Falsche Genanalyse von US-Firma Hartmann würde gerne das Gencode-Copyright behalten

Im vergangenen November haben die amerikanischen Behörden 23andme den weiteren Betrieb untersagt - auch weil die Kunden schlecht betreut wurden. Hartmann ist sich dessen bewusst, dass nicht jeder eine solche Fehldiagnose so leicht nehmen würde, wie er es getan hat. Und er macht sich auch keine Illusionen darüber, dass es gefährlich sein könnte, wenn ein Unternehmen die Hoheit über solch sensible Daten hat. 23andme wurde von Anne Wojcicki gegründet, die lange Zeit mit dem Google-Gründer Sergej Brin zusammen war. Im Silicon Valley kennt man einander eben. Und man macht gemeinsam Geschäfte.

Stefan Dimitrov / SZ, Süddeutsche Zeitung, Illustration

(Foto: Stefan Dimitrov / SZ)

Und dennoch bereut es Hartmann nicht, sein Erbmaterial in fremde Hände gegeben zu haben. Dass 23andme es falsch gemacht hat, bedeutet für ihn nicht, dass es andere nicht besser machen werden. Er glaubt daran, dass, wenn mehr Menschen ihren Gencode zur Verfügung stellen würden, mehr Menschen geholfen werden könnte. Nur so würde die empirische Grundlage für die Forschung an Erbkrankheiten größer - und damit auch die Möglichkeit, Risiken rechtzeitig abzuschätzen. Dass Hartmann den Fehler im Algorithmus aufspüren konnte, liegt schließlich auch daran, dass alles im Netz für alle verfügbar ist. "Vor ein paar Jahren hätte ich dazu noch in ziemlich viele Bibliotheken gehen müssen", sagt er.

Wie schützenswert ist also die DNA? Und wer hat, wenn man diese persönlichen Daten freigibt, das Urheberrecht darauf? Wer darf entscheiden, was mit dem Wissen über den Gencode gemacht wird? Hartmann zögert. Dann fällt ihm ein Science-Fiction-Film ein, in dem Popstars geklont werden und man das synthetische Fleisch als Fanartikel verscherbelt. Wenn er daran denkt, wäre es ihm lieber, er würde das Copyright auf seinen Gencode halten. "Andererseits: Wenn jemand ein HIV-resistentes Gen hat, wäre es dann nicht besser, es allen zugänglich zu machen?"

Verpflichten könne man dazu niemanden, betont Hartmann. Und schon gar nicht dürfe das Wissen über Erbmaterial zu einem Firmengeheimnis werden. Ob es gelingt, dieses Wissen offenzulegen und zum Wohle aller einzusetzen, sei letztlich eine 50-50-Wette. "Ich bin da eher Optimist."