Foto-Community Flickr Yahoo verkauft Bilder von Hobby-Fotografen

Ärger unter Nutzern der Foto-Community Flickr: Yahoo verkauft deren Bilder als Leinwand-Drucke - und behält oft den gesamten Erlös für sich. Rechtlich ist das zwar einwandfrei, viele fühlen sich trotzdem hintergangen.

Von Johannes Boie

Blutrot gefärbte Ahornblätter, Birken im Herbst, blühende Vergissmeinnicht und ein liebevoll gepflegter Garten. Es ist eine friedliche Welt, die Liz West auf der Fotowebseite Flickr präsentiert. Ihre Bilder sind nicht frei von Klischees, vielleicht sind sie auch deshalb so beliebt - und das nicht nur bei den anderen Flickr-Nutzern. Vor Kurzem begann das Unternehmen Yahoo, zu dem Flickr gehört, Wests Bilder auf Leinwand drucken zu lassen und für 49 Dollar pro Stück zu verkaufen. Der Gewinn geht an Yahoo, und zwar komplett. Und deshalb ist Wests Welt jetzt weit weniger friedlich als auf ihren Bildern. Im Wall Street Journal macht sie ihrem Ärger Luft: "Es hat mich schon sehr geärgert."

Bitter für West und andere betroffene Flickr-Nutzer: Sie haben keine Handhabe gegen Yahoo. Ihre Bilder hat West unter der Lizenz CC BY ins Netz gestellt. Sie hat damit auf eine der verbreiteten Creative-Commons-Lizenzen zurückgegriffen. Die Variante BY erlaubt jedem, ihre Bilder zu kopieren, ganz gleich in welchem Format. Man darf ihre Bilder verändern oder als Grundlage neuer Kunstwerke verwenden. Ausdrücklich sind kommerzielle Zwecke erlaubt. Im Gegenzug schreibt die Lizenz lediglich vor, dass West als Urheberin genannt werden muss. In dieser Hinsicht macht Yahoo alles richtig: Mit jedem Druck von Wests Bildern wird ein Aufkleber verschickt, der ihren Namen trägt.

Lizenzen wie CC BY sind einst im Sinne eines freien Netzes entwickelt worden. Zugrunde liegt für viele, die sich für die liberale Lizenzierung entscheiden, die Hoffnung, dass sich ihre Werke bei geringeren Auflagen weiter verbreiten werden.

Bei Yahoo geht es ums große Geld

Oft spielt der Traum einer globalen Community eine Rolle, in der jeder auf das Material des anderen zurückgreifen darf, um es zum Nutzen der gesamten Gemeinschaft zu verwenden. Diese Idee funktioniert oft. West selbst kann zahlreiche Beispiele nennen, bei denen andere Nutzer ihre Bilder verwendet haben. In der Regel kontaktiert man sich und einigt sich auf einen kleinen Handel, der beiden Seiten ein gutes Gefühl gibt. Ums große Geld geht es dabei nicht.

Bei Yahoo geht es aber durchaus ums große Geld. Zwar verstößt der Konzern nicht gegen geltendes Recht, sehr wohl aber gegen die Vorstellungen seiner Kunden. Nicht zum ersten Mal stößt die Internetfirma unter der Führung von Marissa Mayer die eigenen Nutzer vor den Kopf; gerade die Flickr-Foto-Gemeinschaft fühlt sich vom Großkonzern Yahoo eher ungeliebt. Dass der nun auch noch Kapital aus der künstlerischen Leistung seiner Kunden schlägt, sorgt natürlich für Streit. Gut möglich, dass der Imageschaden das Einkommen mit den Drucken übertrifft.

Vielleicht haben die Nutzer aber auch nur versäumt, sich mit dem Internet zu verändern. Aus sympathischen Communities sind millionenschwere Geschäftsideen geworden. Und Marissa Mayer wird alles tun, um ihren Laden endlich fit für die Zukunft zu machen.

Neue Geschäftsmodelle oder anti-kapitalistische Utopie?

Nutzer wie Liz West jedenfalls haben die Wahl, ihre Bilder auch unter weit restriktiveren Lizenzen zu veröffentlichen. CC BY-NC zum Beispiel verbietet die kommerzielle Nutzung durch Dritte. Und wie heftig war diese Lizenz einst umstritten, zu einer Zeit, als das Netz noch weit weniger kommerziell war als heute und nicht wenigen als anti-kapitalistische Utopie diente.

Das Blog netzpolitik.org, das seine Texte nicht zur kommerziellen Verwendung freigibt, merkt in diesem Zusammenhang mit Recht an, dass der Fall von Liz West andere Künstler dazu bringen könnte, sich für eine strengere Lizenz zu entscheiden.

Und noch was zeigt der Fall eindeutig, und das ist trotz des Ärgers erfreulich: lizenzierte Arbeiten im Netz ermöglichen Dritten, wie den Leinwandproduzenten, finanziellen Mehrwert zu schaffen. Für Liz West ging die Sache schief, weil ihr Leinwandproduzent ungeschrieben Regeln der Fairness missachtete. Für andere aber, die sich fair verhalten, kann so ein neues Geschäftsmodell entstehen, von dem alle Seiten profitieren.