standard braucht, darüber sind sich alle Unternehmen einig, die in der Vereinigung 3GPP an diesen Standards arbeiten.

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Die Erwartungen an die neue Technik für mobile Datenübertragung könnten größer kaum sein, vor allem bei der vernetzten Produktion, die man in Deutschland gerne Industrie 4.0 nennt, sonst meist eher Internet of Things (IoT). Lauri Oksanen formuliert es so: "IoT wird einen ebenso großen Wandel mit sich bringen wie das Internet für Konsumenten in den 1990er-und 2000er-Jahren." Es werde die Wirtschaft massiv beeinflussen.

Andersherum gewendet heißt das: Wer bei dieser Entwicklung vorne dabei ist, wird wirtschaftlich profitieren. Dass die EU genau dieses Ziel ausgegeben hat, hält Lauri Oksanen von Nokia Bell Labs für "eine gute Vision und ein gutes Ziel". Die vernetzte Produktion, mit der Dinge wie maschinelles Lernen möglich würden, brauche die dazu passende Netzwerktechnik - und das sei eben 5G.

Was 5G ausmacht

Was aber macht diese Technik so besonders? Sie unterscheidet sich von ihren Vorgängern nicht bloß dadurch, dass sie noch erheblich mehr Daten transportieren kann, sie benötigt dafür auch weniger Energie. Sie ermöglicht es aber darüber hinaus auch, viele kleine und kleinste Sensoren einzubinden, die nur wenige Daten senden und das auch noch mit großen Pausen dazwischen. Und das Netz lässt sich virtuell zerschneiden in viele Tausende einzelne Leitungen, im Jargon Network Slicing genannt.

Ein solches Slice könnte also etwa dazu dienen, einen Temperatursensor anzubinden, der nur ein paar Mal am Tag einen Wert sendet. Ein anderes aber könnte dafür sorgen, dass ein Video zum Beispiel aus einem OP-Saal mit höchster Ausfallsicherheit übertragen werden kann. Dies sei auch eine Möglichkeit für die Mobilfunkanbieter, wie sie mit solchen Diensten zusätzlich Geld verdienen könnten, sagt Cisco-Mann Arora. Denn klar ist: Auch wenn das Netz künftig zehnmal schneller ist oder noch mehr - die Kunden werden kaum bereit sein, wesentlich mehr für ihre Mobilfunkverträge zu zahlen. Das Network Slicing ist aber umstritten, weil manche dadurch die Neutralität der Netzwerke in Gefahr sehen. Das, sagt Lauri Oksanen, müsse man genau abwägen.

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In vielen Regionen, auch in Europa, gibt es bereits Testfelder. Eines der größten war bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang in Betrieb. In Deutschland kooperiert zum Beispiel das Rosenheimer Unternehmen Kathrein mit einer ganzen Reihe von Partnern, darunter auch Rundfunkanstalten. "Im vergangenen Jahr", sagt Technikchef Gabriel, "hat der Markt richtig angezogen", davor habe es eine kleine Delle gegeben. An Daten, die durch die Leitungen und durch die Luft sausen, wird kein Mangel herrschen: Bis zum Jahr 2023 soll sich ihre Menge verachtfachen.